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Serie „Marvel’s Runaways“ : Sie müssen etwas gegen ihre Eltern tun

  • -Aktualisiert am

In „The Runaways“ tut sich eine frühere Clique wieder zusammen, um ein dunkles Geheimnis ihrer Eltern aufzudecken. Bild: Hulu

Dass Jugendliche sich mit der Generation der Älteren messen, ist normal. In „Marvel’s Runaways“ haben sie aber besondere Gründe: Ihre Mütter und Väter sind böse und gefährlich.

          Die meisten Jugendlichen ahnen ja, dass ihre Eltern nicht so perfekt sind, wie sie vielleicht manchmal gerne tun. Aber müssen sie gleich mit bösen Mächten im Bunde stehen? Für sechs Teenager in Los Angeles erweist sich dies in „The Runaways“ als erschreckende Wahrheit. Sie entdecken, dass die Villa der Eltern von Alex Wilder (Rhenzy Feliz) eine Geheimkammer birgt. Diese ist die Kultstätte des Geheimbundes „The Pride“, der offenbar überaus unheimliche Dinge in die Wege leitet.

          „The Runaways“ ist eine weitere Serie aus der Marvel-Bibliothek, die unterhaltsam alltägliche Frustrationen und Ängste in ein phantastisches Universum überträgt. Wie bei solchen Geschichten üblich, müssen die Figuren erst einmal ihre Superkräfte entdecken und beherrschen, während sich ein epischer Kampf zwischen Gut und Böse entwickelt. Und wie stets bei Marvel ist es gar nicht so leicht, den Überblick über eine umfangreiche Besetzung zu behalten.

          Jugendserie mit Tempo

          Im Mittelpunkt der Geschichte stehen sechs Teenager, deren einst enge Clique nach dem Tod ihrer Freundin Amy zerbrach. Nico Minoru (Lyrica Okanu), die Schwester von Amy, ein in Schwarz gekleidetes Goth-Girl, hat es Alex Wilder (Rhenzy Feliz), einem superschlauen Nerd, nie verziehen, dass er nicht zu Amys Beerdigung erschien. Karolina Dean (Virginia Gardner) ist eine brave Blondine, deren Mutter Leslie (Annie Wersching) der „Church of Gibborim“, einem religiösen Kult vom Schlage Scientology, vorsteht. Eine Art Gegenentwurf zu Karolina ist Gert Yorkes (Ariela Barer), eine selbstbewusste Aktivistin. Sie hat eine jüngere Stiefschwester namens Molly (Allegra Acosta) und ist heimlich in Chase Stein (Gregg Sulkin), den Vorzeige-Athleten der Schule, verliebt. Chase leidet unter seinem Vater Victor (James Marsters), einem genialen Ingenieur und Mitglied der Geheimorganisation, der auch die Eltern der anderen fünf angehören, wie die Jugendlichen entsetzt feststellen. Diese Entdeckung bringt sie wieder zusammen, und gemeinsam ziehen sie aus, um die Welt zu retten.

          Die Drehbuchautoren Stephanie Savage und Josh Schwartz haben schon mit „The O.C.“ und „Gossip Girl“ ansehnliche Jugendserien gestaltet. Mit ihren „Runaways“ fassen sie Sorgen und Nöte von Jugendlichen abermals in temporeiche Fernsehunterhaltung. Neben schillernder Technik, wie sie sich in einer lichtdurchfluteten Maschine materialisiert, die Victor Stein zu seinen besten Erfindungen zählt, gibt es einigen Hokuspokus: einen mysteriösen Stab, der eine unsichtbare Barriere erschafft, leuchtende Hände und einen Erzählstrang, der an „Jurassic Park“ erinnert.

          Manche der Figuren, etwa Nicos „Tiger-Mom“ Tina Minoru (Brittany Ishibashi) oder Chases Vater Victor, sind zumindest anfangs recht grob gerastert. Umso mehr Gewicht legen die Autoren auf die Identitätskrise der jungen Leute. Sie fragen sich: Wer bin ich, woher komme ich, wo will ich hin? Und dann auch noch die Sache mit den Eltern. Erwartungsgemäß stellt sich heraus, dass hinter dem, was die Figuren vordergründig ausmacht, mehr steckt. Und die schicken, lichtdurchfluteten Vorstadtvillen der Eltern bergen in der Tat düstere Geheimnisse. „Als Teenager scheint ja oft alles um Leben und Tod zu gehen“, sagte Josh Schwartz in einem Interview, „und so stellt sich das auch hier dar.“ So stellt sich das hier in ganz besonderem Maß dar, dürfen wir hinzufügen.

          Großer Erfolg in Amerika

          Die Serie hat auch ihre realistische Momente, etwa in der Trauer um Amy, die die Clique stärker belastet, als das ihren Mitgliedern lieb ist – aus der sie aber schließlich auch Kraft für ihren Kampf gegen das Dunkle schöpfen. Wer möchte, kann „Marvel’s Runaways“ als Anspielung darauf lesen, dass die jüngere Generation für die Sünden der Eltern geradestehen muss. Das gewinnt in den Vereinigten Staaten mit Blick auf das Schulmassaker von Parkland in Florida und dessen Überlebende der Marjorie Stoneman Douglas High School, die nun als wütende politische Aktivisten die amerikanische Waffenlobby und die Untätigkeit der Elterngeneration kritisieren, an Brisanz.

          Anders als in der Comicbuchvorlage von Brian K. Vaughan und Adrian Alphon, die 2003 erschien, bleiben die „Runaways“ in der Fernsehserie einige Folgen lang daheim, bevor sie sich entschließen, auf eigene Faust gegen das Böse zu kämpfen, das ihre Eltern repräsentieren. Das hemmt die Geschichte aber nicht. Tempo der Inszenierung und klare Figurenzeichnung sorgen für beste Unterhaltung. Beim Publikum des Streamingdienstes Hulu kamen die ersten dreizehn Folgen des Teenager-Superhelden-Dramas so gut an, dass die zweite Staffel schnell beauftragt wurde. Sie ist schon in Arbeit.

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