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Setbesuch bei „Hackerville“ : Stellt euch vor, ihr werdet gehackt

Notizblock versus Smartphone: Lisa Metz (Anna Schumacher) ermittelt nach einem Hackingangriff auf eine deutsche Großbank. Bild: HBO Europe

Die Sender TNT Serie und HBO stellen eine Serie vor, die in Rumänien und Deutschland spielt. Den Weltmarkt soll sie erobern. Dafür könnte die Geschichte von „Hackerville“ taugen. Ein Besuch am Set.

          Da ist er, der paranoide Schimmer. Irgendwann musste auf die Zuschauer ja abfärben, dass zu Geschichten über Hacker gewisse Psychopathologien einfach dazugehören. Ob in „Mr. Robot“, „Who Am I“ oder „Bleeding Edge“, paranoid oder schizophren sind die Figuren doch alle ein bisschen. Und so schleicht sich der Gedanke, dass alles und jeder irgendwie gehackt werden kann, in dem Augenblick ein, als der Fahrstuhl gerade zum Set der neuen Serie „Hackerville“ in den zehnten Stock rauscht.

          Dieser moderne Hochglanzaufzug wäre doch ein leichtes Ziel für einen Cyberangriff. Der Tower auf der Mainzer Landstraße in Frankfurt, in dem gedreht wird, hat sich nicht mit einem altmodischen Rufknopf für die Aufzüge begnügt. Das gewünschte Stockwerk wird in ein digitales Touchpad getippt. Dann rechnet das System und entscheidet selbst, wer welchen Fahrstuhl zu nehmen hat. In diesem Fall C3. Und mit algorithmischer Effizienz (und natürlich ohne gehackt worden zu sein), öffnen wenige Sekunden später die Türen vor einem Bürotrakt.

          Grauer Teppich unter weißem, schnörkellosem Mobiliar. Hinter den Fenstern erstreckt sich das Panorama der Stadt. Doch während unten in der Lobby noch Anzüge und Krawatten den Dresscode dominieren, herrscht hier oben legerer Hang zu Jeans, Jogginghose und Bauchtasche. Techniker schieben sich mit Scheinwerfern und Kabeln aneinander vorbei. Der Schauspieler Ronald Zehrfeld nutzt eine kurze Drehpause und berlinert gut gelaunt los, während eine E-Zigarette leichtes Erdbeeraroma in das Set des Großraumbüros dampft. Im Eck wurde eine Plexiglasscheibe in eine Indizien-Pinwand verwandelt. Eine andere trennt eine Reihe Schreibtische voneinander. Auf ihnen kleben Fotos und Phantombilder von jungen, unscheinbaren Männern, bei denen nicht klar ist, ob sie überhaupt schon volljährig sind. Keine Schwerverbrecher-Assoziationen.

          Der Raum verbindet nüchternen Behördencharme mit digitaler Transparenzästhetik und ist damit ein ziemlich passendes Set für das Bundeskriminalamt, Abteilung Cyberkriminalität. Sie bildet den fiktiven Ausgangspunkt der sechsteiligen Serie „Hackerville“. Im kommenden Herbst soll sie ausgestrahlt werden. Die grobe Handlung ist schnell skizziert: Eine deutsche Großbank wird gehackt. Das Bundeskriminalamt kann den Angriff nach Rumänien in die Stadt Timişoara zurückverfolgen und entsendet die junge Beamtin und Spezialistin für Internetkriminalität Lisa Metz. Vor Ort soll sie gemeinsam mit den rumänischen Behörden ermitteln. Das Thema klingt bekannt. Interessant wird die Serie durch die Details, denn hier entpuppt sich „Hackerville“ als nuanciertes und vielversprechendes Projekt – dank der Bedingungen, unter denen die Serie produziert wird.

          Mit Blick auf die Finanzmetropole: Schauspieler Ronald Zehrfeld als BKA-Beamter der Abteilung Cyberkriminalität.

          Es ist die erste grenzüberschreitende Koproduktion zwischen dem deutschen Bezahlsender TNT Serie und der europäischen Tochter des Senders HBO. Der gilt nicht zuletzt dank Serien wie „The Sopranos“, „Sex and the City“ oder „The Wire“ als Pate des heutigen Serienbooms. Damit ist auch schon vorgezeichnet, dass „Hackerville“, zunächst angelegt auf sechs Folgen, nicht nur für den deutschen Markt produziert wird. Die Serie soll international laufen, Kosten und Vertrieb sind unter den Partnern aufgeteilt.

          Kooperation prägt auch die kreative Seite. „Nicht nur zwei Stimmen haben die Serie geprägt, sondern ein ganzer Chor“, sagt Jörg Winger. Der Chef der Produktionsfirma Ufa Fiction ist Schöpfer und Executive Producer der Serie. Früh wurde das Team der Schreiber durch zwei rumänische Autoren verstärkt. Jetzt musste zwar ständig hin und her übersetzt werden, den Drehbüchern habe es aber gutgetan. Vampirwitze gibt es weniger, dafür echten rumänischen Sprachwitz. Die Produktion wurde in die Hände der rumänischen Mobra Film gelegt, auch weil sich von den dreieinhalb Monaten Drehzeit ein Großteil vor Ort in Bukarest und Timişoara abgespielt hat.

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