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Serie „The Rook“ bei Starzplay : Hier werden Superhelden zu Sklaven

  • -Aktualisiert am

Emma Greenwell (l.) spielt die verwirrte Agentin Myfanwy Thomas. Bild: Starzplay

Großermittlungen zu Menschenhandel und Gedankenleser, Meisterlügner, Wettermanipulateure, die im Fall eines Massenmords ermitteln: In „The Rook“ ist sich eine Nachwuchsagentin wahrscheinlich selbst auf der Spur.

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          Tödliche Gefahr, und ein blauer und ein roter Schließfachschlüssel. Einer davon führt vermutlich zu einer neuen Identität, zum weißen Blatt Papier Zukunft. Der Preis des Glaubens an den Neuanfang ist der unwiederbringliche Verlust der Vergangenheit. Der andere Schlüssel begleitet den handschriftlichen Brief eines unbekannten Absenders. In der dazugehörigen Bankkassette sollen sich Hinweise finden, die die Rückkehr ins frühere Leben bewirken. Myfanwy Thomas (Emma Greenwell), in tiefer Nacht im strömenden Regen auf der Londoner Millenium-Brücke nur halb zu sich selbst gekommen, entscheidet sich für die vor ihr liegende Schnitzeljagd von Erinnerungsbrocken zu Erinnerungsfetzen. Womöglich aber ist das ganze Puzzle eine schlechte Wahl, sollte ihr Selbsterhalt Priorität haben.

          Sicher sind in der Supernatural-Thriller-Serie „The Rook“ ohnehin nur die unmittelbaren Wahrnehmungen: der Wolkenbruch, das Blut, das in die Themse tropft, und acht zweifelsfrei Tote mit Latexhandschuhen, um die erwachende junge Frau mit den geschwärzten Fingerkuppen herum arrangiert. Inzwischen trifft eine amerikanische Agentin am Bahnhof St. Pancras ein. Die Nummer Zwei der britischen Verbindungsorganisation, Conrad Grandchester (Adrian Lester), begleitet sie ins Hauptquartier eines mysteriösen Geheimdienstes hinter streng gesicherten Mauern. In den Büros arbeitet unter Führung der Nummer Eins, Linda Farrier (Joely Richardson), eine Gruppe divers paranormal Begabter für das britische Innenministerium. MI5 und MI6, die Inlands- und Auslandsgeheimdienst, sind ein öffentliches Buch gegen diese verborgene Organisation mit dem Namen „Checqui“. Das Massaker auf der Millenium-Bridge wird als internationaler Zwischenfall eingestuft. Regierungen sind alarmiert, Politiker nervös, innerhalb des Dienstes werden Intrigen gesponnen und der Sturz mächtiger Figuren wird vorbereitet.

          Nicht originell, aber ansehnlich düster und vielversprechend

          In den vier von acht Folgen seiner Eigenproduktion, die der Amazon-Prime-Kanal Starzplay zum Ansehen zur Verfügung gestellt hat, geht es zwar nicht superoriginell, aber ansehnlich düster und vielversprechend rätselhaft zu. Superhelden und -heldinnen gibt es ja fast im Dutzend billiger, insbesondere am Firmament der Comicuniversen, aber diese junge Frau, deren doppelter Einsatzbewegung der verrätselnden Enthüllung man zunehmend gespannt zur Seite steht, hat etwas besonders Anrührendes. Auch die Tragik ihrer Identitätssuche wirkt plausibler als in so manchem Konkurrenzprodukt. Showrunner Lisa Zwerlings („Emergency Room“) und Karyn Ushers („Prison Break“) Adaption eines Romans von Daniel O’Malley überzeugt mit gelungener Besetzung. Schon durch Barry Atsmas herausragende Verkörperung eines raubtiergefährlichen Gegenspielers hebt sich „The Rook“ von ähnlich mysteriösen Serien ab.

          Während die Identität der Opfer nach und nach ermittelt wird, kehrt Myfanwy Thomas an ihren Platz in der strikten Hierarchie zurück. Sie ist Nachwuchsagentin, erfährt sie, ein „Rook“ genau wie ihre Kollegen, darunter Gedankenleser, Bewusstseinsteiler, Meisterlügner, Wettermanipulateure. Sie ermittelt im Fall des Massenmords wahrscheinlich gegen sich selbst. Warum nimmt sie regelmäßig Medikamente? Myfanwy findet Videos und Dokumente, die ihr bedrohtes früheres Selbst strategisch genau plaziert hat. Und gerät mitten in Großermittlungen über den Menschenhandel, den bestens vernetzte Kriminellenorganisationen mit übersinnlich Befähigten treiben. Im Darknet blüht bei der „Babylon Auction Website“ schwunghafter Sklavenverkauf. Die Agenten sind teuer gehandelte Ware, so der „unique selling point“ dieser Geschichte. Myfanwy war anscheinend einer großen Sache auf der Spur. Welcher, das verrät Starzplay an diesem Sonntag, wenn „The Rook“ zum Streamen vollständig freigeschaltet wird.

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