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TV-Serie „Krypton“ bei SyFy : Woher kommt Superman?

Der Anfang einer verhängnisvollen Familienfehde: Cameron Cuffe als Seg-El und Georgina Campbell als Lyta-Zod im kryptonischen Retro-Look Bild: Syfy

Die Science-Fiction-Serie „Krypton“ zeigt, wo Superman aufgewachsen ist und wieso es auf seinem Heimatplaneten nicht mehr auszuhalten war. Eisige Gefühlskälte herrscht dort. Die Kostüme sehen aber heiß aus.

          Ein bisschen enttäuschend ist es doch: Auf Krypton, dem Heimatplaneten des „Man of Steel“, der fliegen kann, stark und schnell ist, der einen Hitze-, einen Röntgen- und ein Mikroskopblick hat, einen Superatem sowie ein Supergedächtnis und Hypnosefähigkeiten; auf diesem Planeten ist das Leben gar nicht so super. Niemand wärmt den kalten Kaffee mit Hitzeblicken, fliegt zum Einkaufen oder faltet beim Streit mit den Kollegen mal eben die gesamte Reihenhaussiedlung zusammen. Es herrschen Ordnung und Ignoranz und, außerhalb der Hauptstadt Kandor, Dunkelheit und Eiseskälte.

          Axel Weidemann

          Redakteur im Feuilleton.

          Der Autor und Regisseur David S. Goyer beginnt mit der Geschichte von Krypton zweihundert Jahre vor den Ereignissen von „Man of Steel“ (2003, Regie Zack Snyder), im Zuge derer der kleine Kryptonier Kal-El von seinem Vater Jor-El auf die Erde geschickt wird, kurz bevor sein Heimatplanet Krypton vergeht. Hienieden kämpft er als „Superman“ zunächst gegen General Zod, dessen Vorfahren schon in dieser Ursprungsgeschichte ihr zerstörerisches Potential zeigen.

          Als wären alle Szenen auf der USS Enterprise gedreht

          Im Universum der Superhelden aus dem Hause „DC Comics“ kennt sich Goyer aus, schließlich hat er neben „Man of Steel“ zusammen mit Christopher Nolan die Drehbücher zur „Dark-Knight-Trilogie“ um Supermans finstere Entsprechung Batman geschrieben. Auch die Serie „Krypton“ ist voller Zerfall und Sozialdarwinismus, sieht allerdings dabei stets so sauber und geleckt aus, als wären alle Szenen auf der neuen USS Enterprise gedreht worden. Staub und Schmutz scheint man bei den Kryptoniern hinter sich gelassen zu haben, Verrat und Borniertheit nicht.

          Die Handlung wird in den ersten Folgen regelrecht vorangeprügelt. Derweil fragt man sich als Zuschauer, ob auf Krypton wohl alle Supermänner und Superfrauen sind und das Mobiliar entsprechend stabil ist. Denn die Raufereien, die der oft in ihrem Mittelpunkt stehende Seg-El (Cameron Cuffe) alle fünf Minuten anzettelt, verhalten sich zu den cineastischen Prügeleien seines Enkelsohns Kal-El (alias Superman alias Clark Kent) auf der Erde wie Krav Maga zu einer Abrissbirne. Seg-El, der ranglose, muss als Kind mit ansehen, wie sein Großvater Val-El ins Eis geschickt wird, weil er mit Hilfe eines Supercomputers den Untergang des Planeten durch eine außerirdische Bedrohung voraussagt. Seg-El verliert seine Eltern und wird von einem Erdling aus der Zukunft namens Adam Strange (Shaun Sipos) in die Verantwortung genommen, um die Existenz seines Super-Enkels zu sichern. Er steigt durch Zwangsheirat in die Wissenschaftsgilde auf und erfährt in einer kryptonischen Version von Romeo und Julia einiges an Liebesleid.

