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„The Passage – Das Erwachen“ : Gegen Vampire hilft nur Geistesgegenwart

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FBI-Agent Brad Wolgast (Mark-Paul Gosselaar) und Dr. Major Nichole Sykes (Caroline Chikezie) Bild: Erika Doss / © 2019 Fox

In der Serie „The Passage – Das Erwachen“ haben Wissenschaftler unsterbliche Monster erschaffen – trotz mangelnden Anspruchs ist das unterhaltsam. Ganz so langlebig wie die Vampire ist die Produktion allerdings nicht.

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          Er schuldet ihr noch ein Einhorn. Amy Bellafonte (Saniyya Sidney) und FBI-Agent Brad Wolgast (Mark-Paul Gosselaar) sind auf der Flucht durch mehrere nordamerikanische Bundesstaaten. Die schwer bewaffneten Verfolger, darunter sein Freund Clark Richards (Vincent Piazza), haben an einem gottverlassenen Sheriffposten bereits ein Blutbad angerichtet und sind beiden dicht auf den Fersen. Wolgast, früherer Elitesoldat, ist Spezialist für Menschentransporte. Ein knappes Dutzend zum Tode verurteilter Mörder hat er schon auftragsgemäß nach Telluride, Colorado, gebracht. In einem verlassenen Hotel mit düsteren Gängen und geheimem Hochsicherheitstrakt findet hier ein vom Verteidigungsministerium finanziertes, von Top-Wissenschaftlern geleitetes Medikamentenexperiment mit menschlichen Laborratten statt. Es soll nichts weniger als die Menschheit vor der kurz bevorstehenden Auslöschung durch mutierte Krankheiten bewahren.

          Dass dabei das erste Opfer die Humanität ist, versteht sich beim SciFi-Wissenschaftskritik-Roadmovie-Mysterymix-Genre der zehnteiligen FOX-Serie „The Passage – Das Erwachen“, die hierzulande bei Pro Sieben läuft, von selbst. Von den Umständen weiß der hoch dekorierte Wolgast zwar nichts, aber nun hat er zum ersten Mal keine Schwerverbrecher, sondern ein zehnjähriges Waisenmädchen abzuliefern, das niemand vermissen wird. Außer ihm, der die eigene Tochter vor wenigen Jahren zu Grabe getragen hat, und seiner Exfrau, der Ärztin Lila Kyle (Emmanuelle Chriqui), die schon bald zur Überlebensgemeinschaft stößt. Das Plüscheinhorn, das Amy auf dem Rummel zielsicher geschossen hat, ist auf der Strecke geblieben.

          Jedes Mittel scheint dem Team um die Leiterin des illegalen klinischen Tests, Dr. Major Nichole Sykes (Caroline Chikezie), inzwischen recht. Derweil haben alle seltsam reale Albträume, in denen ihre Probanden das Ruder übernehmen. Den Tests vorausgegangen war eine bahnbrechende Nachricht aus der Welt der Immunforschung. Im bolivianischen Hochland haben die Spitzenkräfte Dr. Jonas Leary (Henry Ian Cusick) und Dr. Tim Fanning (Jamie McShane) einen uralten Höhlenmann entdeckt. Leary ist aus persönlicher Verzweiflung bereit, ethische Grenzen zu überschreiten (seine Frau ist an Alzheimer erkrankt).

          Fanning ist der Typ Wissenschaftler, dem ohnehin alle Skrupel fremd sind und jedes Mittel zur Ruhmvermehrung recht scheint. Nun vegetiert Letzterer als gebissener „Patient 0“ im Hochsicherheitstrakt und wacht nur unvorhersehbar auf. Der Unsterbliche ist zwar immun gegen alle Krankheit und Alter, aber auch ein blutsaugendes Monster mit Allmachtsgelüsten geworden. Genau wie weitere elf Opfer, die sich mit den geheimnisvollen Erregern aus dem Höhlenmannblut infiziert haben und aus dem Todestrakt kommend nach ihrer „Grippeschutzimpfung“ direkt wieder hinter Gittern gelandet sind. „Virals“ heißen diese Vampire in „The Passage“ und, man ahnt es, sie können Gedanken manipulieren und trachten nach der Weltherrschaft.

          Nur Amy, das besonders schlaue Mädchen mit mysteriösen Gaben, scheint sie beeinflussen zu können. Nun fürchten die Forscher zwar einen bevorstehenden Kontrollverlust, ahnen jedoch nicht, dass das Militär die „Virals“ als Waffe einsetzen will – und forschen weiter.

          In puncto wissenschaftsethischer Dimension ist „The Passage“ wenig subtil, origineller als andere Vampir- oder Zombieserien schon gar nicht und in vielem klischeehaft. Die Horrorelemente werden durch Actionszenen aufgehellt; der dystopische Ansatz durch Kitschdialoge der Pflegetochter-Pflegevater-Beziehung weich geschliffen. SciFi ohne höheren Anspruch. Das ändert aber nichts daran, dass „The Passage“ nach etwas zähem Anlauf ziemlich unterhaltsam bleibt. Liz Heldens, die die Serie nach einer Romantrilogie von Justin Cronin entwickelt und auch geschrieben hat, stehen mit Matt Reeves und Ridley Scott versierte Koproduzenten zur Seite. FOX hat kürzlich wissen lassen, dass der ersten Staffel keine weiteren folgen werden. Mit der Trilogie erstem Teil stirbt „The Passage“ leider gleich wieder.

          The Passage – Das Erwachen läuft mittwochs um 20.15 Uhr auf Pro Sieben.

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