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Serien bei der Berlinale : Sie lacht und liebt laut

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Der zweite südamerikanische Beitrag kommt aus Argentinien, produziert von und für HBO Latin America. Hier sterben drei Prostituierte bei einer Orgie mit drei hochgestellten Männern des öffentlichen Lebens. Die Polizei nimmt Ermittlungen auf, allerdings suchen die korrupten Beamten nicht nach den Schuldigen, sondern nach der Aufzeichnung des Verbrechens, die vernichtet werden soll. In ebenfalls nur vier Folgen, basierend auf dem gleichnamigen Roman von Germán Maggiori, zerrt „Entre Hombres“ („Amongst Men“) die Zuschauer in die Unterwelt des Buenos Aires der neunziger Jahre und präsentiert eine ästhetische Gewaltorgie mit schwarzhumorigen Untertönen, die Moral und Sehgewohnheiten herausfordert.

Eine Premiere in der Sektion gab die amerikanische Serie „Philly D.A.“, als erster dokumentarischer Titel seit der Gründung 2015. Sie begleitet den Anwalt Larry Krasner, der den unmöglich geglaubten Sprung vom Bürgerrechts- zum Staatsanwalt von Philadelphia geschafft hat und seit 2018 die konservativ geprägte Strafverfolgung revolutioniert.

Damit eine Serie ins Programm der Berlinale aufgenommen werden kann, muss sie dort normalerweise entweder als Weltpremiere oder als internationale Premiere laufen, also zum ersten Mal außerhalb ihres Produktionslands. Aufgrund des pandemiebedingten Planungs- chaos gab es in diesem Jahr eine Ausnahme. Die britische Serie „It’s a Sin“ von „Queer as Folk“-Erfinder Russell T. Davies lief schon in Großbritannien und Amerika, dass sie es trotzdem in die Auswahl schaffte, war jedoch ein Gewinn. In fünf Episoden erzählt Davies von der Londoner Schwulenszene der achtziger Jahre, als die Aids-Epidemie das aufkeimende Selbstbewusstsein der Marginalisierten und einer zaghaft wachsenden Toleranz in der Gesellschaft ein jähes Ende setzte.

Die vielleicht größte Herausforderung ist die deutsch-österreichische Serie „Ich und die Anderen“ von David Schalko, der seinem von Tom Schilling gespielten Protagonisten in jeder der sechs Folgen einen neuen Wunsch gewährt, der dessen Verhältnis zu seiner Umwelt grundlegend verändert. Die Serie startet konventionell, doch irgendwann werden riesige Wespen von Frauen geboren, lästige Liebhaberinnen gelyncht und Musicals getanzt. Logik ist hier keine Kategorie, dramaturgische Strukturen lösen sich auf. Es ist eine mutige Originalproduktion, die man bei Sky und auch sonst im deutschsprachigen Serienmarkt so noch nicht gesehen hat.

Den konventionellsten Titel des Programms hat sich die ARD gesichert, „Snöanglar“ („Snowangels“): ein hervorragender Krimi aus Schweden und Dänemark, in dem ein Baby verschwindet und von drei unkonventionellen Frauen gesucht wird. Damit geht der Senderverbund auf Nummer sicher, wieder mal. Die deutschen Rechte für „Philly D.A.“ und „The Last Days of Gilda“ stehen noch zum Verkauf. Während sich Arthouse-Filme auf Festivals und in Programmkinos einigermaßen gemütlich eingerichtet haben, sind Arthouse-Serien noch auf Heimatsuche. Auch auf diese Ungleichheit wirft die Berlinale ein Licht. Jetzt sind die Vermieter gefragt.

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