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Polizei-Serie S.W.A.T. : Ballern, brüllen und über Dächer turnen

  • -Aktualisiert am

Daniel (Shemar Moore) und Deacon (Jay Harrington) sind Polizisten, wie sie Amerika nur allzu gut gebrauchen könnte. Bild: Sony Pictures Television

In der Serie „S.W.A.T.“ verfügt ein harter Polizist über Fähigkeiten, die Amerika braucht, um gegen rassistisch motivierte Gewalt anzugehen. Nur fehlen die richtigen Worte.

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          „Black lives matter“ heißt die Bewegung, die seit dem Tod des siebzehnjährigen Schülers Trayvon Martin, der 2012 vom Mitglied einer Nachbarschaftswache erschossen worden war, auf die Gewalt gegen Schwarze in den Vereinigten Staaten aufmerksam macht. Doch von da an verschlimmerte sich die Situation noch in einem erschreckenden Ausmaß: Im Sommer 2014 erstickte ein Dreiundvierzigjähriger im Würgegriff von Polizisten, erschoss ein Polizist einen Jugendlichen in Ferguson, Missouri. Die Situation kochte hoch. Im Dezember desselben Jahres wurden aus Rache für diese Taten zwei Polizisten im New Yorker Stadtteil Brooklyn umgebracht. Seither ist immer wieder von skandalösen Vorkommnissen zu lesen: von Freddie Gray etwa, der in einem Polizeitransporter schwer verletzt wurde, ins Koma fiel und schließlich verstarb, oder dem bei einer Verkehrskontrolle erschossenen Walter Scott.

          Verkörperung eines Haudrauf-Staates

          Die neue CBS-Serie „S.W.A.T.“ – eine Wiederauflage der Serie „Die knallharten Fünf“, die in den Siebzigern auf 37 Folgen und 2003 auch ins Kino kam – weicht dem heißen Thema nicht nur nicht aus: Sie steigt mit ihm ein. Als gelte es etwaige Kritiker einer Polizei-Actionserie und zumal jene, für die SWAT-Einheiten die Verkörperung eines willkürlichen Haudrauf-Staates sind, frühest möglich zu entwaffnen. Unausgesprochen steckt zudem eine Erinnerung an die Historie der sogenannten „Special Weapons and Tactics“-Einheiten darin: Denn als die ersten von ihnen eingerichtet wurden, 1967 in Los Angeles, war dies unter anderem eine Reaktion auf die Unruhen im Schwarzenviertel Watts zwei Jahre zuvor, die sich an der Festnahme eines Autofahrers entzündet hatten und solch dramatische Formen annahmen, dass die Nationalgarde eingesetzt werden musste.

          Der nächtliche Einsatz in einem Vorort von Los Angeles, zu dem die Spezialeinheit nun in den ersten Minuten der Serie gerufen wird, hat zunächst allerdings wenig mit irgendwelchen Unruhen zu tun. Zwei Streifenpolizisten stehen unter Beschuss. Sie haben eine Gruppe Waffenhändler beim Kundengespräch aufgescheucht. Nachdem die beiden Verstärkung gerufen haben, rollt das gepanzerte SWAT-Fahrzeug mit schönstem Blaulicht und den üblichen markigen Sprüchen heran. Es wird geballert, gebrüllt, gerannt und über Dächer geturnt – optisch macht das viel her. Die Regie der Pilotfolge führte „Fast and Furious“-Regisseur Justin Lin. Doch dann liegt plötzlich ein dunkelhäutiger Jugendlicher, der nichts mit den Waffenhändlern zu tun hat, schwer verletzt auf dem Asphalt – versehentlich getroffen von einer Kugel des SWAT-Teamleiters William „Buck“ Spivey (Louis Ferreira). Für den weiteren Verlauf der Serie ist dies der zentrale Moment: Spivey verliert seinen Job.

          Mit ruhigem Blut und Empathie

          Sein Nachfolger ist Daniel „Hondo“ Harrelson („Criminal Minds“-Star Shemar Moore): ein durchtrainierter, vor allem aber dunkelhäutiger und just aus besagtem Vorort stammender Mann. Die Personalie soll wohl vor allem die aufgebrachte Öffentlichkeit beruhigen. Eigentlich wäre S.W.A.T.-Kollege Deacon Kay (Jay Harrington) an der Reihe gewesen. Aber Kay nimmt es ohne Groll hin, denn dass Hondo beide Welten gut kennt – jene der Polizei und jene in den Problemvierteln –, ist der S.W.A.T.-Arbeit in diesen angespannten Zeiten nur dienlich.

          Unter dem harten Panzer präsentiert sich Hondo als ein Mann, wie ihn Amerika und erst recht die Polizeieinheiten des Landes nur allzu gut gebrauchen könnten: mit ruhigem Blut, Empathie und Sozialkompetenz. In Folge eins, in der eine Demonstration gegen Polizeigewalt von einem Zwischenfall überschattet wird und zu eskalieren droht, wird das schnell klar.

          Die Themen der von CBS auf mehr als zwanzig Folgen angelegten Serie wechseln von Episode zu Episode: in den ersten Folgen hat Hondos Team mit geflohenen Häftlingen, Drogenschmugglern, die Einwanderer in ihre Geschäfte einspannen, und mit hausgemachtem Terror zu tun. Das klingt zunächst spannend. Nur wartet man auf intelligente Dialoge leider vergebens. Und an den Thrill, den Videospiele wie „Tom Clancy’s Rainbow Six“ oder demnächst „Ready or not“ garantieren, die für das alte Actionfernsehen längst zur Konkurrenz geworden sind, reicht das auch kaum heran. Sollte das so bleiben – Sky 1, auf dem das „S.W.A.T.“-Remake heute in deutscher Übersetzung startet, gab vorab vier Folgen frei –, wird man Sitzfleisch mitbringen müssen, um herauszufinden, was aus Hondo, seinem Team und Captain Jessica Cortez (Stephanie Sigman), seiner Vorgesetzten (und heimlichen Geliebten) in spannungsreicheren Zeiten wird.

          S.W.A.T. beginnt heute um 20.15 Uhr bei Sky 1.

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