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Vox-Serie „Club der roten Bänder" : Was es heißt, um sein Leben zu kämpfen

  • -Aktualisiert am

Luise Befort mit Tim Oliver Schultz (l.), Ivo Kortlang und Damian Hardung in einer Szene aus „Club der roten Bänder“ Bild: Vox

Die Vox-Serie „Club der roten Bänder“ geht in die zweite Staffel. Die Geschichte von sechs schwer erkrankten Jugendlichen bescherte dem Sender einen sensationellen Erfolg. Und was kommt nun?

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          Kinder und Krebs in Serie? Wer will so etwas sehen? Versehrte Jugendliche mit Glatzen, Beinprothesen oder Herzfehlern, die entweder bewegungsunfähig da liegen oder bemitleidenswert dünn über Krankenhausflure huschen? Vom normalen Aufwachsen abgeschnittene Leidensfiguren, zwangsversetzt auf die Kinderstation, wo jeder für sich und alle miteinander gegen den Tod kämpfen? Heranwachsende, die irgendwann keine Chemo mehr wollen, weil die Strapazen der Behandlung ihnen den Überlebenswillen nehmen? Oder die ihr Essen ins Klo kippen, um wenigstens auf diese Weise die Kontrolle über den eigenen Körper zu behalten?

          Immer geht es in „Club der roten Bänder“ ums Ganze - Sterben und Weiterleben, Freundschaft und Liebe, Authentizität und Ehrlichkeit. Es geht um den eigenen Weg, Kampf und Kraftlosigkeit, Schicksal, Glück und dessen Abwesenheit und um die kostbaren Augenblicke, die zählen. Das ist Pathos pur, keine Frage. Höchst unwahrscheinlich wirkt manches Handlungselement darüber hinaus. Hugo (Nick Julius Schuck), seit zwei Jahren nach einem verunglückten Sprung vom Zehnmeterbrett im Koma, „funkt“ mit dem Autisten Toni (Ivo Kortlang), den das Jugendamt seinem Opa wegnehmen will, auf einer Wellenlänge und sendet Botschaften aus dem Reich zwischen Leben und Tod, das in einem Schwimmbad liegt. Ärzte und Eltern, Erwachsene überhaupt, sind Randfiguren. Ein Alzheimerpatient, Benito (Matthias Brenner), seines Zeichens Meister Yoda-Wiedergänger, weiht Leo (Tim Oliver Schultz), den Gründer des „Clubs der roten Bänder“, in die Kunst des Weiterlebens ein und vergisst seine eigenen Lektionen umgehend.

          Sie müssen sich mit allem beeilen

          Selbstverständlich nicht vergessen haben die Macher der Serie, die nun in die zweite Staffel geht, welchen Überraschungserfolg sie mit der ersten Staffel gelandet haben: Die Einschaltquoten stimmten, die Kritiken waren positiv bis enthusiastisch, es regnete Publikums- und Kritikerpreise, darunter ein Grimme-Preis, die Sendung erreichte ein junges Publikum, das schon für das Fernsehen als verloren galt, und auch auf Social-Media-Plattformen sorgte die Krankenhausgeschichte für Aufmerksamkeit. Mit ansteckendem Enthusiasmus hatte der Vox-Geschäftsführer Bernd Reichart die erste eigenproduzierte Serie des Senders in ihrer Eigenart durchgeboxt und damit anderen, weniger mutigen Sendern, auch den öffentlich-rechtlichen, eine lange Nase gedreht.

          Sechs Jugendliche, Leo (Tim Oliver Schultz), „der Anführer“ Jonas (Damian Hardung), „der zweite Anführer“ Toni (Ivo Kortlang), „der Schlaue“, Alex (Timur Bartels), „der Hübsche“, Hugo (Nick Julius Schuck), „der gute Geist“ und die magersüchtige Emma (Luise Befort), „das Mädchen“, allesamt Langzeitpatienten im Krankenhaus, gründen einen Freundschaftsclub. Sie geben sich Halt, lachen, streiten und werden miteinander vor der Zeit erwachsen. Ob sie es bis zur Volljährigkeit schaffen, wissen sie nicht, sie müssen sich mit allem beeilen. Jeder von ihnen ist ein Überlebenskünstler, eine Heldenfigur.

          Ein guter Ort für Freundschaften

          Jonas, dem erfolgreichen Sportler, wird gleich zu Beginn ein Bein amputiert. Wohlfeiles Mitleid aber kann er nicht erwarten. Der Zimmergenosse Leo hat sein Bein schon länger abgegeben. Party machen aber geht immer noch. Und, in ganz spezieller Weise, „die schönste Zeit seines Lebens haben“, wie es der Autor Albert Espinosa formuliert.

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