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TV-Serie „Instinct“ bei TNT : Hin und wieder ein Satz heiße Ohren

  • -Aktualisiert am

„Actionszenen zu drehen ist schon cool, wenn man jenseits der fünfzig ist“, sagt der Schauspieler Alan Cumming. In der Serie „Instinct“ hat er die Gelegenheit dazu. Bild: TNT Serie

In der Serie „Instinct“ gehen ein Psychiater mit Expertise für abnorme Charaktere und eine energische Polizistin auf Verbrecherjagd. Für den Hauptdarsteller Alan Cumming ist das eine dankbare Konstellation.

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          Schließen sich ein arrogantes Genie und eine bodenständige Ermittlerin zusammen, um einen Serienmörder dingfest zu machen: Klingt nicht gerade neu und ist es auch nicht, was der amerikanische Sender CBS mit der Serie „Instinct“ unternimmt. Die Geschichte vom Schriftsteller und der Polizistin hat „Castle“ mit großem Erfolg exerziert, bei den Serien „The Mentalist“ oder „Lucifer“ und mit leichter Variation bei „Elementary“ ist es nicht anders.

          Hier ist es die burschikose New Yorker Polizistin Lizzie Needham (Bojana Novakovic), die sich an einen berühmten Experten auf dem Feld der Psychopathologie wendet: Professor Dylan Reinhart (Alan Cumming), ein extravaganter und stets gut aufgelegter Psychiater, der mit „Freaks“ einen Bestseller über Psychopathen schrieb und jetzt mit einem Folgewerk und den hohen Erwartungen, die daran geknüpft sind, ringt. Insofern bietet ihm die Bitte der Polizistin um seinen Rat willkommene Abwechslung.

          Cumming, der auch als Koproduzent der Serie auftritt und nach eigenen Worten viel Gestaltungsspielraum mit seiner Figur hat, beschreibt diesen Dylan Reinhart im Gespräch als „etwas rätselhaften Charakter: ein vergeistigter Professor, aber auch ein Dandy und zudem ein ehemaliger CIA-Spion. Als Kind war er ein musikalisches Genie, und er hat ein paar Macken.“ Besonderen Spaß bereite ihm, so Cumming, dass dieser ziemlich vielschichtige Typ, der immerhin über ein CIA-Training verfüge, hin und wieder einen Satz heiße Ohren verteilen dürfe: „Actionszenen zu drehen ist schon cool, wenn man jenseits der fünfzig ist.“

          „Instinct“ basiert auf James Pattersons Kriminalroman „Murder Games“ und dem Script von Michael Rauch, der die Geschichte fürs Fernsehen adaptierte. Von Patterson habe er freie Hand bekommen, sagt Rauch. „Er sagte mir, nimm so viel von dem Roman, wie du willst, und so wenig, wie du brauchst, und das war sehr befreiend.“ Also machte Rauch, um zeitgemäß zu erscheinen, aus einigen in der Vorlage männlichen Figuren Frauen. Der Bürgermeister von New York wird eine Bürgermeisterin und Needhams Chef ist jetzt Lieutenant Jasmine Gooden (Sharon Leal). Der Serienkiller wiederum, mit dem sich Pattersons Roman auf 350 Seiten beschäftigt, wird von der Serie in der Auftaktepisode abgehandelt. Dann macht er Platz für den Fall der Woche, den Lizzie Needham und Dylan Reinhart zu lösen haben.

          Partner, Kollegen? An den Gedanken müssen sich Professor Reinhart (Alan Cumming) und die Polizistin Lizzie Needham (Bojana Novakovic) erst noch gewöhnen.

          „Menschliches Verhalten ist kontextbezogen“, doziert Reinhart, „normal beschreibt die kollektive Übereinkunft, dass ein Verhalten durch die Umstände gerechtfertigt ist.“ Der Mann lebt nicht im Archiv, er ist die extrovertierteste Figur der Geschichte. Er ist mit Sportsakko, einem kampflustigen Funkeln im Blick und einer herablassenden Süffisanz unterwegs, die auf seiner Expertise für abnormes Verhalten fußt. Cumming investiert in seine Figur so viel Charme und hat solchen Spaß am Spiel, dass sein Professor die etwas undankbare Rolle Bojana Novakovics als knallharte, clevere und den Regeln verhaftete Polizistin mühelos überstrahlt. Das tut der Serie nicht immer gut: Bojana Novakovics Bemühen, bei Cummings beachtlichem Energiepegel mitzuhalten, wirkt hin und wieder ein bisschen zu angestrengt.

          Lizzie hält Dylan selbst für einen latenten Psychopathen, respektiert ihn aber – vielleicht nicht zuletzt, weil sie, wie das die Krimiformel des produzierenden Senders CBS vorsieht, womöglich ebenfalls behandlungsbedürftig ist. Sie hat eine „Partnerphobie“: Weil ihr die Jungs „zu dumm, faul oder herablassend“ waren, hat sie einen nach dem anderen in die Wüste geschickt. Als mit Charlie endlich der Richtige auftauchte und sie sich sogar verliebte, fing er sich im Einsatz eine Kugel ein, und Lizzie trägt auch ein Jahr später noch schwer an diesem Verlust. Reinhart, selbst glücklich mit dem vormaligen Anwalt und Barbesitzer Andy (Daniel Ings) verheiratet, drängt sie, am gesellschaftlichen Leben wieder teilzunehmen, und wird bald zu ihrem ungefragten Berater in Herzensdingen. Dass seine Figur schwul ist, sei das Viert- oder Fünftinteressanteste an ihr, sagt Cumming. Es sei erfreulich, dass es mit Dr. Dylan Reinhart eine offen schwule Hauptfigur im Network-Fernsehen gebe, doch habe das gerade noch auf dem konservativsten der amerikanischen Großsender Nachrichtenwert.

          Leider pendelt sich, wie sich bald nach der Auftaktfolge herausstellt, „Instinct“ in der routinierten Variation weitgehend bewährter Krimi-Schnittmuster ein. Es ist noch mehr vom Gleichen und etwas enttäuschend, dass Talent und Charme des Hauptdarstellers nach Schema F vergeudet werden. Die Einschaltquoten waren in den Vereinigten Staaten mittelprächtig, was den Sender aber nicht davon abgehalten hat, vor ein paar Tagen die zweite Staffel der Serie in Auftrag zu geben.

          Instinct läuft heute um 20.15 Uhr bei TNT Serie.

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