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Serien : Das ist die Liebe der Assassinen

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Während einer Rettungsaktion an Bord eines scheinbar verlassenen Raumfrachters entdecken die Crewmitglieder eine tödliche Ladung. Bild: Endemol

Die Sci-Fi-Serie „Dark Matter“ macht aus der Not eine Tugend: Statt mit bombastischen Weltraum-Effekten zu punkten, setzt sie auf abgründige Figuren und Rätselhaftigkeit.

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          Sechs Menschen erwachen in einem Raumschiff auf dem Flug ins Unbekannte, einer nach dem anderen. Namenlose ohne Erinnerungen, aber ihre Amnesie ist nur partiell. Sie erinnern sich nicht an Herkunft und Geschichte. Doch sind jedem eine gewisse Persönlichkeit und spezielle Fähigkeiten zu eigen. Zu Beginn der kanadischen Science-Fiction-Serie „Dark Matter“ sind Letztere noch im intergalaktischen Reisemodus-Tiefschlaf, später kommen sie mehr und mehr ins mysteriöse Spiel.

          Zunächst geht es um Primärorientierung. Wer ist Freund oder Feind? Wie kann ich das wissen? Der oder ich. Fühlen ist untauglich, auf der Hut sein geboten. Welche Waffen beherrsche ich? Kann ich ein Schiff lenken? Wer ich bin, ist gleichgültig. Zumal, als ein Android mit übermenschlichen Kräften (Zoie Palmer) die Erwachten angreift. Der Android wird sich nach dem Neustart als hilfreiche biochemische Struktur erweisen, der wie ein Nervensystem mit dem Hauptcomputer der „Raza“ verbunden ist. Es ist ein labyrinthisches Schiff voller Rätsel, das Waffen geladen hat, ein verschlossenes Tor besitzt und dessen Autopilot auf einen Planeten zielt, auf dem wertvolle Bodenschätze abgebaut werden. Dessen Bewohner erwarten eine Invasion eidechsenartiger Angreifer. Es sollen Söldner eines Multikonzerns sein, der die um Unabhängigkeit ringenden Minenarbeiter auslöschen will. Ist die Crew des Schiffes zu ihrer Verteidigung entsandt?

          Derweil gelingt es dem Androiden, einige gelöschte Informationen wiederherzustellen: Eins (Marc Bendavid), Zwei (Melissa O’Neill), Drei (Anthony Lemke), Vier (Ryo Tetsuda) und Sechs (Griffin Jones) sind demnach gesuchte Schwerverbrecher der übelsten Art. Hinterlistige Attentäter, Diebe, Betrüger, Saboteure und Mörder. Lediglich über Fünf (Jodelle Ferland), „das Kind“, eine Jugendliche mit absonderlichen Träumen und unstillbarem Spieltrieb, weiß der Computer nichts.

          Vernichtung als Job

          Die anderen fünf sind nicht als Beschützer angeheuert, ihr Job ist Vernichtung. Sie sind Auftragsmörder, die Bösen. Oder stimmt das auch nicht? Für die Auflösung jedes Rätsels bietet die Serie, die in Kanada seit 2015 beim Sender „Space“ und in Amerika auf Syfy läuft und es inzwischen auf drei Staffeln bringt, ein halbes Dutzend neue. Kann man dem Datentransfer trauen, oder wurden die Informationen genauso manipuliert wie ihre Erinnerungen und zu welchem Ende? „Sind“ die Söldner überhaupt „da“? In einer späteren Folge sitzt Sechs in einer Raumstation im Wartezimmer eines Arztes, um eine üble Wunde behandeln zu lassen, während Zwei in Gegenwart von Fünf in einem Spielcasino Mafiatypen massakriert. Auf dem Bildschirm läuft Werbung für den Apparat „Transfer Transit“, der Personen scannt und „Tempklone“ herstellt, die als Stellvertreter durchs Weltall reisen.

          „Dark Matter“, das jetzt bei Tele 5 anläuft, erfindet das Genre nicht neu, eher im Gegenteil. Es borgt Motive und ganze Handlungsstränge bei Serien wie „Firefly“, dem legendären, aber leider kurzlebigen Weltraumwestern aus der Feder von Joss Whedon, der vom Sender Fox zum Bedauern der Fans noch vor Ende der Ausstrahlung der kompletten ersten Staffel abgesetzt wurde. Hier wie dort übernehmen denkwürdig zusammengewürfelte Söldnercrews aus Verlierern und Gestrandeten Aufträge am Rande der Legalität und Verbrechensmissionen im Universum. Was in „Firefly“ die Saloons am Rande der Galaxie, sind hier beispielsweise die heruntergekommenen Gebäude und Brachen der Minenarbeiter, die an ein Detroit nach dem Niedergang der Automobilindustrie erinnern. Auch in „Stargate“ brach die Crew zu immer neuen, geheimen Missionen im Dienste ihrer Regierung auf.

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          Die Ähnlichkeiten kommen nicht von ungefähr. Joseph Mallozzi und Paul Mullie, die „Dark Matter“ aus einer vierbändigen Graphic Novel von Dark Horse Comics übersetzt haben, sind „Stargate“-Veteranen. Ausstattungsdesign und Produktion von „Dark Matter“ muten gegenüber den anderen Serien allerdings bescheiden an. Mit vergleichsweise geringem Budget entstanden, mausert sich das Science-Fiction-Drama gleichwohl von Folge zu Folge und von Staffel zu Staffel. Statt nur auf galaktische Schauwerte zu setzen, macht die Serie nach statischem Anfang aus der Not eine Tugend und verleiht den zentralen Figuren Tiefe und gibt ihnen verschiedenste existentielle Konflikte auf.

          Überraschende Drehungen und Wendungen der Charaktere, moralische Ambivalenzen und philosophisch angehauchte Fragen nach dem Ererbten oder Erworbenen des Bösen, nach der Letztbegründung von Argwohn und Vertrauen, machen die Spekulationen, zu denen „Dark Matter“ durchweg einlädt, zum hinreichend subtilen Vergnügen. Episode sechs etwa widmet sich, genreunüblich, vollständig den Hintergrundgeschichten der meisten Figuren. Kämpfe mit Schwertern und Schusswaffen bleiben selbstredend obligatorisch. Lustig wird es auch gelegentlich, zu Beginn von Staffel zwei spielt Franka Potente eine Weltraumkommissarin. Für Sci-Fi-Fans ist „Dark Matter“ definitiv eine Zierde des Sommerprogramms.

          Dark Matter, donnerstags um 22 Uhr auf Tele 5.

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