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Fernsehserie „Die Bibel“ : Am Anfang war das Wort, nun kommt das Bild

Die Passion Christi: Diego Morgado als Jesus in der Serie „Die Bibel“ Bild: Vox

Von diesem Gründonnerstag Abend an zeigt Vox die zehnteilige Serie „Die Bibel“. Sie erzählt aus dem Alten und dem Neuen Testament, wie man es von Hollywood kennt: mit aller Wucht.

          3 Min.

          Jetzt wissen wir auch, zu wem die Stimme aus dem Off gehört. Es ist die Stimme Gottes. Er gibt Regieanweisungen, die allerdings nur wenige hören. Noah hört sie und baut die Arche. Abraham hört sie und ist bereit, seinen Sohn Isaak zu opfern. Moses hört sie und führt sein Volk ins Gelobte Land. Und Jesus steht ununterbrochen in Kontakt zum Allmächtigen, der hat ihn schließlich geschickt, sein Wort zu verkünden.

          Michael Hanfeld

          verantwortlicher Redakteur für Feuilleton Online und „Medien“.

          Die Folgen, die das hat, sind für die, die da glauben sollen, unerhört. Die Welt geht unter? Wir sollen nicht nach Sodom ziehen? Gegen den Pharao aufbegehren? Durchs Rote Meer laufen? Alles stehen- und liegenlassen und dir folgen? Uns mit den Pharisäern anlegen? Wer Visionen habe, solle zum Arzt gehen, sagte Helmut Schmidt einmal. Und so ungläubig das klingt, sehen hier die Gesichter aus, bis - das nächste Wunder geschieht.

          Abenteuerfilm oder Actionreißer

          Davon gibt es in der zehnteiligen Serie „Die Bibel“ reichlich. Dank der heutigen Computertechnik lassen sie sich auch fabelhaft in Szene setzen. Kaum hält Moses seinen Stab ins Wasser, teilt sich das Meer, turmhoch, und die Ägypter versinken in den Fluten. Sodom und Gomorrha gehen unter in Feuer und Schwefel. Die zwei Engel, die Gott zu Abrahams Neffen Lot schickt, müssen sich den Weg allerdings freimetzeln. Links und rechts machen sie die Widersacher hin, es geht zu wie bei den Gladiatoren in der römischen Arena.

          Samson wiederum ist ein Bär von Mann, der seine Gegner einfach durch die Luft wirbelt. Adam und Eva beißen in den falschen Apfel, Kain erschlägt Abel mit einem Stein. Das Wasser färbt sich rot wie Blut, Gott schickt zehn Plagen. Die Bibel als Abenteuerfilm oder als Actionreißer, Unterdrückung und Aufruhr, Gewalt, Revolution und Aufruhr: Wie die Passion Jesu unter diesen Vorzeichen aussieht, kann man sich ausmalen - so ähnlich wie in Mel Gibsons Kinofilm aus dem Jahr 2004.

          Die Pharisäer mit britischem Akzent

          Die Serie, heißt es zu Beginn jeder Folge, sei eine „Adaption“ der biblischen Geschichten. „Sie versucht so wahr wie möglich den Geist des Buches wiederzugeben.“ Das heißt, dass sich die Produzenten, die Schauspielerin Roma Downey, die auch die Gottesmutter Maria spielt, und Mark Burnett interpretatorische Freiheiten verkneifen, was sich bei dieser Drehbuchvorlage auch empfiehlt. Sie setzen nicht auf Theologie, sondern auf Bilder; auf große, mächtige Bilder, begleitet von einem bombastischen Soundtrack, für den der Komponist Hans Zimmer verantwortlich zeichnet.

          Eva im Garten Eden Bilderstrecke

          Die Dialoge sind gottlob nicht allzu heutig (auch wenn sich das bei allerlei alltäglichen Bemerkungen nicht vermeiden lässt). Sie folgen dem Originaltext, mit dessen Pathos die Schauspieler erst einmal zurechtkommen müssen. Die Protagonisten aus dem Alten Testament tun sich damit leichter als Diego Morgado, der einen sehr gut aussehenden, aber auch häufig konsterniert wirkenden Jesus spielt. Die Römer (Pontius Pilatus) und die Pharisäer sprechen derweil, wenn wir die Folge im Original richtig gehört haben, mit einem britischen Akzent.

          Fortsetzung folgt?

          Zweiundzwanzig Millionen Dollar hat die Produktion gekostet, und das sieht man ihr auch an. Das ist Verkündigung à la Hollywood. Und sie funktioniert. Dreizehn Millionen Zuschauer haben den Auftakt bei der Erstausstrahlung im amerikanischen History Channel verfolgt, insgesamt hundert Millionen sollen die Serie inzwischen gesehen haben, sie lief und läuft in achtzehn Ländern, eine Million DVDs wurden verkauft.

          Dem großen Bibel-Projekt des verstorbenen Medienunternehmers Leo Kirch, für dessen 21 Teile er in den neunziger Jahren dreihundert Millionen Mark investierte (und die in der ARD lief), stand bisweilen der heilige Ernst des Unterfangens im Weg. Das ist hier anders. Wenn es hier heißt „Ich bin die Auferstehung und das Leben. Wer an mich glaubt, wird leben, auch wenn er stirbt“ (Johannes 11,25), wenn Jesus Wasser in Wein verwandelt, den Lahmen und den Besessenen, die Blinden und Stummen heilt und die Toten, inklusive Lazarus, wieder zum Leben erweckt, wird das durch eine solche Bildmacht beglaubigt, dass es einem gar nicht mehr verwunderlich erscheint.

          Erstaunlich muss man nur finden, dass der Sender NBC für das nächste Jahr eine Fortsetzung der Serie angekündigt hat. Sie kann eigentlich nur noch mal von vorn beginnen, bei Adam und Eva. Vielleicht haben die Produzenten eine entsprechende Regieanweisung von der Stimme aus dem Off bekommen.

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