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Serie „Cursed“ auf Netflix : Meisterin des Waldes

  • -Aktualisiert am

Katherine Langford als Nimue und Devon Terrell als Arthur in „Cursed“ Bild: COURTESY OF NETFLIX

Die Serie „Cursed“ rollt die Artus-Sage neu auf. Doch Puristen dürften es schwer mit der Inszenierung haben: Sie ist zu unbekümmert und zu rasch zusammengezimmert.

          3 Min.

          Mit einer Geschichte, die sich lose um einen Kämpfer namens Arthur, einen Magier namens Merlin und ein mächtiges Schwert dreht, gewinnt man keinen Originalitäts-Gral mehr. Allein für die Moderne verzeichnen einschlägige Listen rund sechzig Romane sowie eine ähnlich hohe Anzahl von Filmen oder Serien; zuletzt gab es „Merlin“ von der BBC, „Arthur und Merlin“ von Marco van Belle sowie Guy Ritchies „King Arthur: Legend of the Sword“. Im Kino folgt demnächst „The Green Knight“ mit Slumdog-Millionaire-Star Dev Patel als ebensolcher.

          Die Netflix-Serie „Cursed“, in der von Blutdruck bis Blutbad alles zu haben ist, kümmert das wenig. Der anhaltende Appetit auf Mittelalter- und Fantasy-Produktionen will bedient werden. Die Serienschöpfer Thomas Wheeler und Frank Miller („300“), die im Herbst zusammen das gleichnamige reich illustrierte Buch vorlegten, warten mit einem ungewohnten Blickwinkel auf: „Cursed“ erzählt von den Leiden der jungen Nimue, jener walisisch-bretonischen Sagengestalt, die einst zur „Hüterin des Sees“ werden wird.

          Schmerzhaft kitschige Bilder

          Ihr Gesicht gehört Katherine Langford, die als suizidale Hannah in der Netflix-Produktion „Tote Mädchen lügen nicht“ Berühmtheit erlangte. In „Cursed“ wirkt sie zunächst noch wie eine biederer Bücherwurm, der für das Live-Rollenspiel am Wochenende in die Rolle einer mit Hexenkräften ausgestatteten Jungfrau geschlüpft ist. Doch dieser Eindruck verflüchtigt sich in einer Serie, die von Folge zu Folge immer mehr Fahrt aufnimmt – zudem ist es Teil der Geschichte: „Du bist keine zerbrechliche Maid. Du bist eine Kriegerin.“

          Die Bilder, die in den ersten Episoden unter der Regie von Zetna Fuentes entstehen, sind schmerzhaft kitschig. Blüten steigen in den Himmel, Waldkinder wollen gestreichelt werden, Bambi flüstert Botschaften. Am Rande eines Rituals, in dem aus Tag plötzlich Nacht und aus Mondschein Mondfinsternis wird, weist ein Funkenschauer die junge Nimue als neue Beschwörerin des „Himmelsvolks“ der „Fey“ aus. Sie ist nicht begeistert. Was soll sie machen? „Die Verborgenen haben ihre Entscheidung getroffen.“

          Der Kitsch verfliegt, als die Kamera nach einer animierten Zwischensequenz, die den Sprung zu einem anderen Ort der Handlung markiert und noch einmal daran erinnert, dass einer der Schöpfer der Comickünstler Frank Miller ist, einen Gottesmann in scharlachroter Kutte erfasst. Sie zeigt den auf einem Karren sitzenden Pater Carden (Peter Mullan) zunächst von hinten, doch je weitläufiger sie den Anführer der „roten Paladine“ umkreist, umso mehr verfliegt seine Freundlichkeit: In Cardens Rücken fallen wütende Horden, die er im Namen Gottes zu Grausamkeit anhält, mit Feuer und Schwert über ein Dorf her.

          Von allem und jedem ein bisschen

          Wenig später morden Cardens Truppen, die das andersgläubige Volk der „Fey“ auslöschen wollen, schon in Nimues Wald. Auch dort werden etliche Opfer an brennende Kreuze gehängt, um dort zu sterben. Nimue gelingt die Flucht – mit einem formidablen und wasserfesten Schwert im Gepäck. Sie soll es zum Magier Merlin bringen (Gustaf Skarsgård), wobei sie weder weiß, wo sie ihn auftreiben kann, noch, dass er als Säufer am Hofe König Uthers bekannt ist.

          Dafür begegnet sie dem herumstreunenden Arthur (Devon Terrell), der sie mit großen Augen anschmachtet, und einer Reihe temporärer Gefährten, zu denen auch Squirrel (bester Mann auf dem Feld: Jungschauspieler Billy Jenkins) gehört, ein kleiner Junge aus ihrem Dorf. Rückblenden, manche kaum länger als ein Gedankenblitz, erzählen, wie Nimue schon als Kind ihre magischen, aber leider situativ begrenzten Waldmeisterkräfte zu entdecken begann – Peter Wohlleben war leider nicht zugegen.

          Puristen dürften es schwer mit „Cursed“ haben: zu unbekümmert, zu rasch zusammengezimmert und oft zu nichtssagend gemimt. Dazu gibt von allem und jedem ein bisschen, weil Serienproduzenten wie Gastronomen denken, die Buffets für All-Inclusive-Touristen auftischen. Die Frage ist eher, wann man „Cursed“ anschauen soll. Denn auch ohne Artus-Stoff gibt es im Bereich Mittelalter und Fantasy viel zu tun: Staffel vier von „The Last Kingdom“ ist vor kurzem erschienen, das Finale des Finales von „Vikings“ steht bevor, danach Staffel zwei von „The Witcher“, Staffel drei von „Britannia“, das Prequel zum „Herrn der Ringe“. Und irgendwann will man ja noch Lust haben auf Nico Hoffmanns Nibelungen-Mehrteiler, der sich vollmundig anschickt, „das deutsche Game of Thrones“ zu werden. Da hat dann bald auch der größte Fantasy-Freund den Bauch voll.

          Cursed ist auf Netflix abrufbar.

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