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„High Fidelity“ als Serie : Melancholie als Ausstellungsstück

  • -Aktualisiert am

Kreist um sich selbst: Nach einem gescheiterten Date drehen sich Robyns (Zoë Kravitz) Gedanken um die Top-Fünf ihrer erinnerungswürdigsten Liebeskummer-Momente. Bild: Hulu

Nick Hornby für die Generation Instagram: Auch die Serienadaption von „High Fidelity“ mit Zoë Kravitz fragt, warum Beziehungen scheitern. Doch statt zu antworten, will sie vor allem cool sein.

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          Es ist eine Idee, die eigentlich so gar nicht in diese Zeit passt und aus ebendiesem Grund dann doch ganz genau. Aus Nick Hornbys erstem Roman „High Fidelity“, der schon im Jahr 2000 von Stephen Frears für die Kinoleinwand adaptiert wurde, haben Sarah Kucserka und Veronica West eine Serie entwickelt, zunächst für Disney+, dann zog die Show zur Streaming-Plattform Hulu um. In zehn halbstündigen Folgen wird nun wieder die Geschichte von Rob ausgebreitet, frisch getrennt, maximal melancholisch und immer den Soundtrack zum eigenen Herzschmerz im Ohr. Sehr viel ist gleich geblieben, doch manches ist anders: Rob steht diesmal für Robyn. Aus dem weißen Mann ist eine schwarze, bisexuelle Frau geworden. Eine zentrale Änderung könnte man meinen, allerdings mit überraschend geringen Auswirkungen auf die grundlegende Geschichte. Wie im Film wird Rob (Zoë Kravitz) in der Eröffnungsszene verlassen, hier von ihrem Verlobten Mac (Kingsley Ben-Adir). Es klappt nicht mehr mit den beiden, die Stimmung ist dauervergiftet, und Mac flüchtet kurzerhand aus der gemeinsamen Wohnung in Brooklyn nach London.

          Ein Jahr später hat Rob die Trennung noch immer nicht überwunden. Zwar kann die alte Leier niemand mehr so recht hören, doch die Menschen in Robs Leben sind geduldig mit der Verschmähten. Wie im Original müssen vor allem ihre zwei besten Freunde und Mitarbeiter in ihrem Plattenladen Robs Launen ertragen. Aus Jack Blacks Figur ist die schwarze Cherise geworden, ein personifizierter Energieschub, gespielt von Da’Vine Joy Randolph, auch diesmal mit musikalischen Ambitionen, die Großes erhoffen lassen. Neben ihr könnte der ruhige Simon leicht verschwinden, würde er nicht mit einer solch einnehmend sensiblen Wärme von David H. Holmes gespielt. Seiner Figur gestehen die Autoren schließlich sogar eine eigene Folge zu, vielleicht die beste von allen. Als Mac plötzlich wieder in der Stadt auftaucht und dann noch mit einer festen Freundin im Schlepptau, die er schon kurz nach der Trennung kennengelernt hat, kippt Robs Melancholie in Aktionismus. Es reicht ihr; sie will herausfinden, wieso all ihre Liebschaften sich früher oder später verabschieden. Ihren fünf bedeutungsvollsten Ex-Partnern gilt es nun diese brisante Information zu entlocken, das erste Gespräch ist schnell geführt. Denn Rob und der stille Simon aus dem Plattenladen waren tatsächlich mal ein Paar, bevor seine Homosexualität der Partnerschaft ein Ende setzte. Es folgen der Schulhofschwarm, ein versnobtes Instagram-Sternchen und ein trauriger Stand-up-Comedian.

          Ihre Coolness ist unzerstörbar, ihre Schönheit mühelos.

          Der Erkenntnisgewinn durch die Interviews bleibt überschaubar, auch für solche Zuschauer, die weder Roman noch Film kennen. Deutlich mehr als die Handlung reizt an der Serie das Gefühl, das die Figuren inklusive ihres Umfelds auslösen. Lässige Menschen in Secondhandklamotten glänzen vor Backsteinwänden, staubigem Vinyl, am schummrigen Tresen oder im Kiosk an der Ecke, satt koloriert, immer irgendwie kultig. Das sind Bilder, in die man gleichzeitig hineinkriechen und sie ob ihrer frechen Künstlichkeit empört von sich weisen will, ein ewiger Konflikt des sehnsuchtsvollen Blicks zurück in eine Zeit, die es so niemals gab, oder nach vorn in eine Welt, die in Werbung und sozialen Medien als greifbar inszeniert wird. Zoë Kravitz, deren Mutter Lisa Bonet in der Filmadaption übrigens eine den Helden verführende Sängerin spielt, gibt dem Wunsch nach einer analogeren Zeit, die viele Um-die-Dreißiger heute spüren, ein Gesicht, das diese gern hätten. Ihre Coolness ist unzerstörbar, ihre Schönheit mühelos. Diese Heldin umweht nicht mal ein Hauch des schlaksigen John-Cusack-Rob, der nach eigener Aussage „nicht der Schlauste, aber auch nicht der Dümmste“ war. Robyn ist hier außerdem Besitzerin des Plattenladens, während Rob ihn nur betrieb, sie hat ein stylisches Apartment im gentrifizierten Brooklyn und pflegt ein gutes Verhältnis zu Familie und Freunden.

          Dieser Heldin abzunehmen, dass es mit der Romantik einfach nicht klappt, fällt schwer. Mitzuleiden ist fast unmöglich. Es gäbe viele spannende Geschichten, die man mit Robyn erzählen könnte. Nick Hornbys gehört nicht dazu. Eine schwarze Frau im heutigen Brooklyn, die die gleichen Konflikte durchmacht wie ein weißer Mann zur Jahrtausendwende in London? Dass das hier möglich scheint, kann man progressiv nennen, doch es bleibt ein Nachgeschmack von vertaner Chance. „High Fidelity“ ist eine schicke Reise für nostalgische Millennials und junge Retro-Fans, doch ihre gesellschaftliche Ignoranz lässt die Serie trotz schönstem Look und überzeugender Darsteller irgendwann schlicht langweilig werden. Es wird bei zehn Folgen bleiben, Hulu hat die Serie nach der ersten Staffel abgesetzt.

          High Fidelity ist von diesem Donnerstag an bei Starzplay/Amazon abrufbar.

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