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Hauseigene Serien bei Sat.1 : Stell dir vor, sie ist schwanger und er freut sich

Alle für eine oder jede gegen jede? Nadeshda Brennicke, Muriel Baumeister, Julia Hartmann und Christine Petersen (von links) sind schwer beschäftigt. Bild: SAT.1

Sat.1 zeigt zwei Serien, die nicht aus Amerika kommen: „Frauenherzen“ wird zwar mit „Sex And the City“ verglichen, ist aber eine originelle Eigenproduktion, genau wie „Josephine Klick - Allein unter Cops“.

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          Mark hat an den zehnten Hochzeitstag gedacht. Der Tisch im Edelrestaurant ist vorbestellt, der Rotwein vom Feinsten, und dann gibt es auch noch Austern satt. Und was macht Fe? Sie hat den Termin vergessen, plumpst gestresst in den Sessel, und als die Schalentiere in Reichweite kommen und ihr Gatte bekennt, er würde sie jederzeit wieder heiraten, wird ihr speiübel. Ein unwillkürlicher Abneigungswürgereflex. Fehlende Körperkontrolle? Die Frau ist schwanger, vollkommen klar. Nur sagen will sie es ihrem Mann nicht. Als sie es doch nicht mehr verheimlichen kann, freut er sich wie ein Schneekönig, sie verfällt in Depression und sieht Bilder: Auf dem Weg zur Arbeit in der Modelagentur begegnen ihr nur noch Hochschwangere, junge Väter schieben Kinderwagen durch die Gegend. Das ist so beängstigend, dass Fe auf dem Weg zum nächsten Business-Termin den Taxifahrer eher konsterniert denn ironisch fragt, ob er auch schwanger sei.

          Michael Hanfeld

          verantwortlicher Redakteur für Feuilleton Online und „Medien“.

          Klischees, einmal gegen den Strich gebürstet, von links auf rechts gewendet und locker beiseitegestellt, darauf versteht sich die Serie „Frauenherzen“, die Sat1 nach einem erfolgreich gelaufenen Pilotfilm in Auftrag gegeben hat, der wahlweise als deutsche Version von „Sex and the City“ oder „Desperate Housewives“ annonciert worden ist. Das mag als Verweis auf das eingeübte Strickmuster oder als Marketingzuschreibung passend sein, doch sind die vier Protagonistinnen, von denen die Serie in zunächst sechs Folgen handelt, zwar eine Blaupause, bei weitem aber nicht so überkandidelt und verkünstelt wie ihre amerikanischen Pendants.

          Besagte Fe (Nadeshda Brennicke) hat eine tolle Karriere, einen sehr passablen Mann (Tobias Oertel) und will eigentlich kein Kind. Britta (Muriel Baumeister) hat zwei Kinder, keinen Mann und keinen Job. Frieda (Julia Hartmann), hat ein Café, One-Night-Stands und ihre Mutter an der Backe, die eine dramatische Diagnose erhalten hat. Mandy (Christine Petersen) muss gewärtigen, dass ihr Friseursalon an eine Billigkette verscherbelt worden ist und sie mit dem Falschen (Florian Panzner) im Internet flirtet, der dann vielleicht doch der Richtige, auf jeden Fall aber für das Beziehungsgeschichten-Potpourri bestens geeignet ist, das „Frauenherzen“ anrichtet. Die Fäden der Geschichten, welche die vier Heldinnen zueinander führen oder auf Kollisionskurs bringen, laufen in Friedas Café in Prenzlauer Berg immer wieder zusammen. Ein echter Hotspot.

          Diana Amft hat sich als „Josephine Klick - Allein unter Cops“ in der zweiten Staffel der gleichnamigen Serie dagegen etabliert: als Dritte im Bunde der Berliner Mordkommission. Was nicht heißt, dass die Zugereiste, deren Kollegen sie schlicht „Bielefeld“ nennen, das Gericht fände, in dem ihr Kollege Fritz Munro (Matthi Faust) vom Vorwurf des Mordes freigesprochen wird. Immerhin hatte er, um Josephines Leben zu retten, einem Verdächtigen kurzerhand den Bauch aufgeschlitzt. Der drastische Gunsterweis steht nun allerdings eher zwischen den beiden, als dass er sie verbände. Wobei der Drehbuchautor Marc Terjung („Danni Lowinski“) verdrehte Beziehungs-, Alltags- und Kriminalgeschichten hier abermals souverän abzuspulen und mit Situationskomik zu schmücken weiß, etwa wenn das Zeugen-Ehepaar vom Mord im eigenen Vorgarten nichts mitbekommen haben will: Sie nimmt Schlaftabletten, er setzt auf Ohropax.

          Gegenwärtig sind die verhandelten Fälle in ganz unkomödiantischer Weise auch - in der ersten Folge geht es um den Tod eines jungen Flüchtlings aus dem Kosovo. So geht Sat.1 für ein paar Wochen endlich mal mit selbstgemachter Unterhaltung in Serie. Wäre schön, handelte es sich nicht nur um Saisonware.

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