          Hat einiges zu sagen: Die „Stimme von Rao“ schreitet gern in ihre vielgesichtigen Goldmaske umher.

          Diese Häufung lebensbewegender Ereignisse, die sich in den ersten Folgen ohne kameratechnische Auffälligkeiten, aber auch ohne Rücksicht auf Wahrscheinlichkeiten und Figurenkonstellationen abspult, ist das größte Problem der Serie. In Kandor auf Krypton, der Stadt, wo Mittelalter und Zukunft bildgewaltig aufeinanderprallen, wo sich die Kryptonier der „Stimme“, sprich dem Hohepriester des mittlerweile einzigen Gottes Rao, unterwerfen müssen, sind stets alle Figuren immer dort, wo sie das Drehbuch braucht. Landet Seg-El in einer dunklen Sackgasse, eilt die verbotene Freundin Lyta-Zod (Georgina Campbell) herbei oder kommt ihm seine Mutter Charys-El (Paula Malcomson) im Gleiter zur Hilfe. Bei Lyta, die sich ihren Rang in der Militärgilde der Sagatari im Dienste des Hohepriesters von Rao noch erkämpfen wird, sind es ihre Mutter Jayna-Zod (Ann Ogbomo) und Dev-Em (Aaron Pierre), ihr designierter Ehemann.

          Ist man bereit, sich an dieses texturlose Abspulen von Kämpfen, Küssen, Familienintrigen und mal mehr, mal minder smarten, mitunter das Superhelden-Universum selbstironisch aufs Korn nehmenden Dialogen zu gewöhnen, ist der Blick frei auf jene Dinge, die diese „Origin-Serie“ auszeichnen. Da wären die kunstvoll gestalteten Kostüme der Designerin Bojana Nikitovic, die einem hier dank ihrer Strahlkraft wirklich als solche bewusst werden: „Raos Stimme“ mit der vielgesichtigen Goldmaske und einem in goldenen Zeichen bestickten, weißen Gewand, Daron-Vex in seiner schwarzen Robe und der metallenen Brünne, die seinen Hals ziert – die Kostüme sprechen, bevor es die Figuren tun. Nötig ist das, weil die Schauspieler kaum Zeit haben, um Mimik und Gestik wirken zu lassen. Vieles wirkt beinahe theatral: Bevor jemand spricht, wird erst einmal von rechts nach links und wieder zurück geschritten.

          Der Planet Krypton wiederum – als eine Art Prototyp-Erde, als Möglichkeitsort einer Zukunft, in der die Technologien und Gefahren, die in unserer Realität noch in den Kinderschuhen oder den Köpfen der Futurulogen und Klimaforscher stecken, allesamt Wirklichkeit sind – ist abseits des dinglichen Filmsets, in seinen Computerbild-Panoramen, recht hübsch anzusehen.

          Nur das Menschliche, in diesem Fall Kryptonische, das fehlt. In einer Szene sollen sich Seg-El und seine ihm bestimmte Ehefrau, die kühlblonde Nyssa-Vex (Wallis Day), fortpflanzen. In der „Genesis-Kammer“, in der Kryptons Kinder in künstlichen Mutterleiben wie in mit goldener Flüssigkeit gefüllten Glühbirnen heranwachsen, gibt dafür jeder lediglich einen Tropfen Blut ab. Dann erzählt ihnen eine Computerstimme, dass das „Produkt ihrer Vereinigung“ Kor-Vex heißen, der Gesetzgebergilde beitreten und „173 Zyklen vollenden“ wird. Seg-El stört es, schon alles über ein noch nicht geführtes Leben zu wissen. Und ebendas trifft auch auf die Ursprungsgeschichten vieler Heldenleben zu, die uns die Filmindustrie meint wieder und wieder erzählen zu müssen.

          Krypton beginnt heute mit einer Doppelfolge auf Syfy bei Sky um 20.15 Uhr. Die weiteren Folgen laufen dort donnerstags um 21 Uhr.

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