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Serie „Pure“ über Drogenmafia : Ich predige nur, das Böse vertreibt Gott persönlich

Allein auf weiter Flur: Mennoniten-Prediger Noah Funk (Ryan Robbins) und seine Frau Anna (Alex Paxton-Beesley) Bild: ©Two East Productions

„Breaking Bad“ in Kanada: Die Serie „Pure“ handelt vom Kampf einer Mennonitenfamilie gegen die Drogenmafia, die sich in ihrer Gemeinde breit macht.

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          Noah hat sich um den Job wirklich nicht gerissen: Da gibt es doch ganz andere, Berufenere als ihn. Von wegen, sagt der alte Prediger der Mennonitengemeinde. Er muss sich nicht bewerben, und die Entscheidung obliegt nur einem: „Das Los wird geworfen, aber es fällt, wie der Herr es will.“ Und der Herr will, wie das in der Bibel versteckte Los zeigt, dass Noah Funk Prediger wird und nicht ein Handlanger von Eli Voss, dem Paten der Gemeinde.

          Michael Hanfeld
          verantwortlicher Redakteur für Feuilleton Online und „Medien“.

          Was dieser sich unter einem gottesfürchtigen Lebenswandel vorstellt, sehen wir gleich zu Beginn: Der Wagen einer vierköpfigen Mennoniten-Familie wird von einem SUV von der Straße gedrängt und überschlägt sich, Mutter und Tochter sind tot, der Vater wird erschossen, nur der kleine Sohn entkommt. Eine Killertruppe lässt die Leichen verschwinden, Mafiaboss Eli, den Peter Outerbridge gibt wie weiland Henry Fonda den Oberschurken Frank in „Spiel mir das Lied vom Tod“, nimmt das im Wagen geschmuggelte Kokain in Empfang.

          „Du hast einen Plan, gib es zu“, herrscht Anna Funk (Alex Paxton Beesley) ihren Mann Noah (Ryan Robbins) an. Von seiner Wahl zum Gemeindeführer ist sie alles andere als begeistert. Denn er sagt zwar: „Ich werde nur predigen, Gott vertreibt das Böse.“ Doch sie und er wissen genau, wie die Dinge liegen. In ihrer Gemeinde im südlichen Ontario, Kanada, und in der Schwestergemeinde in Mexiko hat sich eine Drogenmafia eingenistet, der in puncto Entschlossenheit und Gewalt niemand etwas vormacht.

          Das kapiert auch der Polizist Bronco Novak (A.J. Buckley) ziemlich schnell, der angesichts des ausgebrannten Autowracks zwar, anders als ein Kollege, nicht an einen Unfall glaubt, bei den Schilderungen der Drogenfahnderin Phoebe O’ Reilly (Rosie Perez) aus Texas aber die Ohren anlegt. Die Mafia bei den Mennoniten? Genauso ist es.

          Dass der Produzent Michael Amo die Geschichte von „Pure“, für die es ein reales Vorbild geben soll, in einer Auswanderergemeinde ansiedelt, die ein streng reglementiertes Alltagsleben zu Bedingungen des neunzehnten Jahrhunderts führt und sich – scheinbar – in jeder Hinsicht von den Verführungen der Gegenwart abgrenzt, sorgt für besondere Hermetik: Clan-Kriminalität dringt in eine ohnehin verschworene Gemeinschaft ein, die sich als große Familie versteht.

          In diese rettet Noah zunächst auch den Jungen, der das Massaker der Drogenmafiosi überlebt hat. Er nimmt ihn in seine Familie auf, womit er diese freilich noch mehr in Gefahr bringt. Die Mafia duldet keine Zeugen. Bald hat Noah nur noch die Wahl, unterzugehen oder sich selbst für Eli zu verdingen. Den Pakt mit diesem Teufel geht er zwar ein, doch hegt er den Hintergedanken, ihm das Handwerk zu legen. Dass Noah als Undercover-Prediger-Agent einen hohen Preis wird zahlen müssen, können wir uns schon in der ersten Folge der Serie denken.

          Aufgenommen wurde diese von der Kritik in Kanada durchaus begeistert, doch war der Zuspruch beim Publikum zu gering, als dass die kanadische CBC sie nach einer Staffel für eine zweite hätte fortsetzen wollen. Das übernahmen dann im Verein der Abosender Super Channel, der Kabelsender WGN America und die Plattform Hulu. Nicht unbedingt begeistert waren auch, wie man nachlesen kann, die echten Mennoniten.

          Kritik entzündete sich vor allem daran, dass „Pure“ unter den Strenggläubigen spielt, wo die Mehrheit der Anhänger der auf den friesischen Theologen Menno Simons zurückgehenden evangelischen Freikirche, deren Vorfahren im achtzehnten Jahrhundert auswanderten, sich doch aktiv in der kanadischen Gesellschaft der Gegenwart bewegt. Bemängelt werden von den Eingeweihten auch Ungenauigkeiten, die deutschen Zuschauer ebenfalls auffallen. Das Deutsche, das Noah und die Seinen als sprachliches Erbe bewahrt haben, knarzt nämlich gewaltig und wirkt wie ein flämischer Slang.

          Das allerdings tut dem hohen Produktionsniveau wenig Abbruch. Das Ensemble von „Pure“ agiert souverän, die Kamera ist vom Feinsten, auch wenn sie die Weiten von Ontario einfängt, die Geschichte stimmt in Atmosphäre und der Entwicklung der Figuren. Der Sender Sony/AXN, der die Serie bei uns zeigt, bemüht als Vergleich das inzwischen legendäre „Breaking Bad“ mit Bryan Cranston in der Rolle des zum Drogenbaron mutierenden Chemielehrers Walter White, und diesen Vergleich muss „Pure“ in der Tat nicht scheuen.

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