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Serie „Ray Donovan“ : Warum muss er immer alles für alle regeln?

Einer räumt auf: Wenn es sein muss, macht Ray Donovan (Liev Schreiber) nicht viele Worte. Bild: Jeff Riedel/SHOWTIME

Sein Name ist Ray Donovan, von Beruf ist er „Fixer“. Will heißen: Er räumt den Dreck weg. Seine eigenen Probleme hat er nicht im Griff: Chaos, Familie, Sex and Crime. Das sollte man sich unbedingt ansehen.

          3 Min.

          Der Mann hat ein Helfersyndrom, und das äußert sich so: Erst bricht er einem Unsympathen die Hand, den nächsten taucht er in grüne Farbe, und auf den dritten, der ein ausgewachsener Verbrecher ist, will er gleich mit der entsicherten Knarre losgehen. Weil Letzterer aber sein Vater ist, der so toxisch lächelt, wie nur Jon Voight eine Figur kaum die Miene verziehen lassen kann, und weil die Angelegenheit kompliziert ist, entschließt sich Ray Donovan (Liev Schreiber) dann doch lieber, einen anderen mit dem Baseball-Schläger rundzumachen. Und auf diese Art kann er wieder ein Problem für einen der Reichen und Schönen Hollywoods aus der Welt schaffen, bevor er sich dem Ärger mit der eigenen Familie zuwendet. Den allerdings - und davon lebt die Serie „Ray Donovan“ - beherrscht er mit eher mäßigem Erfolg.

          Ursula Scheer
          Redakteurin im Feuilleton.

          Wenn Ray Donovan eines kann, dann im Auftrag anderer für klar Schiff sorgen. Was tut ein Profisportler mit millionenschweren Werbeverträgen, als er - wir sehen es in einer der ersten Einstellungen - im Hotelbett neben einer Toten aufwacht? Und was tut der Filmstar, den sein Studio als testosterongestählten Brecher aller Frauenherzen vermarktet, aber ein Unbekannter mit einem Video erpresst, das den Schauspieler beim Liebesspiel mit einem Mann zeigt? Ganz gleich, in welcher Klemme die Prominenten stecken, sie greifen zum Handy und tippen die Nummer von Donovan ein, dem besten „Fixer“ der Stadt.

          Verkorkste Sippschaft in Südboston

          Der lässt mit seinem Team die Leichen im Keller verschwinden, führt die Klatschpresse auf falsche Fährten, nimmt Erpresser in die Mangel, stellt Stalker und setzt Einbrechern nach. Donovan, ein kompakter Typ im eleganten Anzug, wird gefährlich, wenn er die Manschettenknöpfe öffnet, und er wird schwach - so viel Klischee muss sein -, wenn er schönen jungen Frauen die Fieslinge vom Hals hält. Er ist der Beste in der Ausputzer-Agentur „Goldman & Drexler“, diskret, effizient, erfolgreich. Wenn da nur nicht die Sache mit dem Helfersyndrom wäre. Und die mit Dad.

          Denn Donovan ist kein Brutalo, der zu wenig Denkmasse unter den kurzen braunen Haaren hat, um etwas anderes zu tun, als Leute zu vermöbeln. Er hat, und das entfaltet die Serie des amerikanischen Senders Showtime, die das ZDF nun zeigt (beim Abosender Fox, zu empfangen über Sky, läuft sie schon), eine andere Macke: Er muss immer für alle, die ihr Leben nicht im Griff haben, alles regeln. Ray, erfahren wir, stammt aus einer verkorksten Sippschaft in Südboston. Die Mutter starb früh, der Vater dealte mit Koks und legte Leute um, die Schwester sprang in den Tod, Bruder Nummer eins wurde von einem katholischen Priester missbraucht und säuft, Bruder Nummer zwei hat einen Fight-Club und Parkinson.

          Seit Ray seinen Dad vor zwanzig Jahren hinter Gitter brachte, hält er die Brüder in der Spur und hat sein eigenes Leben aufgebaut: mit einer Frau (Paula Malcomson), die sich nicht auf der Nase herumtanzen lässt, zwei halbwüchsigen Kindern und einem sozialen Beruf der besonderen Art.

          Familienrückhalt für den „Fixer“

          Das wäre Stoff für eine überdrehte Hollywood-Komödie voller verkrachter Existenzen, die vom Mann der Tat vor dem Gröbsten bewahrt werden, Aber richtig gut wird „Ray Donovan“ erst dadurch, dass der Vater vorzeitig aus dem Knast kommt und Jon Voight eine Vorstellung liefern kann, die ihm einen Golden Globe als bester Nebendarsteller einbrachte. Mickey Donovan schleicht sich zurück ins Leben seiner Lieben wie eine fahle Spinne, die aus dem dunklen Keller kriecht, und mit welcher Unwiderstehlichkeit der vermeintlich geläuterte Opa vorgeht - ob er den Enkeln Geld zusteckt oder der Schwiegertochter Komplimente macht - und doch in jeder Szene abgründiger wird, das ist schlicht großartig anzusehen.

          Er haut ja auch eine Zote nach der anderen raus. Warum Ray ihn hasst, während alle anderen ihn als den verlorenen Großvater umarmen - wir wissen es nicht. Aber dass Mickey Donovan, kaum dass sich die Gefängnistore hinter ihm schlossen, erst einmal jemanden umlegte, haben wir gesehen. Die Kamera schwebte zu beschwingter Musik über dem Opfer, um heiter weiterzufliegen Richtung besagter Leiche im Bett des Spitzensportlers.

          Das entspricht der Tonlage der Serie, die mit Leichtigkeit in Abgründe aus Sex und Gewalt taucht, um gleich wieder hinauf in die Glitzerwelt zu gleiten oder in den netten Familienalltag. Bitteres und Banales mischen sich zunächst so wüst, und die Erzählstränge werden so unbedarft aufgerollt, dass sich einiges verknotet an Handlungen und Emotionen. Aber nach und nach gewinnt die Story an Dichte und Stringenz, und Ray, den Schreiber als kontrollierten Schweiger mit Haudrauf-Tendenz und weichem Herzen zeichnet, gewinnt an Profil. In Amerika hat die von Allen Coulter produzierte Serie 2013 einen so fulminanten Start hingelegt, dass gleich die zweite Staffel in Auftrag gegeben wurde, inzwischen läuft die dritte, und das Duell zwischen Vater und Sohn ist immer noch nicht entschieden. Wer hätte gedacht, dass ein ganzer Kerl heute vor allem eines braucht: Familienrückhalt.

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