https://www.faz.net/-gsb-7m9wh

Staffelstart „House of Cards“ : Leichen pflastern seinen Weg

Der Antiheld steht ihm gut: Kevin Spacey als Frank Underwood in der Serie „House of Cards“ Bild: Netflix / Sony Pictures Television

Niemand stoppt Frank Underwood, den brutalsten Politiker von Washington. Jetzt läuft die zweite Staffel von „House of Cards“ an. Hauptdarsteller Kevin Spacey verrät, worauf wir gefasst sein müssen.

          In der ersten Folge der zweiten Staffel von „House of Cards“ wird Frank Underwood als Vizepräsident vereidigt. Wir waren in der ersten Staffel Zeugen, wie er durch eine mörderische Intrige die Vakanz schuf, die er nun ausfüllen kann. Die Vereidigung findet im Haus der Underwoods statt, das aufwendig umgebaut werden muss. Der neue Vizepräsident verzichtet darauf, seine Dienstvilla auf dem Gelände der Marinesternwarte zu beziehen.

          Patrick Bahners

          Feuilletonkorrespondent in Köln und zuständig für „Geisteswissenschaften“.

          Underwood steht auf amtlichen Fotografien neben dem Präsidenten. Aber es macht ihm nichts aus, wenn er beim Abdruck in der Zeitung weggeschnitten wird. Er ist nicht in die Politik gegangen, um in einem Wagen mit offenem Verdeck über die Pennsylvania Avenue zu fahren und sich zujubeln zu lassen. Ihm geht es nur um die Macht.

          Der selbstlose Mächtige

          Fragt man Kevin Spacey, den Darsteller Frank Underwoods, was die Macht für Underwood wohl so attraktiv macht, berichtet er aus dem eigenen Berufsleben. „Macht ist die Chance, etwas möglich zu machen.“ Seit 2003 ist Spacey der künstlerische Leiter des Old Vic, einer der ältesten Theaterkompanien in London. „Ich kann den Regisseur engagieren und ihm Schauspieler vorschlagen. Es ist eine unglaublich befriedigende Erfahrung, zu sehen, wie am Premierenabend alles zusammenkommt.“

          In dieser Sicht ist Macht ein Könnensbewusstsein der zweiten Stufe: das Vermögen, andere tätig werden zu lassen. Der Mächtige wirkt indirekt, muss entgegen allen Klischees der Machtkritik selbstlos sein. Den Gesprächspartner, den an der Geschichte vom Aufstieg Underwoods in erster Linie die persönliche Seite interessiert, weist Spacey mit dem Blick hinter die Kulissen seines Theaters diskret darauf hin, dass man sich ansehen sollte, welchen Inhalten Underwoods brutale Methoden dienen.

          „Zu 99 Prozent realistisch“

          In der ersten Staffel sorgt er als Einpeitscher der demokratischen Mehrheitsfraktion im Repräsentantenhaus durch Ausbooten des fanatischen Fachzuständigen dafür, dass eine Schulgesetzreform verabschiedet wird. „Ein Hauptstadtkenner hat gesagt, unsere Serie sei zu 99 Prozent realistisch und zu einem Prozent unrealistisch: Niemals würde man ein Schulgesetz so schnell durch den Kongress bekommen.“

          Amerikanische Kritiker haben den Erfolg von „House of Cards“ als Zeichen einer Zeit gedeutet, die von der Politik nichts mehr erwartet: Das Plotmuster der Blutspur des Ehrgeizigen verrate, dass die Erfinder der Serie an den wahren Geheimnissen von Washington nicht interessiert seien. Von dieser zynischen Lesart der Karriere des Erzzynikers Underwood will Spacey nichts wissen. Als unrealistisch lässt er unter Berufung auf einen Insider nur ein Detail gelten, das auf einen Überschuss von Idealismus bei den Drehbuchautoren schließen lässt. So gesehen, wäre „House of Cards“ die Fortsetzung von „The West Wing“.

          Kein Bilderbuchheld

          Als Antiheld steht Frank Underwood in Spaceys Augen in der Nachfolge einer Reihe von Serienprotagonisten, die noch weiter zurückreicht als bis zu Tony Soprano. Spacey beschreibt einen Durchbruch zum psychologischen Realismus, der nur im Fernsehen möglich gewesen sei und „das dritte goldene Zeitalter“ dieses Mediums heraufgeführt habe. Realistisch schätze man endlich die Erwartungen des Publikums ein.

          Weitere Themen

          „Herbstsonate“ Video-Seite öffnen

          Trailer : „Herbstsonate“

          „Herbstsonate“, 1978. Regie: Ingmar Bergman. Darsteller: Ingrid Bergman, Liv Ullmann, Lena Nyman.

          Topmeldungen

          Hätte sie da mal gefragt, was seiner Mutter gefällt: Doria Ragland (l) und Prinz Charles (r) nach der Trauung von Harry und Meghan im am 19. Mai 2018

          Herzblatt-Geschichten : Singender Hamster, lüsterner Hund

          Während die „Gala“ die Abgründe von Annegret Kramp-Karrenbauers Filmgeschmack offenlegt, hat die Mutter von Herzogin Meghan ein noch größeres Problem: Sie sucht nach einem Geschenk für die Queen.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.