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Serien-Neustarts in Amerika : Das FBI arbeitet jetzt für mich

  • -Aktualisiert am

In dieser Szene von „Blacklist“ sieht es zwar nicht so aus, aber „Red“ Raymond Reddington (James Spader) lässt Amerikas Sicherheitsdienste nach seiner Pfeife tanzen Bild: AP

Im amerikanischen Fernsehen gibt es ein Wiedersehen mit alten Bekannten: Während Robin Williams abräumt, tut sich Michael J. Fox schwer. Ganz große Unterhaltung liefert der Thriller „Blacklist“.

          Die aktuelle amerikanische Fernsehsaison ist von Gegensätzen geprägt: CBS und NBC haben packende Thrillerserien im Programm, die aber ganz unterschiedlichen Erfolg beim Publikum zeitigen. Michael J. Fox gelingt mit seiner neuen Serie kein großer Wurf. Auch das jüngste Fernsehprojekt von Steven Spielberg ist ein Flop. Dafür ist Robin Williams erste Serie seit „Mork vom Ork“ genau das, was man sich vorgestellt hat: eine rasante Comedy, die der manische Komiker trägt.

          Das Comeback von Fox und Williams galt als sichere Wette. Williams hat die Rolle des überkandidelten Außerirdischen Mork schließlich in eine große Filmkarriere übersetzt. Und Michael J. Fox ließ der Trilogie „Zurück in die Zukunft“ die Serie „Spin City“ folgen, die er 2000 verließ, als sich die Symptome seiner Parkinson-Erkrankung verschlimmerten. Inzwischen hat er die Krankheit so weit im Griff, dass er die Rückkehr ins Rampenlicht wagte. Zunächst mit Auftritten in Talkshows und Gastrollen, nun mit einem Stück, das sein Comeback thematisiert: Fox’ Serienfigur Mike Henry hat sich aufgrund seiner Parkinson-Erkrankung aus den Abendnachrichten zurückgezogen und geht zu Hause seiner Frau Annie (Betsy Brandt aus „Breaking Bad“) und den Kindern Eve (Juliette Goglia), Ian (Conor Romero) und Graham (Jack Gore) auf die Nerven. Er setzt - ganz altmodisch - auf gemeinsame Mahlzeiten am Esszimmertisch und Morgendisziplin an Schultagen.

          Kein Stoff für wöchentliche Sitcom

          Es ist ein liebenswerter Chaotenhaufen, in dessen Mitte sich Fox zurückmeldet, und er hat nichts von seinem Charme und seinem komödiantischen Timing verloren. Auch die befürchtete Mitleidsshow bleibt aus. Im Gegenteil: Parkinson und dessen Folgen sind Gegenstand zahlreicher Witze, etwa in einem Flashback auf Mikes Nachrichtensprecherkarriere, der zeigt, wie sein Stuhl während der Sendung aus dem Bild wandert.

          Nur: Dass Fox’ Krankheit im Mittelpunkt der Sitcom steht, ist auch ihr großer Fehler. Der Mann erzählt seine eigene Geschichte, und nach alter Schriftstellerweisheit ist das selten interessant genug, um ein Publikum dauerhaft zu bannen. So respektabel das Motiv ist, der Krankheit die kalte Schulter zu zeigen, so wenig eignet sich das als Stoff für eine wöchentliche Sitcom.

          Ihr Auftritt, trotz Parkinson-Krankheit: Betsy Brandt und Michael J. Fox in der „Michael J. Fox Show“

          Zu eng liegen Realität und Fiktion beieinander, und dass man Michael J. Fox bisweilen die Anstrengung ansieht, die ihn dies kostet, macht es nicht besser: Man fühlt sich genötigt, ihm die Mühe hoch anzurechnen, auch wenn man sich innerlich windet. Fox hat seiner Krankheit zuletzt wirkungsvoller Paroli geboten, etwa in der Serie „The Good Wife“, in der er einen Anwalt spielt, der seine Krankheit schamlos zur Manipulation der Schöffen einsetzt. Das funktionierte, weil es überraschte und weil es dem Auftritt die emotionalen Daumenschrauben nahm. Der mit Sitcoms erfahrene Sender NBC („The Cosby Show“, „Friends“,„30 Rock“), der eine komplette Staffel der Serie bestellt hat, muss sich mit desaströsen Quoten von kaum vier Millionen Zuschauern bei der „Michael J. Fox Show“ abfinden.

          Die große Robin-Williams-Show

          Robin Williams ist bei CBS mit „The Crazy Ones“ in seinem Element. Er spielt den exzentrischen Werbemann Simon Roberts, ein Genie, das sich selbst im Weg steht und sich daher auf seine pflichtbewusste Tochter Sydney (Sarah Michelle Gellar aus „Buffy, die Vampirjägerin“) verlässt. Im Duett mit ihr versucht er nun, die großen Fische an Land zu ziehen beziehungsweise am Haken zu halten, und es ist schade, dass Gellar, die sich persönlich um die Rolle bemühte, Williams wenig mehr als einen dauerbesorgten Rehblick entgegenzusetzen hat.

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