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ZDF-Krimi „Vermisst in Berlin“ : In der Hauptstadt gehen Kinderfänger um

  • -Aktualisiert am

Das zehnjährige Flüchtlingskind Djamal (Lilien Batman) und die frühere Ermittlerin Judith Volkmann (Jördis Triebel) Bild: ZDF und Mathias Bothor

Ermittlerin Judith Volkmann ist zurück: Der ZDF-Krimi „Vermisst in Berlin“ nimmt sich ein schweres Thema vor – wird ihm aber nicht ganz gerecht.

          5300 unbegleitete Minderjährige, die als Asylsuchende in Deutschland registriert wurden, sind Anfang 2018 verschwunden. Sie haben Verwandte gefunden oder sich anderswo abermals gemeldet, sind weitergereist oder untergetaucht, um vor Abschiebung sicher zu sein. Manche aber sind zum Opfer von Kinderhandel und Kinderprostitution geworden. Für den organisierten Menschenhandel hat sich mit den Flüchtlingen europaweit eine neue Quelle aufgetan.

          Früher wurden Kinder und Jugendliche vor allem aus Osteuropa verschleppt und in die Prostitution gezwungen, heute müssen sich Kriminelle nicht weiter umsehen. Die Kinder sind da, allein und greifen nach jedem Strohhalm. Rosa von Praunheims Dokumentarfilm „Die Jungs vom Bahnhof Zoo“ zeigte vor einigen Jahren schon Dörfer in Rumänien, in denen ganze Altersgruppen fehlen.

          Junge Männer versorgten mit dem Erlös ihrer Prostitution in Berlin in der Heimat Familien. Auch die ARD hat das Thema aufgegriffen und begleitete in einer Reportage vor einiger Zeit unbegleitete Flüchtlinge, nicht selten drogenabhängige Jungen, die im Berliner Tiergarten, einem Stricher-Hotspot der Hauptstadt, anschaffen gehen.

          Systematisch verfolgt, so scheint es, wird das von Clans organisierte kriminelle Menschenhändler-Geschäft mit den Kindern nicht. Einzelfälle, so betont es auch der Polizist der Mordkommission Deniz Kovacevic (Edin Hasanovic) im auf recherchierten Vorgängen beruhenden Spielfilm „Vermisst in Berlin“ (produziert von Gabriela Sperl für Wiedemann & Berg).

          Dimensionen der Gefahr

          Der suspendierten Ermittlerin Judith Volkmann (Jördis Triebel) ist mitten in der Nacht ein höchstens zehnjähriger Junge vor das Auto gelaufen. Djamal (Lilien Batman) lebt heimlich im Nebenraum einer Kirche. Kurze Zeit später wird dort die unbekleidete Leiche eines Jungen gefunden. Hausmeister Oehmke (Tom Jahn) wirkt verdächtig. Um die Ecke, im Tiergarten, suchen pädophile Männer sexuelle Kontakte.

          Judith Volkmann, die sich um Dienstvorschriften nicht sonderlich schert, zieht auf eigene Faust los. Im Flüchtlingsheim für unbegleitete Minderjährige hat sie eine unangenehme, sexuell übergriffige Erfahrung mit einem jungen Flüchtling. Ein unbedarft und überfordert wirkender Sachbearbeiter kann ihr nicht weiterhelfen, aber die Heimleiterin Evelyn Kraft (Natalia Wörner) scheint den Durchblick zu haben.

          Als der Flüchtlingsjunge Djamal (Lilien Batman) in der Nacht vor Judith Volkmanns (Jördis Triebel) Auto rennt, beginnt diese ihn zu suchen.

          Beim Suchdienst des Roten Kreuzes trifft Volkmann den Mitarbeiter Jan Pollak (Florian Stetter). Als Gast einer Familie, die schon drei ihrer vier Kinder auf der Flucht begraben musste, klärt er sie – und die Zuschauer – über die Dimensionen der Gefahren auf. Djamal jedoch lebt und findet inzwischen seinen älteren Bruder Amir (Skandar Amini), aber auch die Ermittlerin und ein Zuhälterring sind dem Jungen auf den Fersen.

          In zwei eindrucksvollen Filmen hat sich die Produzentin Gabriela Sperl bislang mit dem Themenkomplex Menschenhandel und Kinderprostitution auseinandergesetzt. „Operation Zucker“ (2012, Regie Rainer Kaufmann, BR/Degeto/WDR) erschien den Sender-Verantwortlichen so erschütternd, dass der Film nur mit entschärftem Ende ausgestrahlt werden durfte.

          Fokus liegt auf Kommissarin

          Der Nachfolger „Operation Zucker – Jagdgesellschaft“ stellte einen fiktiven brandenburgischen Zuhälterring ins Zentrum, der seinen Kunden betäubte und geschminkte Kinder als „Lebendpizza“ ins Haus lieferte (2016, BR, Buch Friedrich Ani und Ina Jung). Der Film war, trotz bildlicher Zurückhaltung, unerträglich – und bleibt ein außergewöhnliches Dokument der Fernsehfiktion.

          Nun läuft der inhaltlich dritte Teil beim ZDF, und er ist, verglichen mit der Wucht der Vorgänger, erschreckend flach. Nicht mehr das Opferschicksal, sondern das Duell zweier Frauen, die beide immerhin außergewöhnlich glaubhaft spielen, steht nun im Mittelpunkt. Jetzt ist kein Kind, sondern Jördis Triebels Figur Dreh- und Angelpunkt der Geschichte (in „Jagdgesellschaft“ war sie noch die zynische Zuhälterin mit gutbürgerlicher Fassade, die sich das Vertrauen der Kinder erschlich).

          Ihren Gegenpart spielt Natalia Wörner, deren Heimleiterin sich ein erkleckliches Zubrot als Bordellunternehmerin verdient. Die Kinder bleiben schemenhaft, die Zusammenhänge der organisierten Kriminalität so gut wie unbeleuchtet, obwohl mit Sherry Hormann (Regie) und Armin Golisano (Kamera) dasselbe Personal wie bei „Jagdgesellschaft“ dabei ist (Buch Frauke Hunfeld und Silke Zertz). „Vermisst in Berlin“ wirkt wie ein durch die übliche ZDF-Krimimühle gedrehter Stoff mit hartem Hintergrund. Das versendet sich, heißt es bei solcher Gelegenheit.

          Vermisst in Berlin, 20.15 Uhr im ZDF

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