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Neue TV-Serie „Westworld“ : Roboter sind doch die besseren Menschen

  • -Aktualisiert am

Die Fragen der Gegenwart

„Westworld“ wirft Fragen der Gegenwart auf. Etwa, in welchem ethischen Kontext künstliche Intelligenz zu verorten ist. Muss man den empfindungsfähigen „Westworld“-Maschinen Roboterrechte einräumen, oder sind Kreaturen den Launen ihres Programmierers unterworfen? Auf die Frage, was sie bewege, sagt einer der Roboter in der Serie bei einer technischen Überholung, er wolle seinem „Schöpfer gegenübertreten“. Dann bricht die Figur in irres Gelächter aus. Ganz klar eine Störung im System, meint der Programmierer Lowe, dessen eigenes Koordinatenraster gar nicht mehr erfasst, was sich hier anbahnt.

„Mich hat das Konzept künstlicher Intelligenz immer erschreckt“, sagt die Schauspielerin Evan Rachel Wood. „Ich war stets dagegen. Ich fand das gefährlich, und ich dachte: Wenn die künstlichen Wesen die Welt übernehmen, was wird dann aus der Kunst, aus der Liebe?“ Aber, sagt sie, Forscher hätten ihr versichert, dass solche Wesen, da sie nach menschlichem Vorbild geschaffen seien, ungeheuer fortschrittliche Kunst schaffen könnten und womöglich zu Gefühlen fähig wären, die den menschlichen Horizont überstiegen. Das hört sich an wie eine Werbebotschaft aus dem Silicon Valley. Evan Rachel Wood hofft trotzdem, „dass dies die nächste Phase unserer Evolution sein könnte und wir nicht von Terminatoren zertrampelt werden“.

Sobald die Besucher kommen, wird es für die eingeborenen Roboterfiguren gefährlich. Da nimmt man im „Westworld“-Park besser reissaus.

In der Serie spielt sie als Dolores Abernathy die dienstälteste Figur im Park und „womöglich auch die am weitesten entwickelte“, wie Evan Rachel Wood sagt. Die Frage sei, was geschieht, wenn solche künstlichen Wesen gewahr werden, dass sie nach menschlichem Vorbild geschaffen wurden, dieses Vorbild aber ablehnen.

Was kein Wunder ist, denn die Menschen in „Westworld“ benehmen sich übel. Sie zeigen, welche Folgen es zeitigt, wenn Untaten keine Konsequenzen haben. Es herrschen Exzesse und Gewalt, Erniedrigung und Zerstörungslust. „Es gibt keine Gebrauchsanweisung“, flötet eine verführerische Blondine, als sie die Gäste begrüßt. Nur so viel: Je weiter man sich ins Innere des Parks vorwage, desto „komplexer“ werde es. „Das erste Mal war ich mit meiner Frau hier“, sagt ein Gast. „Beim zweiten Mal habe ich mich direkt dem Bösen hingegeben. Das waren die zwei besten Wochen meines Lebens.“

Die Schlacht tobt im wilden Westen

Nicht zufällig konzentriert sich „Westworld“, die Serie, auf den Western-Schauplatz. Der Film bot auch einen Mittelalter-Park und ein antikes griechisches Setting auf. Im Western wird der amerikanische Gründungsmythos verhandelt: Die Schlacht zwischen den „weißen Hüten“, die in der Wildnis ihre besten Eigenschaften gefordert sehen, und den „schwarzen Hüten“, die in der Abwesenheit von Recht und Ordnung Unheil stiften.

„Westworld“ werfe nicht gerade einen optimistischen Blick auf die Menschheit, sagte Ed Harris, der den pistolenschwingenden „Man in Black“ spielt. Diese Einschätzung sei sehr zeitgemäß, auch in politischer Hinsicht. Schließlich gebe es in Amerika „dieses seltsame Thema des Mannseins, diese Macho-Kiste, mit der Donald Trump die Leute begeistert“. Hinter der Auflehnung gegen politische Korrektheit verberge sich ein erschreckender Verlust von Empathie und Toleranz. Wer will da die Maschinen für den Niedergang der Menschheit verantwortlich machen?

Jonathan Nolan, der zuletzt die Krimiserie „Person of Interest“ produzierte, in der es um einen allwissenden Computer geht, der Straftaten voraussagt, hat mit der künstlichen Intelligenz sein Thema gefunden. „Was denken die Maschinen eigentlich über uns?“ Nolan meint, wir seien der Erschaffung empfindungsfähiger künstlicher Wesen viel näher, als wir eingestehen wollen. „Vermutlich entwickelt jemand in einem anonymen Bürogebäude in Menlo Park oder in Shenzen etwas, das dem hier sehr nahekommt.“ Mit den Konsequenzen dieser Entwicklung wolle man sich derweil nicht beschäftigen. „Aber irgendwann wird aus einem praktischen Problem ein ethisches. Dann fragt man sich, wie man das Ganze zurück in die Kiste gestopft bekommt.“ „Westworld“, sagt Lisa Joy Nolan, sei „eine Abhandlung darüber, was uns eigentlich einzigartig macht, was uns von synthetischen Wesen abgrenzt“. In der Serie dürfte die Unterscheidung häufig ex negativo erfolgen.

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