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TV-Serie „Whiskey Cavalier“ : Agenten auf Durchreise

Sind in Eile: Scott Foley, Lauren Cohan und Tyler James Williams (von links) spielen das Agententrio. Bild: Sat.1/ABC

Bei Sat.1 beginnt die Krimiserie „Whiskey Cavalier“. Sie ist gut gemacht, hat ein Staraufgebot, bietet Action und Komödie. In Amerika wurde sie aber gleich wieder eingestellt. Ist sie vielleicht zu europäisch?

          Das fängt so gut an, und könnte doch schlechter nicht laufen. Der FBI-Agent Will Chase (Scott Foley) sitzt in seinem Hotelzimmer in Paris, hört Schmalzmusik und ist zu Tode betrübt. Seine Verlobte Gigi (Valerie Huber) hat ihm gerade erst den Laufpass gegeben, und die Trennung setzt ihm zu. Allerdings nicht so sehr, dass er nicht wenig später in der Lage wäre, die Welt zu retten. Den Kriminellen, der eine Ampulle mit Ebola-Viren gestohlen hat, bringt er nach einer mit allen Regeln der Actionkunst inszenierten Verfolgungsjagd zur Strecke. Zwar wird er dabei von einer vermeintlich tödlichen Kugel getroffen, einen Stich aber versetzt ihm die Szene, der er gewahr wird, als er sich wieder aufrappelt: Direkt vor seinen Augen macht ein junger Mann seiner Angebeteten einen Antrag und fällt auf die Knie. Erst da ist Chase – Agentenname „Whiskey Cavalier“ – wieder zum Heulen zumute.

          Michael Hanfeld

          verantwortlicher Redakteur für Feuilleton Online und „Medien“.

          Das ist der Auftakt der gleichnamigen Serie, die vor einem Jahr in den Vereinigten Staaten anlief und heute bei Sat.1 startet. Und pünktlich zum Ausstrahlungsbeginn hierzulande wird bekannt, dass der produzierende Sender ABC „Whiskey Cavalier“ nach nur einer Staffel beendet. Was den Hauptdarsteller Scott Foley, wie man auf seiner Instagram-Botschaft sehen kann, im echten Leben so angefasst hat wie den von ihm gespielten FBI-Agenten Chase die Kapriolen zu Beginn der Serie. Foleys Ehefrau Marika Dominczyk, die in „Whiskey Cavalier“ eine Gastrolle hatte, ist dabei so richtig zum Heulen zumute. Tränenüberströmt versendet sie schöne Grüße zum Muttertag.

          Für Sat.1 bedeutet dies, dass der Serienablauf am Dienstag in drei Monaten schon wieder Makulatur ist. Von der ersten und nun einzigen Staffel des „Whiskey Cavalier“ sind elf Folgen produziert worden. Und auch die Serie „Lethal Weapon“, die Sat.1 im Anschluss zeigt, wird inzwischen nicht weitergedreht. Was bei Sat.1 neu ins Programm kommt, ist am Ursprungsort schon wieder Geschichte. Wobei das Produktionsstudio Warner Bros. TV, wie Fachportale berichten, „White Cavalier“ noch nicht aufgeben will und nach einem neuen Sender sucht. Der internationale Verkauf laufe nämlich gut.

          Dass die weltweite Nachfrage und der nationale Zuspruch in den Vereinigten Staaten, wo „White Cavalier“ miserable Einschaltquoten hatte, zwei paar Schuhe sind, meint man sich angesichts der Schauplätze der Auftaktfolge zusammenreimen zu können. Die stellt einen Parforceritt durch Europa dar. Von Paris geht es für den FBI-Agenten Scott Foley nach Moskau, zur Grenze nach Weißrussland, Zwischenstopp im Biergarten in Deutschland und dann erst zurück nach Übersee.

          Die Fahndung nach dem NSA-Analysten Edgar Standish (Tyler James Williams), der geheime Daten entwendet haben soll, leistet Foley allerdings nicht allein. In Moskau kommt ihm die CIA-Agentin Francesca „Frankie“ Trowbridge (Lauren Cohan) in die Quere. Sie ist um einiges unsentimentaler veranlagt als er, so wie es für das gegenwärtige Rollenverständnis von Frau und Mann im Fernsehen nicht untypisch ist: Er trägt Bedenken, sie zieht schneller.

          Vollkommen klar, dass am Ende der ersten Folge aus den beiden ein Gespann werden muss. Sie zoffen sich aufs Unterhaltsamste; für den Rest an atmosphärischer Verdichtung im neuen Team sorgen der NSA-Mann Standish, der als Whistleblower nur Gutes im Schilde führte und eine Verschwörung aufdecken wollte, Trowbridges Kollege Jai Datta (Vir Das) und die Profilerin Susan Sampson (Ana Ortiz) als psychologisch versierte Mutter der Kompanie. So hat die von David Hemingson entwickelte Serie alles, was es für leichte Agentenkrimiunterhaltung braucht, wie sie zu Sat.1 passt. Nach elf Folgen aber ist, wie es im Augenblick aussieht, schon wieder alles vorbei. Könnte kaum schlechter laufen.

          Whiskey Cavalier beginnt heute, Dienstag 14. Mai, um 20.15 Uhr bei Sat.1.

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