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Dokumentarfilm „Lovemobil“ : Ein Skandal und seine Folgen

Echt oder echt inszeniert: Szene aus dem Film „Lovemobil“ Bild: obs

Klar und deutlich hat sich der NDR von dem Dokumentarfilm „Lovemobil“ distanziert. Die Autorin hat zugegeben, Szenen nachgestellt zu haben und sich entschuldigt. Doch hat nur sie Fehler gemacht?

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          Anfang der Woche ist für die Dokumentarfilmerin Elke Margarete Lehrenkrauss die Welt zusammengebrochen. Denn da distanzierte sich der Norddeutsche Rundfunk von ihrem Film „Lovemobil“, den der Sender mitproduziert hatte.

          Er zeige „in weiten Strecken Szenen, die nicht authentisch sind“. Zentrale Protagonistinnen des Films, der von Prostituierten handelt, die am Rande von Bundesstraßen in Niedersachsen ihre Sexdienste anbieten, schilderten nicht „ihre persönlichen Erfahrungen, sondern spielen eine Rolle“. Zahlreiche Situationen seien „nachgestellt oder inszeniert“. Die Dokumentarfilmredaktion des Senders sei „zu keinem Zeitpunkt über die Inszenierungen informiert worden“ und weise den Vorwurf der Autorin zurück, „keine Nachfragen zur Authentizität gestellt zu haben“.

          Nachfragen aber hatte dann, nach Hinweisen einer am Film Beteiligten, die NDR-Redaktion „STRG-F“. So wurde die Sache publik. Lehrenkrauss räumte die Inszenierungen ein, verwies aber darauf, dass sie die Realität nicht verfälscht habe. Was sie zeige, sei eine „viel authentischere Realität“.

          Die Nominierungskommission des Grimme-Preises überzeugte sie damit nicht, ihr Film wurde aus der Vorauswahl genommen, den Deutschen Dokumentarfilmpreis, den sie 2020 für „Lovemobil“ bekam, gab sie zurück. Dass sie die von ihr eingesetzten Mittel nicht transparent gemacht habe, sagte Lehrenkrauss, sei ein Fehler gewesen, für den sie sich entschuldige.

          Im Interview mit der Deutschen Welle vor rund einem Jahr, in dem sie nach ihrer Herangehensweise gefragt worden war, hatte das anders geklungen. „Zum Schutz unserer Protagonistinnen haben wir nicht an dem Ort, wo sie eigentlich arbeiten, gedreht“, sagte Lehrenkrauss. „Wir sind immer in ein anderes Wohnmobil ,umgezogen‘. Die Freier hatten keine Probleme damit, vor der Kamera zu agieren.“ Auf die Frage: „Und es sind echte Freier, die solche Gespräche vor der Kamera geführt haben?“, hieß es: „Wir hatten sechs Protagonisten. Drei davon sind in dem Film. Wir haben sogar Sexszenen gedreht. Die Freier, die in dem Film sind, sind bekannte Stammkunden. Sie wussten, dass wir mit der Kamera da sind.“

          Keine Rede von Spielszenen, in denen Darstellerinnen Prostituierte mimen. Das erinnert an den berühmten, inzwischen verstorbenen „Fernsehfälscher“ Michael Born, der in den Neunzigern Fernsehmagazinen dutzendweise „gefakte“ Beiträge untergejubelt hatte.

          Daran erinnert „Lovemobil“ aber auch in anderer Weise, auf welche die langjährige WDR-Redakteurin Sabine Rollberg in der „Medienkorrespondenz“ hinweist: Redaktionen erwarten von Dokumentarfilmern quasi perfekte Realität nach Drehbuch, wollen von vornherein wissen, wie ein „dokumentarischer“ Film ausgeht. An dem arbeiten Autorinnen wie Lehrenkrauss jahrelang, für Hungerlohn, klauben Geld von der Filmförderung zusammen, weil der Sender den Mini-Etat nicht stemmt. Fällt jemandem der Fehler im System auf? Man stehe, so der NDR, „mit der Aufklärung des Vorfalls noch am Anfang“. In der Tat.

          Michael Hanfeld
          verantwortlicher Redakteur für Feuilleton Online und „Medien“.

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