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Zweite Staffel „House of Cards“ : Bereuen Sie nichts!

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Im Kongress zählte er zu den führenden Politikern, im Weißen Haus ist er dem freien Spiel der Kräfte ausgesetzt: Frank Underwood (Kevin Spacey) Bild: AP

Politik ist Krieg, den nicht die Strategen, sondern die Schlächter gewinnen. Vizepräsident Frank Underwood zieht auf dem Weg zur Macht alle Register.

          Seit „Terminator“ ließ sich eine Fortsetzung nicht mehr so bedingungslos empfehlen wie die zweite Staffel von „House of Cards“. Der T-1000, die Muskelmaschine ohne Moral, kehrte seinerzeit als Retter der Menschheit zurück. Ganz anders Frank Underwood (Kevin Spacey), der Mann ohne Moral. Er bleibt, was er schon im vergangenen Jahr war, ein Politiker und Mörder - als gehörte beides zusammen.

          Netflix ist mit dem Experiment „House of Cards“ ein preisgekrönter Erfolg gelungen. Statt der nächsten filmischen Verherrlichung des amerikanischen Präsidentenamts nahm sich Beau Willimon eine britische Erzählung zur Vorlage und schrieb mit seinem Autorenteam eine düstere Abhandlung über den politischen Alltag in Washington. Die zweite Staffel - die zwölfstündige Erzählung wurde am Wochenende veröffentlicht - wirkt, als hätten die Autoren die Bedeutung ihres Erfolgs verstanden, als wären sie sich ihrer Deutungsmacht bewusst.

          Hinter jedem starken Mann, steht eine noch stärkere Frau? Das war einmal. Claire Underwood (Robin Wright) wird Präsidentin.

          Frank Underwood kehrt als dunkler Held zurück. Vom Chief Whip der demokratischen Mehrheitsfraktion im Repräsentantenhaus ins Vizepräsidentenamt aufgestiegen, erkennt er, dass in der Regierung andere Kräfte wirken. Er zeigt Nerven. Trotz aller Raffinesse im politischen Spiel hilft ihm zuweilen nur die eigene Ermahnung zur Unmenschlichkeit. Er fragt seine Zuschauer: „Halten Sie mich für einen Heuchler? Das sollten Sie! Der Weg zur Macht ist mit Scheinheiligkeit und Opfern gepflastert. Bereuen Sie nichts!“ Der letzte Satz gilt ihm selbst, als Appell, dessen Aussage zuvor noch als unverbindliche Behauptung im Raum stand: „Kriege werden nicht von Strategen gewonnen, sondern von Schlächtern.“

          Auch in der Fortsetzung geht es nicht um gemeinwohlorientierte Politik, sondern um ein politisches Machtspiel, das sich kaum von Kriegsführung unterscheidet. Bei einer Rede auf einem historischen Bürgerkriegsschlachtfeld, wo Laienschauspieler den Kampf zwischen Nord und Süd nachspielen, wird es Underwood klar. Einer der Darsteller will partout nicht von seiner Rolle als Krieger und Vorfahre Underwoods lassen. Das ist das Bild: Es geht immer um alles. Selbst im Privaten befasst sich Frank Underwood nun mit Zinnsoldaten, die er sorgfältig auf einem Schlachtfeld drapiert, das er später in Rage zertrümmert. Solche Momente der Schwäche machen die zweite Staffel von „House of Cards“ zu einem Vergnügen.

          Die Autoren haben sie sorgfältig eingeflochten. In einer Szene wird Underwood beim Pornogucken erwischt, in einer anderen faltet er erschöpft die Hände vor dem Gesicht. Es sind viele kleine Szenen, die eine große Geschichte erzählen: Die in der ersten Staffel gültige Regel, dass es die Macht des Geldes und die wahre, politische Macht gebe, wird aufgehoben. Nach seiner Ankunft im Weißen Haus stellt Frank Underwood fest, wie das Spiel läuft. Nur weil Kongressabgeordnete die wahren Mächtigen nie sehen, bedeutet das nicht, dass es sie nicht gibt. Der Präsident kennt sie, und er kennt die Rolle, die sie für ihn vorgesehen haben.

          Entsprechend weit ist das Feld an Themen, auf dem Beau Willimon seine Protagonisten spielen lässt. Es geht um neue Kriege im Pazifik, um Hacker, die jeden Menschen auf der Welt kennen, aber selbst unsichtbar bleiben. Staaten werden von Unternehmen erpresst, Verrat ist gang und gäbe. Menschenleben zählen nicht viel, die Arbeit der Presse erst recht nicht. In einem ruhigen Moment erkennen die Eheleute Underwood, dass sie nun niemandem mehr trauen können. Aber sogleich stellen sie sich die Frage, ob es so nicht viel besser sei. In der letzten Folge spitzen sich alle Entwicklungen zu - und zielen auf die nächste Staffel.

          Nicht nur für die Diskussionen darüber, was „House of Cards“ für die Medienwelt bedeutet, ist nun ein weiteres Jahr Zeit. Der britische Premierminister David Cameron verteidigte staatliche Überwachungsprogramme kürzlich mit dem interessanten Satz: „Es gibt kaum eine Krimiserie, in der Verbrechen ohne die Überwachung von Telefonen aufgeklärt werden.“ Wenn dieser Satz über Gesetze ernst gemeint ist, warum sollte dann Gleiches nicht auch für die Art und Weise gelten, in der Gesetze gemacht werden?

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