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Vox-Serienstart „Arrow“ : Der Rächer mit dem Köcher

Offiziell ist Oliver Queen (Stephen Amell) ein verwöhntes Söhnchen aus reichem Hause. In Wahrheit schießt er Pfeile. Bild: Vox

Ein Mann sieht grün, und aus dem Comichelden wird eine Serienfigur: „Arrow“ verfügt als ordentlicher Superheld über mehr als eine Identität und überzeugt auf Serienlänge mit schnörkelloser Action.

          Eins ist sicher: Damit das hier funktioniert, müssen Actionszenen und Coolness her, dass es nur so kracht. Denn wie sonst soll der Zuschauer einen Serienhelden ernst nehmen, der im Amerika von heute gegen das Böse kämpft, mit nichts bewaffnet als mit Pfeil und Bogen, angetan mit einem grünen Wams, die Kapuze tief in die Stirn gezogen? Arrow, also Pfeil, heißt dieser neue Heros, gespielt von Stephen Amell, und sein Zuhause ist nicht etwa Sherwood Forest, sondern der Großstadtdschungel seiner fiktiven Heimatstadt Starling City.

          Ursula Scheer

          Redakteurin im Feuilleton.

          Arrow ist eine moderne Turboversion von Robin Hood. Aber obwohl auch er ein Rächer der Witwen und Waisen ist, der Armen und Entrechteten - mit Helden in Strumpfhosen hat er nichts gemein. Und dass er auch kein ganz so lupenrein Guter ist, das ist spätestens klar, als er seinem ersten Widersacher mit einem satten Knacken das Genick bricht.

          Die Freiheiten einer Comic-Adaption

          Richtig zur Sache geht es also in der neuen Serie, die Vox von kommender Woche an am Montagabend zeigt, und das muss es auch. Denn Arrow ist eine Comic-Verfilmung, genauer gesagt: die der Geschichten um „Green Arrow“, den grünen Pfeil, der seit 1941 die erzeichnete Welt des Verlags DC Comics bewohnt, in der auch Batman und Catwoman heimisch sind. In Amerika lief die erste Staffel der Pfeil-und-Bogen-Serie beim Sender CW mit großem Erfolg. Das könnte daran liegen, dass sie als Film gewordene Sammlung von Comic-Heftchen all das darf und auch noch richtig gut macht, was man anderen Action-Formaten niemals verzeihen würde.

          Nur ein Comic-Held darf so herrlich unrealistisch heldenhaft sein und so herrlich fiese Gegner erledigen, dass es nur so eine Freude ist. Die Bösen bleiben als Charaktere dabei so flach, dass Mitleid völlig überflüssig ist. Klar führt der Rächer mit dem Köcher eine Doppelexistenz, tagsüber ist er der stinkreiche Unternehmersohn Oliver Queen, ein Thronfolger des Geldadels. Klar hat er auch ein Mädchen, sie heißt Laurel (Katie Cassidy), ist unfassbar dünn und hübsch, kämpft als Anwältin gegen dieselben Fieslinge wie Arrow, ist aber gerade nicht gut auf ihn zu sprechen, weil sie mal mit ihm zusammen war und er sie mit ihrer Schwester betrogen hat.

          Trotz aller Action darf auch das Drama nicht fehlen: Stephen Amell und Willa Holland als Seriengeschwister.

          Aber sie werden sich schon kriegen, spätestens, wenn sie mal gesehen hat, in was für einen Supertypen der Mann sich verwandelt, wenn er seinen gestählten Körper aus dem schmalgeschnittenen Anzug schält, einen Satz Klimmzüge pumpt und in sein grünes Lederwams steigt. Wie das im Comic eben so ist, will Arrow nicht gleich die ganze Welt retten, sondern bloß eine Stadt. Und völlig egal, woher er eigentlich seine Turbo-Pfeile mit Computertechnik hat. Erfährt man später vielleicht und wenn nicht, auch nicht schlimm.

          Das alles liefe sich schnell tot, wenn nicht ein solides Fundament für einen Spannungsbogen da wäre. In die Worte einer der Sprechblasen Arrows gegossen: „Fünf Jahre in der Hölle schmiedeten mich zu einer Waffe, die ich benutze, um das Gelübde zu erfüllen, das ich meinem Vater gegeben habe, bevor er sein Leben für mich opferte.“ Diese fünf Jahre in der Hölle war die Zeit als Schiffbrüchiger auf einer gottverlassenen Insel, irgendwo in der Chinesischen See.

          Kampfmaschinen-Version eines Robinson Crusoe

          Die Geschichte beginnt damit, wie der zottelbärtige und filzhaarige Oliver Queen einen Brandpfeil von hohen Felsen in einen Holzstoß am Strand schickt, damit die Fischer auf dem verirrten Kutter ihn entdecken. Da sieht der Wiedergänger von Robinson Crusoe ein bisschen aus wie Tom Hanks in „Verschollen“. Aber während der irgendwann angefangen hat, mit seinem Volleyball zu reden, ist Oliver Queen in der Einsamkeit zur Kampfmaschine geworden, wie und warum genau - an proteinreicher Nahrung allein kann es nicht gelegen haben - bleibt vorerst ein Geheimnis. Das wird nach und nach gelüftet.

          Denn die Serie folgt, und das macht sie interessant, zwei Handlungssträngen. Da sind einmal die Rückblenden, die zurückführen bis an den Punkt, an dem alles begann. Oliver Queen kreuzt mit seinem Vater auf dem Meer, mit an Bord ist die Schwester seiner Freundin Laurel, und just in dem Moment, als beide sich im Bett vergnügen, lässt ein Sturm das Schiff kentern. So beginnt Katharsis. Die Frau versinkt in gurgelnden Fluten, die zwei Männer schaffen es auf ein Rettungsboot, wo der Vater noch sagt, sein Reichtum gründe auf dunklen Machenschaften, bevor er dem Sohn ein Notizbuch mit den Namen der anderen Bösewichte gibt und sich selbst die Kugel.

          Was danach auf der Insel geschieht, wie der Held seine Kampfkünste und die schicken Narben, die sich kreuz und quer über einen sonst wie mit einem Bildbearbeitungsprogramm gemeißelten Oberkörper ziehen, wird in weiteren Erinnerungssequenzen in die Haupthandlung geflochten: die Rückkehr des verlorenen Sohnes. Der nur vorgibt, sich ausschließlich für Partys, Frauen und Autos zu interessieren, weil er nun weiß: Es ist etwas faul im Staate Dänemark. Die Mutter des Totgeglaubten trägt nicht umsonst den schicksalshaften Namen Moira Queen (Susanna Thompson), hat den Geschäftsführer der Firma ihres toten Mannes geheiratet und ist die Spinne, die im Hintergrund ihre tödlichen Fäden spinnt.

          Der Sohn bringt derweil in schick choreographierten Kampfszenen - immer irgendwo zwischen Stahl und Beton - reihenweise Bösewichte zur Strecke: ballernde Horden, kampfkunsterprobte Chinesinnen, Killer mit teuflischen Masken, nur um Tags darauf wieder den missratenen Geldadelsspross zu mimen. Natürlich ist das alles reichlich vorhersehbar und das Beziehungsgeflecht der Figuren denkbar eng geflochten. Der beste Freund hatte schon mal was mit der Freundin, die kleine Schwester macht auch schon Dummheiten, da ist noch viel Seifenoper-Potential. Aber Arrow ist schnell und spannend inszeniert, optisch konsequent durchgestylt in stählernen Farben, durchweg ordentlich gespielt - und am Ende siegt immer der Held. Was will man mehr von einem Comic?

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