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„The Circle“ auf Netflix : Eine runde Sache

Freunde finden, ohne das Bett zu verlassen: Für einige Leute ist das Setting von „The Circle“ ein Traum. Chris Sapphire lebte ihn für einen Monat. Bild: Picture-Alliance

Im Social-Media-Experiment „The Circle“ werden Fragen offen ausgesprochen, die sonst in unserem Unterbewusstsein hausen. Es ist faszinierend, dabei zuzusehen.

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          Es klingt dystopisch: Acht Kandidaten kommen in Einzelhaft und dürfen nur untereinander und nur schriftlich über ein Netzwerk namens „The Circle“ Kontakt aufnehmen. Mehrmals täglich schrillt ein Alarm, der ihre Aufmerksamkeit erfordert, und regelmäßig werden Beliebtheitslisten der Insassen erstellt. Die beiden Beliebtesten entscheiden, wer gehen muss. Furchtbare Vorstellung? Ja. Gerade deshalb ist es so erstaunlich, dass „The Circle“ auf Netflix eine tolle Show ist, die mit ihren unterhaltsamen und sympathischen Kandidaten respektvoll umgeht und uns viel über Kommunikation lehrt.

          Zum einen findet die „Einzelhaft“ in schicken kleinen Apartments statt, in denen man die Kandidaten fröhlich Sport treiben, Bücher lesen, Hemden bügeln oder Essen zubereiten sieht. Zum anderen kann jeder entscheiden, als wer er in diesem kleinen sozialen Netzwerk auftreten möchte – einige leihen sich Fotos von anderen Menschen für ihr Profil aus, einer bringt allen Ernstes seine Mutter als Beraterin mit, ein Mann namens Seaburn gibt sich als Rebecca aus und benutzt die Fotos seiner eigenen Freundin. Ausnahmslos alle sind interessante, ausdrucksstarke, selbstbewusste Menschen. Es geht hier nicht darum, Leute mit Psychospielchen in seelische Nöte zu stürzen. Alle haben verstanden, dass man dieses Spiel taktisch spielen und trotzdem authentisch bleiben kann.

          Es gibt Gruppenchats, Einzelchats und Spiele, die Kandidaten diktieren dem „Circle“ ihre Nachrichten, was für den Zuschauer komfortabel ist: Chats werden meist so gezeigt, als würden die beiden sich unterhalten, nur dass dazwischen wie im Theater sehr viel beiseite gesprochen wird. Wie reagiere ich jetzt? Wie kann ich ihm/ihr zeigen, dass wir Verbündete sind? Wie lasse ich ihn/sie höflich abblitzen? Wie überzeuge ich die anderen davon, dass sie mir vertrauen können? Im Grunde werden hier alle Fragen offen ausgesprochen, die sonst im Unterbewusstsein hausen. Die asymmetrische Kommunikation macht es möglich, die Anonymität und der Beliebtheitswettbewerb machen es nötig.

          Es ist faszinierend, dabei zuzusehen. Auch weil es funktioniert: Es entstehen echte Sympathien, und als die Finalisten sich am Schluss treffen, ist es, als säßen alte Freunde zusammen. Mit Ausnahme von Seaburn alias Rebecca – sein Auftritt ist dann doch ein Schock für die anderen. Seaburn verdanken wir auch die beste Szene, in der er als Rebecca ein „Date“ hat mit dem braven Latzhosentyp Alex, der sich als Sexprotz Adam ausgibt. Wie beide herumlavieren und nicht auf den Gedanken kommen, der andere könnte sich ebenfalls verstellen: Das ist ein großes Vergnügen.

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