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Staffelstart „House of Cards“ : Leichen pflastern seinen Weg

Saftige Sätze im Rüschenkleid

Als Mitproduzent ist Spacey an der Entwicklung der Handlung und seiner Figur beteiligt. Die Dreharbeiten für die dritte Staffel beginnen in wenigen Wochen, er sieht das Potential für viele weitere Staffeln. „Wir müssen uns klarmachen, dass noch lange nicht alles über diese Charaktere enthüllt worden ist. Es gibt so viel, das ich immer noch nicht über Frank Underwood weiß! Das macht es spannend, jeden Tag zur Arbeit zu gehen.“ In einer komödiantischen Miniatureinlage spielt er den überheblichen Profi vor, der er nicht sein will. „Ich erscheine nicht auf dem Set und sage: ,Hier bin ich, diesen Typ kann ich auch im Schlaf spielen.‘“

Kevin Spacey und - als Neuzugang in der Serie - Molly Parker
Kevin Spacey und - als Neuzugang in der Serie - Molly Parker : Bild: AP

Spacey ruft nochmals Johnson auf: Als er Mehrheitsführer im Senat war, wusste auch niemand, dass er die Bürgerrechtsgesetze zu seiner Sache machen würde. „Er war dagegen, bevor er dafür war.“ Dass Underwood wie Johnson aus den Südstaaten stammt, ist keine Pointe zur Wiederkehr des Verdrängten in der einst von Südstaatlern dominierten Demokratischen Partei, sondern hat sprachmusikalische Gründe. „Wenn man sich die Originalserie der BBC ansieht, merkt man: Der britische Akzent hat ein gewisses Etwas.

Das gilt insbesondere, wenn Francis Urquhart, das Vorbild für Frank Underwood, wie Shakespeares Richard III. direkt das Publikum anspricht. Es gibt da eine Satzmelodie, die einen über Ungeheuerlichkeiten hinwegträgt. Der Tonfall von South Carolina klingt ähnlich förmlich und gibt mir dieselbe Freiheit, saftigere Sätze zu formulieren.“

In Unkenntnis der Erfolgsbedingungen

Johnson hielt Kennedy für einen Schwächling. Für den Zuschauer sieht Präsident Walker neben Underwood schwächlich aus. Was mag das über das Verhältnis der Amerikaner zur Institution des Präsidentenamtes aussagen? „Die echte Präsidentschaft mit unserer erfundenen Präsidentschaft zu vergleichen ist töricht.“ Bei dieser Antwort blitzt der Dolch auf, den Underwood zwischen den Zähnen trägt. Nur gut, dass Spacey mutmaßlich keine Dossiers über seine Interviewer führt.

Er zeigt sich fest davon überzeugt, dass die Wähler für Walker gestimmt hätten. „Als wir die Rolle besetzten, dachte ich: Michael Gill ist eine interessante Mischung aus Clinton und Blair.“ Warum solle man Walker als schwachen Präsidenten wahrnehmen? Nun, er wirkt arrogant, seine Reden sind blass. Von Charisma keine Spur. Als Zuschauer ist man auf der Seite von Underwood, weil der Präsident gar nicht weiß, was die Bedingungen seines Erfolges sind. „Wenn das so ist, haben wir offenbar alle unsere Karten richtig ausgespielt.“

Spacey hofft, dass die Schöpfer von „House of Cards“ den richtigen Moment zum Aufhören finden – wenn alles an den Tag getreten ist, was sie möglich gemacht haben. Der Ehrgeiz wird in der klassischen politischen Theorie als Begierde beschrieben, die nie befriedigt wird. Wird Frank Underwood je glücklich werden? Kevin Spacey lächelt. „Ich glaube, er ist ein sehr glücklicher Mensch.“

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