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Wirbel um RBB-Podcast : Was erlauben Somuncu und Schroeder?

  • -Aktualisiert am

Serdar Somuncu nimmt wirklich kein Blatt vor den Mund. Bild: dpa

Die Satiriker Serdar Somuncu und Florian Schroeder setzen für den RBB einen politisch sehr unkorrekten Podcast auf. Kaum jemand nimmt Notiz – bis zwei Minuten mit derben Unflätigkeiten über Kolumnistinnen bei Twitter die Runde machen. Ein Lehrstück.

          5 Min.

          Die Erfindung des Radios setzte einen Prozess der Professionalisierung in Gang. Mit der komplexen Technik entwickelten sich journalistische Formate, von den Nachrichten bis zu den Unterhaltungssendungen. Diese waren kein Selbstzweck, sondern dienten und folgten dem Interesse des Zuhörers. Wer wollte sich schon stundenlang das sinnfreie Gerede anderer Leute anhören? Das bekam man auch zu Hause.

          Geändert hat sich das alles inzwischen, weil dank der Digitalisierung jeder Radio machen kann – mit einem Podcast. Podcasts können sehr professionell sein, aber es entstehen bisweilen Werke von epischer Länge, die an die Liveübertragung von Gesprächen am Küchentisch erinnern. Alles kommt zur Sprache, selbst der größte Unsinn: Leider wird es nicht sofort wieder vergessen, sondern für die Nachwelt archiviert.

          So gingen am Sonntag, 6. September, die beiden Comedians Florian Schroeder und Serdar Somuncu für den RBB und dessen Kanal „Radio eins“ mit einem neuen Podcast an den Start. Vom Sender wurden sie vollmundig als großes Doppel angekündigt. Die beiden unterzögen „mit geballter Kraft die politisch-gesellschaftliche Großwetterlage einer handfesten Analyse, die man so noch nie gehört hat“.

          Das war richtig: Am Ausstrahlungstermin hörten nur wenige hundert Menschen den beiden zu. Bei dieser Resonanz blieb es auch – bis heute. Bis ein Journalist auf seinem Twitter-Account aus dem drei Stunden und zehn Minuten langen Opus Magnum einen knapp zwei Minuten langen Ausschnitt von Somuncu veröffentlichte.

          „Zigeunersoße“ und anderes

          In diesem geht es, kurz gesagt, um angemessenen oder unangemessenen Sprachgebrauch. Es beginnt bei der „Zigeunersoße“ und mündet – um es sehr zurückhaltend zu formulieren –, in die Frage, ob es zwischen den vermeintlichen sexuellen Aktivitäten von Journalistinnen und deren Texten einen Zusammenhang gibt.

          Somuncu formuliert das sehr viel rustikaler, vielleicht um jeden Anschein zu vermeiden, das solle man wörtlich nehmen. Oder hat er sich bei dieser Invektive gar nichts gedacht, außer Frauen zu beleidigen? Eventuell dachte er sich auch etwas dabei, nämlich sein zu diesem Zeitpunkt noch fehlendes Publikum auf die Palme zu bringen.

          Wobei diese Reaktion einkalkuliert ist. So fragen sich die beiden, ob sie nach dieser ersten Sendung überhaupt noch einmal auftreten dürfen. Oder ob der Podcast an bestimmten Stellen gekürzt würde. Sie sind sich jedenfalls sicher, dass die Empörungsrituale in den digitalen Medien funktionieren: Somuncu muss nur sexuell anzüglich über Feministinnen herziehen, da ist ihm der Shitstorm sicher. Obwohl er an dieser Stelle die Distanzierung einbaut: Er „meine es nicht und es ist viel wichtiger, was ich meine und nicht das, was ich sage“.

          Es dauerte neun Tage, bis die Sache zündete. Dafür sorgte der Journalist Malcolm Ohanwe mit der Veröffentlichung des Ausschnitts, den wir hier nicht wörtlich zitieren wollen, auf Twitter. Jetzt passierte, was Somuncu erwartet hatte. Der Twitter-Sturm brach los. Rassismus und Sexismus sind noch die höflicheren Vorwürfe, die Somuncu gemacht werden. Die „Tagesspiegel“-Kolumnistin Hatice Akyün fand eine sprachlich kongeniale Erwiderung, die wir dann doch zitieren: Somuncu müsse „einfach mal wieder richtig durchgefickt werden, so unentspannt, wie der gerade“ sei. Schroeder wiederum gibt im Podcast Journalisten wie Gabor Steingart oder Henryk Broder einen gleichlautenden Ratschlag, was immerhin den Anschein erzeugt, hier gehe es um politische Satire.

          Der Zweite im Bunde: der Kabarettist Florian Schroeder.
          Der Zweite im Bunde: der Kabarettist Florian Schroeder. : Bild: dpa

          Auf Twitter ist nun die Debatte darüber im Gange, was man noch sagen darf – und was nicht. Selbstverständlich darf man alles sagen, auch jeglichen Blödsinn. Es sollte nur nicht gegen Persönlichkeitsrechte verstoßen. Die Verteidiger Somuncus argumentieren mit der Satirefreiheit. Satire dürfe schließlich alles, etwa auch Polizisten mit Müll gleichsetzen.

          Die Reaktionen auf Somuncu und Schroeder würden wohl anders ausfallen, hätte man einen anderen Ausschnitt aus dem Podcast veröffentlicht. Die beiden räsonieren zum Beispiel fast eine Stunde lang über die „Bild“-Zeitung. Deren Chefredakteur sei „der Teufel in Person in der deutschen Medienlandschaft und gehört vor Gericht“, heißt es da. Julian Reichelt sei „absolut tabulos“ und ein „Amokläufer“, die „Bild“-Zeitung eine „Kriegserklärung an die Zivilisation" und ein „Fremdkörper dieser Gesellschaft“. Mit diesem Ausschnitt hätten Schroeder und Somuncu bei denen, die sich nun aufregen, wohl Begeisterungsstürme geerntet.

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