https://www.faz.net/-gsb-a1tqk

Serie „The Umbrella Academy“ : Zeitreisen mit Familienanschluss

Wenn man schon mit Geistern sprechen kann, sollten die einen hin und wieder als Partygag schweben lassen: Robert Sheehan als Klaus in „The Umbrella Academy“ Bild: Netflix

Eine der besten Serien, die Netflix je gedreht hat: Die brillante „Umbrella Academy“ ist wieder da, und in der zweiten Staffel geht es schon wieder um alles.

          2 Min.

          Es beginnt mit einer Enttäuschung, sowohl für die Figuren als auch für die Zuschauer: Gerade erst haben die sieben Geschwister am Ende der ersten Staffel die Welt vor der Apokalypse gerettet, da kündigt sich schon die nächste an. Nur dass die Geschwister sich diesmal bei einer schiefgegangenen Zeitreise in den Sechzigern verloren und sich zum Teil neue Leben aufgebaut haben, als sie sich wiederfinden und gezwungen sind, das nächste große Unglück abzuwenden – nämlich einen Atomkrieg, dessen Auslöser nicht klar ist. Ist die Story also im Wesentlichen gleich wie in der ersten Staffel? Ja. Und nein. Deshalb hält das Gefühl der Enttäuschung höchstens fünf Minuten an.

          Nun kann oder will man ja mit manchen Menschen ums Verrecken nicht zusammenarbeiten. Das ist auch das Hauptproblem der „Umbrella Academy“, wie die sieben Adoptivgeschwister von ihrem Vater genannt wurden. Sie haben zehn Tage bis zur Apokalypse, aber das gerät immer wieder in Vergessenheit: Erstens streiten sie sich unentwegt, und zweitens hat jeder seine eigenen Sorgen. Allison (Emmy Raver-Lampman) hat geheiratet und kämpft für die Rechte Schwarzer, Diego (David Castañeda) will unbedingt das Attentat auf John F. Kennedy verhindern, und Klaus (Robert Sheehan), die vielleicht sympathischste Serienfigur aller Zeiten, ist durch seine Fähigkeit, mit den Toten zu kommunizieren, zum Sektenguru aufgestiegen. Um alles noch komplizierter zu machen, hat Vanya (Ellen Page) ihr Gedächtnis verloren.

          Der Einzige, der wie immer alles im Griff hat, ist ausgerechnet Five (Aidan Gallagher), der durch einen Fehler im Raum-Zeit-Kontinuum immer noch aussieht wie ein Zwölfjähriger. Weil solche Fehler immer wieder vorkommen und die Realität durcheinanderbringen, arbeitet eine mächtige Behörde, nur „die Kommission“ genannt, daran, sie zu korrigieren. Dort zieht eine gewissenlose Frau (Kate Walsh) die Fäden – und sie hat vor allem mit Five noch ein paar Rechnungen offen.

          „The Umbrella Academy“ basiert auf den Comics von Gabriel Bá und Gerard Way, Künstler und Sänger der Band My Chemical Romance. Beide produzieren die Serie mit, die sich von der Vorlage aber immer wieder weit entfernt. Der Spirit ist jedoch derselbe, bis hin zu einem Comic-typischen Phänomen: Dafür, dass hier so viele Menschen unter Aufwendung von einigem Kunstblut zu Tode kommen, ist das Ganze unglaublich komisch. Und dafür, dass diesmal Politik eine große Rolle spielt, ist es so leichtfüßig und unsinnig, wie es nur sein kann.

          Davon lebt die Serie: Man weiß nie, von welcher Seite sie einen als Nächstes anspricht. Sie ist emotional, ein bisschen sentimental, knallhart, witzig, schlau, originell und setzt Musik überragend ein. Deshalb ist es auch nicht lahm, dass es schon wieder um eine nahende Apokalypse geht. Man beschwert sich ja auch nicht, dass ein großartiger, sprühender Mensch jeden Tag das gleiche Gesicht hat. Die Apokalypse ist nur das Vehikel, das ist vollkommen in Ordnung so. Denn auf diesem Vehikel kommt eine der besten Serien daher, die Netflix je gedreht hat.

          Weitere Themen

          Wen laust der Affe?

          „Do not feed the Monkeys“ : Wen laust der Affe?

          Im Videospiel „Do not feed the Monkeys“ überwacht der Spieler Orte, Personen und Wesen und muss sich einen Reim auf die jeweiligen Aktivitäten machen. Das ist nicht immer einfach, wird aber zusehends besser.

          Topmeldungen

           Eine Mitarbeiterin des Instituts für Infektiologie Emilio Ribas zeigt den Impfstoff gegen SARS-CoV-2 des chinesischen Pharmakonzerns Sinovac.

          „Versehen“ des RKI : Das Wumms-Papier aus der Berliner Corona-Zentrale

          Impfung im Herbst – das Schicksal meint es wirklich gut mit den Deutschen, so musste man das neue Positionspapier des Robert-Koch-Instituts zur Corona-Strategie deuten. Bis der Traum ganz schnell zerplatzte.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.