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Serie „Auckland Detectives“ : Schöner fahnden

  • -Aktualisiert am

Traut sich selbst nicht: Ermittlerin Jessica Savage Bild: ZDF und Richard Brimer

Im ZDF ermitteln die „Auckland Detectives“: Polizistin Jess Savage muss einen traumatischen Unfall und den Verlust ihres Ehemannes verarbeiten. Doch zur Ruhe kommt sie nicht, als auf Waikehe Island ein Fall den nächsten jagt.

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          Als Detective Senior Sergeant Jess Savage (Kate Elliott) aus dem Koma erwacht, erlaubt ihr das Gedächtnis gnädiges Vergessen. Alles beherrschend sind dagegen die Schmerzen, die sie mit immer höheren Dosen bekämpft, die bald zur Morphium-Abhängigkeit führen. Nun kann die Polizistin ihrem Kopfkino der Erinnerung noch weniger trauen. Drogenhalluzinationsbilder oder Albtraumlogik, ihr Urteil hat den Boden verloren. Bei jedem neuen Fall, jeder einzelnen Fährfahrt von Auckland zum Revier der nebelverhangenen Insel Waikehe wird beim Blick ins nasse Grab der unwirklich schönen Bucht ihr Vorstellungsvermögen getriggert. Sie sieht das Fahrzeug, das die Fahrbahnabsperrung der Küstenstraße durchbricht und ungebremst im Wasser versinkt. Sich selbst auf dem Beifahrersitz, ihren Ehemann Alex (Bede Skinner), der sich nicht mehr aus dem Gurt befreien kann. Schwarzblende.

          Grautöne. Wasser und üppige neuseeländische Vegetation in anthrazitdüsterem Schleier. Immerzu regnet es auf Waikehe, vor allem nachts. Alles durchdringende Nässe lässt die Mangroven gedeihen und die Menschen, die sich an den schönsten Plätzen über der See ihre Häuser mit Aussicht gebaut haben, wie Geduldete wirken. Die Maori, die in der vorerst abschließenden dritten Folge der Serie „Auckland Detectives – Tödliche Bucht“ den Aufstand gegen die „europäische“ Polizei und den überlieferten Rassismus proben, können ein altes Lied davon singen. Die Detectives aus Auckland, Jess Savage und der forsche DS Justin Harding (Ido Drent), vor allem aber die lokalen Kollegen und Savages ehemaliger Mentor Doug Bennington (Jeffrey Thomas) besetzen den Part der Ignoranten, die zwar die Macht und das Geld haben, vom Mythos aber keine Ahnung.

          Nur Jess Savage, deren Abwehrlogik durch den Unfall oder andere Umstände geschwächt ist, bekommt in der vorläufig letzten Folge Zugang zur Tradition und damit einen Hinweis auf den Zusammenhang aller drei Fälle. Ihre Vorstellungen von Wahrheit, Stärke und Moral gehen in Schlammfluten den Bach herunter, aber immerhin das Methadon-Programm scheint erfolgreich, und Savages achtzehnjährige Tochter Ruby (Timmie Cameron) spricht wieder mit ihr. Dunkel wird es in der nächsten Staffel weitergehen, denn diese endet mit einem Cliffhanger, der sich im trüben Wasser, welches das Eiland vom Rest abschottet, gewaschen hat.

          Ein exotischer Dreiteiler, dem die Tiefe fehlt

          Drei einzelne Ermittlungen, ein Netz: Während im ersten Neunzigminüter – im Original der neuseeländisch-deutschen Koproduktion sind es sechs Dreiviertelstunden – ein Junge lebend auftaucht, der vor fünf Jahren bei einem Schulausflug zu den botanischen und geologischen Besonderheiten der Insel verschwand und wegen Ermittlungspannen schnell für tot erklärt wurde, handelt der zweite Fall von einer jungen Rucksack-Touristin, die nach einer ausgelassenen Party am Strand verlorengeht.

          Im dritten wird Jess Savage, deren Gedächtnis mehr und mehr Puzzleteile zusammenfügt, nachts zum Haus ihres alten Freundes Doug gerufen. In Notwehr habe er Hoani Casey (Kenneth Pure), einen Maori, erschossen, als dieser ein Gewehr stehlen wollte. Vor dem Tor des noblen Hauses versammelt sich eine wütende Menge. Zum Spannungsfinale hin hat sich ihr Protest in Luft aufgelöst. Dass „Auckland Detectives“ mehr auf exotische Schauwerte, vor allem aber auf seine stets im Zentrum stehende Hauptdarstellerin Kate Elliott setzt als auf Finessen der Psychologie oder Mystery, sorgt zwar für Ansehnlichkeit, nicht aber für Tiefe der Geschichte.

          Nachdem die Prospekte des Nordens und anderer Weltgegegenden so gut wie abgegrast sind, mausert sich Neuseeland langsam zum Top-Anbieter von Kriminalserien. Die Farben sind ähnlich wie bei „Inspector Mathias – Mord in Wales“ oder „Mord auf Shetland“. Landschaftlich ähnelt „Auckland Detectives“ aber mehr der kürzlich ausgestrahlten, gleichwohl weniger stimmungsvollen Reihe „Brokenwood“, erreicht aber nicht die Klasse von Jane Campions „Top of the Lake“.

          Auckland Detectives – Tödliche Bucht läuft am heutigen Sonntag, 22. September, um 22.15 Uhr im ZDF.

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          Auckland Detectives – Tödliche Bucht läuft am Sonntag um 22.15 Uhr im ZDF.

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