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Neue Serie mit Russell Crowe : Wir sagen ihnen, was sie fühlen sollen

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Kein Mann der leisen Töne: Russell Crowe in der Rolle des Fox-News-Gründers Roger Ailes. Bild: Jim Fiscus/SHOWTIME

In „The Loudest Voice“ spielt Russell Crowe den Fox-News-Gründer Roger Ailes. Er setzte den Trend, dass es im Journalismus nicht um Fakten, sondern um Gefühle geht. Die Folgen sind bekannt.

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          Als Roger Ailes in einer frühen Szene des Dokudramas „The Loudest Voice“ sagt, das Fernsehen sei „die gewaltigste Macht der Welt“, ist der Rahmen gesetzt: Die Miniserie über den Gründer des Senders Fox News ist ein Anachronismus, und leider vermag sie sich davon nicht zu lösen.

          Die Geschichte des Roger Ailes lässt sich als Tragödie lesen – als Story eines Mannes, der als schwerkranker Bluter der Welt stets mit zusammengebissenen Zähnen ins Auge blickte; der eher zufällig in die Politik und ins Fernsehgeschäft stolpert und diese beiden zu einer unheiligen Allianz führt; der auf dem Höhepunkt seiner Karriere ausgerechnet in jenen seine Nemesis findet, die er systematisch geringschätzte: Frauen wie Gretchen Carlson, die Ailes mit einer Klage wegen sexueller Übergriffe vom Thron stieß.

          Seine Karriere ist aber auch ein Stück Mediengeschichte. Roger Ailes stellte Weichen mit seiner Devise, Nachrichtenfernsehen sei vor allem als emotionales Drama interessant. Letztlich sollte ein Immobilienmogul und Realityshow-Produzent die von Ailes betriebene Verwandlung der politischen Bühne zur Zirkusarena aus dem Fernsehen in die Realität heben – Donald Trump.

          Nachrichtenfernsehen als inszeniertes Spektakel

          Beides verbindet „The Loudest Voice“ zu einem Siebenteiler, der mit Original-Fernsehausschnitten durchsetzt und halb Porträt, halb Mediendrama ist. Pflichtschuldig erzählt die Serie nach Gabriel Shermans „The Loudest Voice in the Room“, wie Ailes mit Blick auf die Nische – jene später vielzitierten „wütenden weißen Männer“ – einen Sender aufbaut, der bald mehr Zuschauer anzieht als CNN und MSNBC zusammen. Ailes fasst Nachrichtenfernsehen als inszeniertes Spektakel auf. Wer am lautesten schreit, dominiert die Debatte, so Ailes’ Motto: „Wir müssen die Nachrichten machen, nicht bloß berichten.“

          Knackige Sprüche gibt es hier im Dutzend billiger: „Wir sagen den Leuten nicht, was sie zu denken haben. Wir sagen ihnen, was sie fühlen sollen“ oder: „Wenn wir ihnen die Welt so geben, wie sie sie sich vorstellen, werden sie nie wieder umschalten.“ Oder auch: „Gemeinsam können wir Amerika wieder groß machen!“ Und nicht zuletzt: „Ich mag Frauen, die Bein zeigen.“ Mit seinen blonden Fox-News-Moderatorinnen in enganliegenden Kleidern schuf Ailes eine eigene journalistische Rolle.

          Ailes erscheint als jemand, der geschickt Konflikt schürt und gewieft Themen setzt, als Königsmacher und Kriegstreiber. Zwar kann er die Wahl Barack Obamas nicht verhindern, aber er kann sie in Quote ummünzen – mit der Diffamierung des Präsidenten als Kapitalismusfeind, als muslimisch geprägter Unterwanderer Amerikas, als Rassist sogar. Die Strategie von Ailes geht auf: Der empörte Alarmismus von Fox News tönt so laut durch die amerikanische Medienlandschaft, dass sich andere Medien gezwungen sehen, zu berichten.

          Russell Crowe spielt Ailes unter vielen Schichten von Latex und Make-up als onkeligen Typ, hinter dessen freundlicher Fassade es brodelt. Sein Selbst- und Sendungsbewusstsein verwandelt sich in Paranoia und Größenwahn. Bald kann der einstige Visionär, verbunkert in eine von Überwachungskameras dominierte Welt, die Zeichen der Zeit nicht länger erkennen. „Sie ist keine Gefahr“, sagt Ailes, als die von ihm geschasste Moderatorin Gretchen Carlson (Naomi Watts) ihre Stimme gegen ihn erhebt und damit die Initialzündung zu der späteren MeToo-Bewegung gibt.

          Simon McBurney verkörpert Rupert Murdoch als nüchternen Unternehmer im Hintergrund, der Ailes weniger im Hinblick auf dessen ideologische Ausrichtung als auf die Profitabilität seines Senders die geforderte freie Hand gibt. Sienna Miller ist als kämpferisch-loyale Beth Ailes zu sehen, die sich von ihrem Mann aus dem Journalismus ins Hausfrauendasein drängen lässt, ein wandelndes Stockholm-Syndrom. Es ist eine Strategie, die sich viele Frauen in Ailes Umfeld zu eigen machten, um nicht unter die Räder zu kommen. Einige, wie seine Sekretärin Judy Laterza (Aleksa Palladino), hielten so an ihrer Karriere fest. Andere, darunter Ailes langjährige Assistentin Laurie Luhn (Annabelle Wallis), zerbrachen fast daran.

          „The Loudest Voice“ vermag auch dank Russell Crowes Spiel zu fesseln. Und doch wirkt die Miniserie heute, da auf Twitter, Facebook und Instagram Themen gesetzt und Menschen in dauernder Erregung gehalten werden, seltsam antiquiert. Man fragt sich, was die Serienmacher über die Charakterisierung der Hauptfigur hinaus zu sagen haben. Es fehlt die Einordnung, wie sie andere Serien zustande gebracht haben, allen voran vielleicht Ryan Murphys „American Crime Story“, die den Mordprozess gegen O.J. Simpson oder die Ermordung von Gianni Versace in einen gesellschaftlichen Kontext einbetteten und das Geschehen deuteten. In „The Loudest Voice“ bleibt es bei einer detaillierten Nacherzählung des längst Bekannten.

          „Sie glauben, so viel Furcht säen zu können, dass unser großartiges Land impotent wird“, sagt Ailes in einer Szene über die islamistischen Terroristen vom 11. September 2001. Der Angriff verhalf Fox News zu einem neuen Sendungsbewusstsein. Aber Ailes übersteigerte dies und trug das Seine zur Spaltung einer Gesellschaft bei, in der die Gräben immer tiefer werden. Die wahre Hinterlassenschaft von Roger Ailes ist, dass er Amerika destabilisiert hat. „The Loudest Voice“ aber setzt ihm eher ein Denkmal.

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