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Arte-Serie „Private Banking“ : Wortreich versenkt

  • -Aktualisiert am

Patriarch auf Zeit: Leopold Weyer (Christian Kohlund) Bild: Arte

Schweizer Finanzkapitalismus, inszeniert im familiär Seifigen und Thrillerhaften: Der Arte-Zweiteiler „Private Banking“ traut seinem eigenen Thema nicht.

          Spätestens in zehn Jahren, so Digitalrealisten, werden Banken überflüssig sein. Insbesondere Konzerne hält man für obsolet. Leopold Weyer (Christian Kohlund) von der kleinen feinen Schweizer Privatbank Weyer sieht das für seine Nische anders. „Salonfähig“ sei es geworden, nach der Abschaffung des Bankgeheimnisses 2017 und dem automatischen Informationsaustausch mit den Behörden, „die Krise des Private Banking in der Schweiz zu beschwören. Aber unsere Kundenberater haben nicht nur das Knowhow im Wealth Management, sondern auch das Gespür für die Menschen und das Geld.“ Gespür für Geld – das klingt bestechend.

          Die Reichen, die bei Weyer anlegen, wie der Kunstsammler Heinrich Bodmer wollen nicht nur Geldvermehrung, sondern Geldvermehrung mit kulturellem Mehrwert und sozialem Gewissen – solange die Performance ihres Portfolios stimmt. Kundenberater wie Weyers Spitzenkraft Marco Antonelli (Marc Benjamin) halten es statt mit traditionellem Museumsbesuch außerhalb der Öffnungszeiten für Krethi und Plethi lieber mit den augenfälligen Insignien des männlichen Erfolgs in der Finanzbranche. Dem betrunkenen dänischen Investor Asmund Birger (Peter Mygind) verspricht Antonelli nach aufopferungsvollem Restauranttoiletteneinsatz als Pinkelhilfe die Beschaffung einer Uhr mit langer Warteliste. Und die diskrete Anmeldung eines Wohnsitzes in Istanbul zur Geldwäsche.

          Jeanne d’Arc in Alternativstrick

          Denn exklusiv möglich ist, so meint dieser „Master of the Universe“ im Schweizer Zweiteiler „Private Banking“, nach wie vor alles, auch das diskrete Weißwaschen von unversteuertem Schwarzgeld. Es kommt darauf an, Weyers ausgelagertes Gewissen in Person von Stefanie Pfenninger (Anna Schinz) ins Leere laufen zu lassen. Die Geschäftsleitung mit Weyers Sohn Alexander (Fabian Krüger) und der rechten Hand des Vaters Edi Luchsinger (Dietrich Siegl) interessieren Details der Abschlüsse nicht, solange die Werte hoch übersichtlich bleiben. Als Seniorchef Weyer nach einem Herzanfall ins Koma fällt, ist für den heimlichen Verkauf an eine Großbank entschiedenes „Window Dressing“, das Aufhübschen der Bilanz, angesagt. Für jedes „Board Member“ wird dabei eine vorteilhafte Summe abfallen, und im Zweifelsfall ist „Compliance“-Steffi – frisch von der Universität eingestellt zur Überwachung der Regelkonformität im Haus – ein prima Sündenbock.

          Den Abschluss vermasselt ihnen Leopolds außereheliche Tochter Caroline Pfister (Stephanie Japp), die als vorübergehende Leiterin des bedrohten Traditionsladens und Jeanne d’Arc in Alternativstrick und Baggy Pants quer durch die Bank reitet wie die Jungfrau durch das englischsprechende Heer der Betriebswirtschaftler. Die ehemals drogenabhängige Suchtberaterin ohne jede Sachkenntnis – „für Zahlen und Algorithmen haben wir unsere Knechte“, sagt man ihr, aber mit klarer Vision eines „Going Clean“-Strategiewechsels verliert auf ihrer Mission aber nicht nur den moralischen Kompass, sondern alle Illusionen, die die Kaufmannsromantik des ehrlichen Banking vorhalten mag. „Compliance“-Steffi wird zunächst ihr Faktenbollwerk gegen die Männernetzwerkegeringschätzung weiblicher Integrität. Caroline, vom Künstler-Ehemann Arnaud Andrin (Bruno Todeschini) gewarnt, verändert sich aber schnell zugunsten des Systems, was Seidenbluse und smart gegeltes Haar auch für den subtilitätsscheuen Zuschauer anzeigen.

          Die plakative Überdeutlichkeit hat leider Methode. Besonders im zweiten Teil hält „Private Banking“ nicht viel von dem, was der erste unter enormer Erkläranstrengung des Insider-Vokabulars mit seinem Faible für sinnentleerte Abkürzungen verspricht (Regie Bettina Oberli, Buch Thomas Ritter, David Sandreuter, Bettina Oberli, Kamera Henner Besuch). In zweimal neunzig Minuten wird das Thema Schweizer Finanzkapitalismus ins familiär Seifige und Thrillermäßige versenkt. Caroline ist schlussendlich auch nur eine Vatertochter, die mit ihrer Rolle in der privaten Hierarchie hadert. Es ist schade, dass „Private Banking“ offenbar der ausreichenden Attraktivität des Banking-Themas nicht genug vertraut. Von einem Serienhammer wie Christian Schwochows „Bad Banks“ ist das mindestens einen Vorstandsvorsitz weit entfernt.

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