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Neue Fernsehserie „Intelligence“ : Man sieht nur mit dem Mikrochip gut

  • -Aktualisiert am

Die Bildschirme sind nur für die Anderen. Gabriel (James Holloway) hat alles auf einem kleinen Chip in seinem Kopf verbaut. Bild: picture alliance / landov

Hollywood spielt durch, was wir im Alltag längst erleben. Allerdings rückt die Technik dem Menschen in „Intelligence“ nicht nur auf die Pelle, sondern unter die Haut. Start einer Fernsehserie auf der Höhe der Zeit.

          Wenn es in Hollywood so weitergeht, wird es noch in diesem Jahr einen rührenden Film über das Verhältnis von Watson zu Edison geben, oder gleich eine ganze Fernsehserie. Die Frage: Können sich auch Computer lieben und streiten? Watson, der Gigant von IBM, ist längst ein Medienstar. Vor drei Jahren spielte er im Fernsehen drei Runden Jeopardy und gewann haushoch, und das nicht gegen irgendwelche Menschen, sondern gegen die beiden Champions des Spiels.

          Edison dagegen, der Zwerg von Intel, betrat erst diese Woche die Bühne. Dem Chiphersteller ist es nun tatsächlich gelungen, einen vollständigen Computer im Gehäuse einer SD-Speicherkarte zu verbauen. Trotzdem: Das, was Edison kann — die erste App wurde gleich mit vorgestellt — ist längst in unserem Alltag angekommen. Edison nimmt per W-Lan mit der Wissensdatenbank von „Wolfram Alpha“ Kontakt auf. Dieses System, das sich seit Jahren automatisiert mit dem Wissen der Welt füttert, ist längst an jedes iPhone angeschlossen. Wer „Siri“ nicht nur um Kalendereinträge bittet, sondern ihr wirkliche Frage stellt, bekommt die Antwort unbemerkt von „Wolfram Alpha“. Nur tun das vergleichsweise wenig Menschen. Und so stellt sich nicht nur den Herstellern dieser Technologien die Frage, warum die Maschinen, die unsere Lebenswelt kolonialisiert haben, so wenig akzeptiert werden.

          Bei der Größe dürfte er bereits in den Kopf passen: Der Computer Edison von Intel

          Einen Weg zur Antwort liefert nun Michael Seitzman. Der junge Drehbuchautor und Produzent, der bislang recht wenig in Erscheinung trat, schrieb eine Fernsehserie, über die monatelang nur gemunkelt werden konnte. Am Dienstagabend ist sie beim amerikanischen Sender CBS endlich gestartet. Nach einhelliger Meinung der ersten Kritiken begann sie fulminant, selbst die Zuschauer gaben ihr den Vorzug und schickten die gleichzeitig gestartete Serie „Killer Woman“ von ABC erst einmal ins Quotentief.

          „Intelligence“, so der bezeichnende Name der neuen Serie, ist nur für fünf Sekunden gewöhnlich. Josh Holloway, der in „Lost“ noch (James) Sawyer hieß und nun den nicht weniger bedeutungsträchtigen Namen Gabriel (Vaughn) trägt, irrt durch einen Wald. Er scheint verloren, aber er ist es diesmal nicht. Sein Ziel ist ein Horchposten indischer Geheimdienste, der sich nur durch eine riesige Satellitenschüssel in den Bergen zu erkennen gibt. Doch Gabriel muss keinen Schritt weiter gehen, um an das indische Geheimdienstwissen zu gelangen, er braucht nur seinen Kopf einzuschalten. Gabriel steht an einem Flussufer im Wald und plötzlich gleichzeitig inmitten der Explosion, mit der vor fünf Jahren Terroristen Teile des Taj Hotels in Mumbai zerstörten und zahlreiche Menschen töteten. Diesen Einblick ermöglicht ihm ein Chip, der direkt mit seinem Gehirn verkabelt ist.

          Das findet auch in einer Micro-SD-Karte Platz

          Das winzige Bauteil (von der Größe einer Micro-SD-Karte) stellt die Verbindung her zwischen dem Verstand Gabriels und dem „Global Information Grid“, also allem, was amerikanische Geheimdienste mittels Vollüberwachung von der Welt wissen. Seitzman erlaubte sich herbei einen ersten Scherz. Denn wer vorm Fernseher sitzend nach „Global Information Grid“ im Internet sucht, wird auf die Internetseiten der NSA geleitet, auf der alles Wissenswerte darüber nachzulesen ist. Es ist eine interessante Frage: Intel hat Edison ohne Bildschirm gebaut, weil man ihn nicht mehr braucht, wie die sprechende „Siri“ zeigt. Was wäre, wenn die direkte Verkabelung mit dem Gehirn tatsächlich gelänge? Beziehungsweise, was ist von der alten philosophischen Idee zu halten, die Hand, in der wir heute unsere Smartphones halten, als Verlängerung des Gehirns zu verstehen? Ist die Verknüpfung von Mensch und Maschine nicht längst gegeben, wenn auch technisch noch nicht so raffiniert, wie jetzt im Fernsehen?

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