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TV-Serie „Imposters“ bei Vox : Heiratsschwindel für Fortgeschrittene

  • -Aktualisiert am

Auf die richtige Pose kommt es an: Maddie (Inbar Lavi) beim Schauspielern. Bild: Dean Buscher/Bravo

In der Serie „Imposters“ macht eine Frau allen anderen was vor, nicht nur Männern. Doch dann schließen sich die Opfer der Betrügerin zusammen und drehen den Spieß um.

          Für Ezra Bloom (Rob Heaps) ist Ava (Inbar Lavi) die Erfüllung aller seiner Träume. Ein Riesenzufall hat sie ganz romantisch zusammengeführt – er, Bücher lesend im französischen Restaurant, wo er einsam seiner Sehnsucht nach Paris nachhing; sie, seine Kellnerin mit dem weichen Akzent, der das Französisch der Belgierinnen so sexy macht, etwas schüchtern, aber auf eine süße Art, um sein Wohl besorgt. Haare à la Parisienne, ein dunkler, geheimnisvoller Pony. Eine wunderbare Hochzeitsfeier, Masel tov.

          Auch nach dem Hochzeitstagsgeschenk Nummer 28 kann Ezra, der einem prosaischen Job als Personalmanager in der elterlichen Schuhfirma „Brooks Boots & Heels“ nachgeht, sein Glück kaum fassen. Ava ist bildschön, verführerisch, klug, sensibel, exotisch – und eines Tages verschwunden. Mit „achthundertfünfzigtausend Tacken“, einer neuen Hypothek auf das abbezahlte Haus, diversen Kleinbeträgen und „78 Dollar Bar-Mizwa-Anleihen“ für die jüngeren Familienmitglieder.

          Zum Hochzeitsjubiläum sind Ezras Kreditkarten gesperrt, alle Konten leergeräumt. Nicht einmal den King-Charles-Spaniel, den er ihr zum Jubeltag aus dem Hundeshop mitbringen wollte, kann er auslösen. Ezra ist pleite, und zu allem Überfluss hat ihm Ava eine Videobotschaft mit deutlichen Enthüllungen und Warnungen hinterlassen. Ava – oder vielleicht Alice. Das behauptet jedenfalls Richard Evans (Parker Young), gesundheitsbesessener Quarterback und das Model-Gesicht eines Autohauses, in dem er Alice, die so schön viele Fremdwörter wusste, kennengelernt hat, als sie unerwartet zum Probefahren vorbeikam. Auch Richard wurde abgezockt, will aber nicht sein Leben beenden wie Ezra, sondern lieber Ava-Alice suchen. Oder Cece, so hieß sie jedenfalls als Angetraute der Künstlerin Jules Langmore (Marianne Rendón).

          Sie schauen erst einmal dumm aus der Wäsche: Richard (Parker Young, links), Jules (Marianne Rendon) und Ezra (Rob Heaps).

          Die Frau, die in Wirklichkeit als Maddie Jonson im Flughafen schon Augen auf das nächste Opfer geworfen hat, ist ein Chamäleon – für jeden und jede etwas anderes, Bezauberndes. Nicht wenige der Geschädigten würden immer noch alles für sie tun – wenn sie sie denn fänden.

          „Imposters“, also „Betrüger“ in der Mehrzahl, heißt die Serie, die im Original seit 2017 beim amerikanischen Kabelsender Bravo läuft. Erdacht und geschrieben wurde sie von Adam Brooks („Bridget Jones – Am Rande des Wahnsinns“), der auch Regie führt, und von Paul Adelstein, der als Secret-Service-Agent Paul Kellerman in „Prison Break“ zu sehen ist. In einer beeindruckenden Nebenrolle spielt Uma Thurman die gefährliche Handlangerin des geheimnisvollen unbekannten Strippenziehers „The Doctor“, der Maddie Jonson zusammen mit Sally (Katherine LaNasa) und Max (Brian Benben) im Team auf Heiratsschwindel-Missionen schickt. Sally und Max dienen der Abrundung von Maddies erfundenen Biographien. Mal sind sie familiärer Hintergrund, mal gute Freunde, mal Kollegen. Das funktioniert so lange, bis Maddie auf ihrer neuen Tour in Seattle den Freigeist Patrick (Stephen Bishop) kennenlernt. Gleich bei ihrer ersten Zufallsbegegnung im Café „Steam“ reden sie darüber, dass einen Rechtschaffenheit im Leben unmöglich weiterbringen kann.

          Eine Lektion, die Ezra, Richard und Jules, die auf absurde Weise zusammenfinden, auch bald lernen. Um Ava-Alice-Cece auf die Spur zu kommen, recherchieren sie im Spion-Shop und bedienen sich mangels Barmittelausstattung dann selbst als Trickbetrüger verschiedener Identitäten. Je näher sie Maddie kommen, umso mehr Spaß macht ihnen selbst der Betrug.

          „Imposters“ zeigt, ohne den Boden der Doppelmoral allzu schmierseifen-schlüpfrig werden zu lassen, teils witzig, teils etwas tiefgründiger, mit spitzen Dialogen und vergnüglicher Lust am Spiel mit Schein und Sein nicht nur klassisches Heiratsschwindel-Theater. Wer durchweg nach Authentizität und Aufrichtigkeit strebt, verpasst das angenehme Gift der Lüge und das Abenteuer des Rollentauschs. Eine düstere Seite hat das auch, echte moralische Fragwürdigkeit ist aber nicht die Sache der Serie, die Vox in Doppelfolgen zeigt. Wer ein aufregendes Leben sucht, muss mit Konsequenzen rechnen, begreift Ezra. Sonst bleibe er besser in Daddys Schuhunternehmen bis zum frühen Herzinfarkt.

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