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Netflix-Serie von Tina Fey : Sie lässt sich nicht unterkriegen

  • -Aktualisiert am

Freiheit zum Verrücktspielen: Kimmy (Ellie Kemper) entdeckt New York. Bild: GC Images

Die neue Serie „Unbreakable Kimmy Schmidt“ von Amerikas größter Komikerin Tina Fey handelt von einer Frau, die jahrelang in einem Bunker eingesperrt war. Sie kommt frei und entdeckt die Welt.

          3 Min.

          Die Komikerin Tina Fey ist für das große Network-Fernsehen nicht geeignet. Das findet jedenfalls der Sender NBC, der ihre neue Serie „Unbreakable Kimmy Schmidt“ zwar produzierte, dann aber doch nicht selbst ins Programm nahm. Stattdessen verkaufte NBC die Serie an Netflix, wo sie nun zu sehen ist.

          Das Stück von Fey und ihrem Schreibpartner Robert Carlock, der Koautor und Produzent ihrer vielfach preisgekrönten Serie „30 Rock“ war, ist eine absurde Geschichte über die titelgebende, unerschütterlich strahlende Kimmy (Ellie Kemper), die nach fünfzehn Jahren aus dem Bunker einer Sekte befreit wird und sich nun in der für sie neuen Welt zurechtfinden muss. Sie reist nach New York und ergattert dort mit etwas Glück und grenzenlosem Optimismus einen Job als Kindermädchen bei einer verblasenen reichen Hausfrau (Jane Krakowski) und zieht bei dem schwulen Schauspieler Titus (Tituss Burgess) ein, der sich in Superheldenanzügen am Times Square verdingt.

          „Vielen Dank, liebe Opfer!“

          „Kimmy Schmidt“ sei „ein bisschen wie eine extreme Version“ der Serie „Girls“, sagte Tina Fey bei einem Gespräch in Pasadena: „eine junge Frau, die zu verstehen versucht, wer sie ist und wen sie in ihrem Leben haben will“. Die Hauptdarstellerin Ellie Kemper hat schon in der Comedy „The Office“ mitgewirkt. Tina Fey und Robert Carlock schrieben die neue Serie eigens für sie.

          Farbenfrohes Outfit: Kimmy Schmidt.
          Farbenfrohes Outfit: Kimmy Schmidt. : Bild: Bulls _ Steve Sands

          Tina Feys Handschrift ist in der Vorliebe für Absurdes und in einem heiteren Optimismus deutlich zu erkennen. „Vielen Dank, liebe Opfer!“, ruft der Produktionsleiter einer Talkshow den sogenannten „Maulwurf-Frauen“ nach, wie die Medien die Befreiten nennen. Aber Kimmy sieht das anders. In ihren knallbunten Kinderklamotten steigt sie in New York aus dem Bus und will sich ihr Leben wiederholen: „Ich bin kein Opfer!“ Kimmy ist naiv, unbedarft und in den Neunzigern hängengeblieben, ihre Vorstellung von den Dingen kollidiert fortwährend mit der anderer Menschen. Aber sie lässt sich nicht unterkriegen. Und sie hat auch etwas zu bieten – etwa den Ratschlag, schwierige Situationen in 10-Sekunden-Einheiten zu ertragen, wie sie sich das im Bunker angeeignet habe.

          „Wir mögen schräge Figuren, und am liebsten lassen wir sie über die Welt diskutieren“, sagt Tina Fey. Robert Carlock pflichtet ihr bei: „Wenn man Figuren mit eindeutigen, womöglich sogar irrsinnigen Haltungen hat, braucht man keine irren Situationen. Man lässt einfach diese Figuren über die Welt streiten – schlecht informierte Menschen“ – „...mit ausgeprägten Meinungen“, beendet Tina Fey den Satz. Da kommt einem sofort ihre Persiflage von Sarah Palin in den Sinn, eine so hinreißend gelungene Parodie, dass die echte und die falsche Palin eins zu werden drohten. Aber Tina Fey winkt ab: Palin könne einem auch „gleich wieder aus dem Sinn kommen“, sagt sie, ohne das weiter zu erläutern.

          Zu eigenartig fürs Network-Fernsehen

          Amerikas profilierteste Komikerin der Gegenwart beantwortet Fragen gern mit pointierten Halbsätzen. Sie ist eine zurückhaltende Person, sie wirkt streng und schüchtern zugleich. Ihr Humor kann tödlich sein. „Ich bin kein gemeiner Mensch. Aber ich habe die Kapazitäten dazu“, sagte sie einmal. Diese nehmen hier einmal mehr in einer von Jane Krakowski verkörperten Figur Gestalt an, der herablassenden Jacqueline Vorhees, die in Kimmy gleichwohl eine dringend benötigte Freundin findet.

          Komische Gestalten mit Baby auf dem Arm: Die neue Serie „Unbreakable Kimmy Schmidt“.
          Komische Gestalten mit Baby auf dem Arm: Die neue Serie „Unbreakable Kimmy Schmidt“. : Bild: GC Images

          In „Unbreakable Kimmy Schmidt“ wechseln scharfsinnige Komik und visueller Witz sich mit exaltiertem Slapstick ab, gleichwohl meint es die Serie ernst. „Zu entkommen“, sagt Titus zu Kimmy, „ist nicht dasselbe, wie es zu schaffen.“ Die Serie tritt als Sitcom auf, aber sie ist eigentlich ein Stück über Identitätssuche – und den unbezwingbaren Geist einer Überlebenskünstlerin, die einer zynischen Welt ihre eigenen Maßstäbe entgegensetzt.

          Dass „Kimmy“ zu eigenartig für das Network-Fernsehen sei, befand Tina Feys Haussender NBC, gleichwohl sie dort mit „Saturday Night Live“ und „30 Rock“ groß wurde. Der Sender hatte Fey und Carlock nach dem Ende von „30 Rock“ ermutigt, ein Stück für Ellie Kemper zu schreiben, und dreizehn Folgen von „Kimmy Schmidt“ bestellt. Aber auf halber Strecke – sechs oder sieben Episoden waren fertig – kam man bei NBC zu dem Schluss, dass die Serie nicht ins Programm passe. Im November erwarb Netflix die Rechte und bestellte eine zweite Staffel. Für Tina Fey und Robert Carlock bedeutet dies, dass sie künftig weder an die Taktung des Drehbuchs für Werbeunterbrechungen noch an Vorgaben für eine jugendfreie Fassung gebunden sind. Auf die Frage, wie sich derlei Freiheiten auswirken könnten, sagte Tina Fey: „Die zweite Staffel wird vor allem aus Sex in der Dusche bestehen. Zwischen Komparsen.“

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