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Serie „Deutschland 83“ : Unter Afrikas geteiltem Himmel

Schmutzige Geschäfte in Angola: In „Deutschland 86“ stellt sich für die von Jonas Nay und Maria Schrader gespielten Ost-Spione die Gewissensfrage. Bild: Still Photography by Anika Molná

Die Serie „Deutschland 83“ war weltweit ein Erfolg und im eigenen Land ein Flop. Am Kap der Guten Hoffnung wird die Fortsetzung gedreht. Begegnungen am Set.

          6 Min.

          Maria Schrader rauft sich die Locken. Nein, so ganz gestimmt hat die Szene für die Perfektionistin noch nicht, obwohl alles perfekt wirkte. Also zurück auf Anfang. Assistentinnen huschen ins Bild, pudern hier, zupfen dort und verschwinden wieder, Regisseur Florian Cossen gibt letzte Anweisungen, die Kamera läuft und zoomt nah, näher, ganz nah ans Gesicht der Schauspielerin heran. Gehüllt in Achtziger-Jahre-Schick, lehnt sie an einem Schreibtisch, den Hörer des Wählscheibentelefons an ein Ohr gepresst. Durch die gerasterte Fensterfront hinter ihr bricht afrikanisches Licht: Maria Schrader ist wieder die kalte Kriegerin Lenora Rauch, Offizierin des DDR-Auslandsgeheimdienstes, nun auf Undercover-Mission in Südafrika – und auf der Suche nach ihrem abtrünnigen Neffen.

          Ursula Scheer

          Redakteurin im Feuilleton.

          Denn der untergetauchte Spion und Atomkrieg-Verhinderer a. D. Martin alias Jonas Nay, der schon im Tennisdress auf seinen Einsatz hinter den Kulissen wartet, soll auch in der Fortsetzung der Serie „Deutschland 83“ eine tragende Rolle im Ost-West-Konflikt spielen. Drei Jahre nach der Ausstrahlung der Auftaktstaffel wird die zweite zu sehen sein, drei Jahre nach den Geschehnissen der ersten setzt die Handlung der nächsten ein und wird folgerichtig den Titel „Deutschland 86“ tragen.

          „Sagt mir, wo ihr ihn versteckt habt!“, fordert Lenora telefonisch vom Genossen in Ost-Berlin. „Lass mich raten: Moçambique? Zu gefährlich. Angola?“ Dann charmiert sie: „Ich brauche ihn, wir brauchen ihn. Mein Erfolg ist dein Erfolg.“ Der Griff zum Stift verrät: Die Spionin hat wieder einmal gewonnen und ihre Information erhalten, das Spiel kann weitergehen. Die Szene aber ist im Kasten, und im zehnten Stock des Kapstädter Apartmenthauses, in dem gedreht wird, löst sich die Spannung der deutsch-südafrikanischen Crew.

          Tarnung ist alles, auch am Frühstückstisch: Jonas Nay, Florence Kasumba und Maria Schrader (von links).

          Eine Win-win-Situation für alle, das soll auch die Weiterführung der Serie werden, die 2015 im Ausland zum Überraschungserfolg avancierte, mit Preisen überhäuft wurde, im hiesigen Fernsehen aber grandios floppte. Weltweit verkaufte sich „Deutschland 83“ wie keine deutsche Serien zuvor, in 180 Länder; beim amerikanischen Sundance Channel gewann sie, obwohl mit Untertiteln ausgestrahlt, von Folge zu Folge mehr Fans, darunter Prominente wie Tom Hanks. Sie holte einen International Emmy Award, wurde mit einem Grimme-Preis, Goldenen Kameras und dem Deutschen Fernsehpreis in diversen Kategorien ausgezeichnet. In Großbritannien auf Channel 4 erzielte sie die höchsten Einschaltquoten einer nichtenglischsprachigen Dramaserie.

          Ihr Produzent Nico Hofmann, der zu den Dreharbeiten nach Kapstadt gekommen ist, nennt „Deutschland 83“ einen „Game Changer“. Nach seinem Weltkriegsdrama „Unsere Mütter, unsere Väter“ war die Serie der zweite große Schritt der Ufa, mit ihren Produktionen auf den amerikanisch dominierten Weltmarkt vorzustoßen. Der Verkauf der Rechte durch die Bertelsmann-Tochter Freemantle an den prestigeträchtigen Sundance-Kabelkanal erwies sich als genialer Schachzug. Dafür, dass 2017 Tom Tykwers von der ARD-Degeto, Sky und Beta Film produzierte Serie „Babylon Berlin“ praktisch aus dem Stand in mehr als sechzig Länder verkauft war, hat aus Hofmanns Sicht „Deutschland 83“ den Weg gebahnt.

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