https://www.faz.net/-gqz-9mtbc

Edeka-Werbung zum Muttertag : Das kann doch einen Vater nicht erschüttern

Da sehen die Väter nicht gut aus: Der Muttertags-Werbeclip von Edeka. Bild: Edeka

Edeka macht müde Männer munter: Mit ihrem Werbeclip zum Muttertag sorgt die Einzelhandelskette für Aufruhr. Die einen sind über vermeintlichen Sexismus empört, andere finden es witzig.

          Mit ihrer Reklame zum Muttertag hat die Einzelhandelskette Edeka geschaffen, wovon Werber träumen: Aufmerksamkeit noch und nöcher, Aufregung, Empörung und Bestätigung, Pro und Kontra. Um das zu erreichen, musste die Agentur Jung von Matt nur eine Minute und zwanzig Sekunden lang Väter als kindergefährdende Deppen darstellen, die sich um ihren Nachwuchs vielleicht kümmern wollen, es aber einfach nicht können.

          Michael Hanfeld

          verantwortlicher Redakteur für Feuilleton Online und „Medien“.

          Sie lassen den Mixer explodieren, reißen der Tochter beim Kämmen die Haare aus und hämmern ihr beim Sport den Basketball vor den Kopf. Anstatt vorzulesen, schlafen sie mit Anzug und Krawatte im Bett liegend ein. Das Ganze dargeboten in körnigem Schwarzweiß, als wär’s ein Stück aus dem italienischen Neorealismus, unterlegt mit Trauermusik, gipfelnd in dem Satz: „Danke Mama, dass du nicht Papa bist.“

          Mehr als 1,6 Millionen Mal wurde der Clip bei Youtube angesehen, die Reaktionen sind heftig, wie zu erwarten. Das sei Männerhass pur, meinen die einen, das sei frauenfeindlich, die anderen, weil das dem Clip zugrundeliegende Rollenmodell von vorvorgestern sei. Diejenigen, die das trotz allem witzig finden, gehen wohlwollend davon aus, die Werber wollten dieses Rollenverständnis ironisieren.

          Feministinnen wissen nicht genau, ob sie sich aufregen sollen, weil das die Maskulisten schon tun. Wer gar nicht weiterweiß, fragt bei in solchen Fällen heutzutage von Journalisten gerne als vermeintlich letzte Instanz berufenen Sexismus-Expertinnen nach, wie es „Spiegel Online“ mit der „Pinkstinks“-Vertreterin Stevie Schmiedel tat. Die erkennt in dem Edeka-Spot ein „vergiftetes Muttertagsgeschenk“, weil er „Väter, die sich bemühen“ diskriminiere, aber auch „ein Schlag ins Gesicht aller emanzipierten Frauen“ sei.

          Sich gleichzeitig gegen Frauen und Männer, gegen Mütter und Väter zu richten und diese gegeneinander aufzuhetzen – damit dürfte Jung von Matt auf der Sexismus-Skala wohl hundert von hundert Punkten erreicht haben, und Edeka wird die lahme Entschuldigung – „Mit dem Film möchten wir Väter keinesfalls schlecht darstellen, sondern etwas überspitzt und auf humorvolle Art und Weise allen Müttern anlässlich des Muttertags Danke sagen“ – nichts nutzen. Da bleibt kein positives Image.

          Vergessen werden dabei freilich jene, auf deren Kosten dieser „Witz“ eigentlich geht: Das sind die Kinder. Auf die passendste Einordnung des Edeka-Produkts sind einige schon gekommen: Die beste Aldi-Werbung aller Zeiten.

          Weitere Themen

          Kein Mut in Sicht

          TV-Kritik „Anne Will“ : Kein Mut in Sicht

          Deutschland driftet auseinander: Im Westen wird das Land grün, im Osten blau. Bei Anne Will geht es darum, ob die Bundesregierung noch den Willen und die Kraft hat, mit überzeugender Politik zu antworten. Das Ergebnis der Debatte ist ernüchternd.

          Wenn der Wolf zutage tritt

          Fontane als Comic : Wenn der Wolf zutage tritt

          Comic-Helden wie Lucky Luke, Asterix und Spiderman haben Kultstatus, nicht nur bei Kindern – aber die deutsche Literatur des Realismus in Comicstrips und Sprechblasen? Birgit Weyhe macht aus Fontanes „Unterm Birnbaum“ einen Comic.

          Topmeldungen

          Neue Prognosen : Wird die Pkw-Maut zum Minusgeschäft?

          Interne Zahlen aus dem Verkehrsministerium zeigen: Aus den erhofften 500 Millionen Euro wird wohl nichts – schuld sind Veränderungen in der Fahrzeugflotte. Die Grünen geißeln das Lieblingsvorhaben von Verkehrsminister Scheuer als „ teures und sinnloses Stammtischprojekt“.
          Die Große Koalition erzielt in der Nacht auf Montag einen Kompromiss bei der Grundsteuer (Archivbild von Angela Merkel (CDU) und Olaf Scholz (SPD)).

          Große Koalition : Union und SPD einigen sich bei Grundsteuer

          Schon beim ersten Koalitionsausschuss mit neuer Besetzung erzielt die Bundesregierung einen Kompromiss. Ist das Ausdruck einer neuen Handlungsfähigkeit? Etliche Streitpunkte können jedenfalls nicht gelöst werden.
          Suchen nach Kraft und Mut: Anne Will diskutiert mit ihren Gästen (hier Franziska Giffey und Volker Bouffier) den Zustand der Großen Koalition.

          TV-Kritik „Anne Will“ : Kein Mut in Sicht

          Deutschland driftet auseinander: Im Westen wird das Land grün, im Osten blau. Bei Anne Will geht es darum, ob die Bundesregierung noch den Willen und die Kraft hat, mit überzeugender Politik zu antworten. Das Ergebnis der Debatte ist ernüchternd.

          Rückkehr nach Dortmund? : Hummels passt ins BVB-Konzept

          Es wäre ein wahrer Transfercoup: Gleich aus zwei Gründen aber würde ein Wechsel von Mats Hummels zur Borussia Sinn ergeben. Und eigentlich spräche einer dagegen – oder nicht?

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.