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Serie über Prostituierte : Zu viel Sympathie für gefallene Frauen?

Sie werden verachtet, betrogen, bedroht, aber sie geben nicht auf: Irina Gorbatschowa als Schanna (vorne sitzend) und ihre Freundinnen haben große Pläne. Bild: Mars Media Entertainment

Die Internet-Filmserie „Chicas“ über ehemalige Prostituierte, die in einer depressiven Provinzstadt ein neues Leben wagen, ist der russische Publikumsliebling des Sommers. Manche entdecken darin homoerotische Propaganda.

          2 Min.

          Der unaufhaltsam scheinende Kampf russischer Sittenwächter gegen vermeintliche Schwulenpropaganda und Schlimmeres hat endlich einen Rückschlag erlitten. Ein Hit dieses Sommers ist die Serie des Online-Senders more.tv „Chicas“ (auf Russisch: Tschiki) über vier Freundinnen, die sich in einer depressiven Provinzstadt im Süden des Landes als Prostituierte verdingen, dann aber aussteigen, um als Fitnessstudiobetreiberinnen ihr Glück zu versuchen. Die achtteilige Folge, die schon mehr als zehn Millionen Mal angeschaut wurde und von der Kritik für ihre Lebenswahrheit gepriesen wird, rief aber sogleich auch eine Aktivistin für Familienwerte auf den Plan, die die staatlichen Ordnungshüter aufrief, den Sender der „Chicas“ zur Verantwortung zu ziehen.

          Kerstin Holm

          Redakteurin im Feuilleton.

          In der von der National Media Group produzierten Serie versetzt der Regisseur Eduard Oganesjan, der auch das Drehbuch verfasst hat, den Zuschauer in ein Städtchen seiner Heimatregion Kabardino-Balkarien, umgeben von endlosen Sonnenblumenfeldern und mit dem Großen Kaukasus in Sichtweite, wo durchbrausende Lastwagenfahrer eine Haupteinnahmequelle darstellen. An der staubigen Raststätte, die ein mafioser Zuhälter leitet, verdienen die Chicas – das spanische Wort für Mädchen meint im Russischen eine lebenslustige junge Frau – ein paar Rubel, werden aber auch übers Ohr gehauen. Eine von ihnen, Schanna, ist vor ein paar Jahren nach Moskau gegangen, wo ihr eine kleine Karriere glückte, und kommt nun zurück, um mit den anderen eine Existenzgründung zu wagen.

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