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Serie „The Mandalorian“ : In bester Space-Western-Manier

An der Rüstung sollt ihr ihn erkennen: Der Mandalorianer (Pedro Pascal, links) reitet mit Kuiil (gesprochen von Nick Nolte) seinem Schicksal entgegen. Bild: Disney

Ein Schnitter in glänzender Rüstung: Bei Pro Sieben und Disney+ startet die Serie „The Mandalorian“. Der Eisenmaskenmann räumt im Universum auf. Darauf haben viele Fans von „Star Wars“ gewartet.

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          Liebe und Zuneigung gedeihen an den zweifelhaftesten Orten. Zum Beispiel in und zu einer Serie, in welcher der Hauptdarsteller nie sein Gesicht zeigt – und die dennoch das Kunststück fertigbringt, glaubhaft zu machen, er empfinde etwas für einen süßen Weltraumfratz, der zu den wirkungsvollsten Erfindungen aus Disneys Labor für massenhypnotisierende Kindchenschemata stammt. „The Mandalorian“ ist die erste Realfilm-Serie aus dem „Star Wars“-Universum. Einer ihrer Vorzüge ist, dass sie gleichzeitig hart daran arbeitet, den Zuschauer ihre Herkunft vergessen zu lassen – um ihn dann wieder mit Macht daran zu erinnern.

          Axel Weidemann

          Redakteur im Feuilleton.

          Warum schon wieder „Star Wars“? Man kann das knapp mit „Geld“ beantworten. Oder mit: „Once upon a time in a galaxy far, far away“. Weil es noch so viel zu erzählen gibt und die Geschichte dieses Universums, das in so viele mediale Abspaltungen expandiert ist, noch immer nicht zu sich selbst gefunden hat.

          George Lucas’ erste Filme deuteten es bereits an, hier wird die Idee endlich konsequent umgesetzt – dass „Star Wars“ als Space-Western phantastisch funktioniert. Schon die Filme schöpften aus derselben Quelle wie die amerikanischen Großwestern: den japanischen Historienfilmen, in denen heimatlose Schwertmeister durch die Welt irren, bis das Schicksal ihrem Leben, durch den Schutz jener ohne teuren Stahl in den Händen, einen Sinn verleiht.

          Ein Stamm fahrender, nein, fliegender Ritter-Cowboys

          Der „Mandolorian“, zu Deutsch Mandalorianer mit dem Ursprungsnamen Din Djarin, ist im „Star Wars“-Universum einer, zu dessen kulturellem Fundament die „6 Handlungen“ („Resol’Nare“) gehören: Rüstung tragen, die Sprache Mando‘a sprechen, sich und die Familie verteidigen, die Kinder als Mandalorianer erziehen, zum Wohl des Clans beitragen, sich dem Mandalore, dem Anführer, anschließen, wenn es gilt, die Heimat zu verteidigen. Das klingt alles verdächtig nach Tribalismus-Experiment – mit dem bedeutenden Unterschied, dass sich der Clan nicht nach außen abschließt, wenn Gefahr droht, sondern Fremde und Schwache aufnimmt und teilhaben lässt. Mandalorianer sind ein Stamm fahrender, nein, fliegender Ritter-Cowboys. Laut einem berühmten Mandalorianer (Goran Beviin) gibt es nur eines, „das einem Mando-Mann Angst macht, und das ist eine Mando-Frau“. Mando-Sprache kennt keine Geschlechter. Als „Mando“ ist und kämpft man zusammen, um den nächsten kleinen Krieger großzuziehen.

          Angesiedelt ist die Geschichte nach dem Sturz des Imperiums, etwa fünf Jahre nach den Geschehnissen in „Episode VI – Die Rückkehr der Jedi-Ritter“. Der titelgebende Madalorianer (unsichtbar hinter Eisenplatten aus „Beskar“: Pedro Pascal) verdingt sich als Kopfgeldjäger. Für den ehemals imperialen Warlord (Werner Herzog), der nur als „der Auftraggeber“ vorgestellt wird, soll er jemanden finden.

          Gut gelaunter Weltraumfratz mit großem Schlafbedürfnis: dieser kleine Kerl darf nicht in die Hände des Imperiums gelangen.
          Gut gelaunter Weltraumfratz mit großem Schlafbedürfnis: dieser kleine Kerl darf nicht in die Hände des Imperiums gelangen. : Bild: Disney

          Nach einer fein inszenierten Blaster-Schießerei in einem entlegenen Versteck findet der Held ein grünes Etwas, das vornehmlich aus Babyrobbenaugen und spitzen Ohren mit feinen Härchen zu bestehen scheint. Das Internet taufte ihn Baby-Yoda, nach dem hutzeligen alten Jedi-Meister, der einst schon Obiwan Kenobi und Luke Skywalker in die Finessen der Macht einweihte. Das Geschöpf ist mit seinen knapp fünfzig Jahren eben noch ein Baby im Vergleich zum Altmeister. Zupacken aber kann er – so viel sei gesagt. Nun kennt Disney zwar die auf den Schmelzpunkt menschlicher Herzen zielende Gesichtsarchitektur, ordnet ihr aber auch hier nicht alles unter. Zudem muss der kleine Kerl mit seinem Antlitz für zwei Gesichter herhalten, denn das seines Beschützers bleibt verborgen. Am schönsten glüht es, wenn das Licht der Zwillingssonnen von hinten durch die Ohren scheint. Unterwegs sammelt der Eisenmann noch allerlei Kumpane auf: IG-11, einen Killerdroiden mit Mutterinstinkten (gesprochen von Taika Waititi); Kuill (wird gesprochen von und sieht aus wie: Nick Nolte), einen torpedomauleidechsenreitenden Einsiedler; und Cara Dune (Gina Carano), eine Frau, die es an Kampfkraft fast mit einem Mando aufnehmen kann. Den Bösewichten, zu denen sich der großartige Giancarlo Esposito als Moff Gideon gesellt, wird es am „High Noon“ schlecht ergehen.

          Trotz ihrer von vergangenen Kaiserzeiten zeugender Patina ist die Serie mitunter etwas glatt und nicht immer stimmig. Warum benutzt der Mandalorianer sein Raumschiff „Razorcrest“ manchmal nicht? Dafür ist Platz für all die Ulkigkeiten des „Star Wars“-Universums. Endlich sehen wir mehr von den großartig-nervigen Java, wir treffen alte Bekannte, die bei neuen Verbrechern Unterschlupf finden („Hatschi-Wablinki“, oder so). Und irgendwie schafft es Pedro Pascal, hinter all den Eisenplatten Emotionen sichtbar zu machen. Getragen wird sein Abenteuer von einem erschütternd guten Soundtrack des schwedischen Komponisten Ludwig Göransson. Er sagt uns: Von diesem Mandalorianer haben wir nicht das letzte Mal gehört.

          Pro Sieben zeigt die erste Folge von The Mandalorian an diesem Sonntag um 20.15 Uhr. Die weiteren Folgen gibt es nur beim Streamingdienst Disney+, der in Deutschland am Dienstag startet. Ein Monatsabo kostet sieben, ein Jahresabo siebzig Euro.

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