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Netflix-Serie „Santa Clarita Diet“ : Nicht Fisch, nur Fleisch

Joel (Timothy Olyphant) überzeugt sich selbst: Da schlägt kein Herz mehr in ihrer Brust. Bild: Saeed Adyani / Netflix

Lieber nicht beim Abendessen gucken: In der Netflix-Serie „Santa Clarita Diet“ wird Drew Barrymore zum Zombie, und das Kunstblut sprudelt reichlich.

          Santa Clarita bei Los Angeles, so kann man in der Wikipedia lesen, ist die sicherste mittelgroße Stadt der Vereinigten Staaten. Sie besteht aus vier formlos wuchernden Kleingemeinden, die im Jahr 1987 zusammengeschlossen wurden. Übersichtliche 3,2 Prozent der Bevölkerung sind Afroamerikaner, der größte Arbeitgeber ist ein stadtnaher Spaßpark, und das Klima ist kalifornisch-mild. Hier langweilt sich das Makler-Ehepaar Sheila (Drew Barrymore) und Joel (Timothy Olyphant) in einem angemessen putzigen Häuschen mit Rasen vorne und hinten mitsamt der pubertierenden Tochter Abby (Liv Hewson) durchs Leben, lässt sich vom wirklich sehr unangenehmen Nachbarn nerven, der zu allem Überfluss auch noch Polizeikommissar und daher systemrelevant ist, und benimmt sich ansonsten so unauffällig bis freundlich wie das Wetter.

          So beginnt die Netflix-Serie „Santa Clarita Diet“. So geht sie aber nicht weiter, denn Sheila macht eine drastische Verwandlung durch, die sich durch vehementes Übergeben ankündigt. Sehr vehement, obszön vehement, das sieht man in der entsprechenden Szene auch recht deutlich. Sobald alles ausgestanden ist, bekommt Sheila Appetit auf rohes Fleisch. Sie gibt sich bald nicht mehr mit Burgerhack aus der Styroporschale zufrieden und fällt den schmierigen Kollegen Gary (Nathan Fillion) an, verzehrt ihn im Garten hinterm Haus wie die Löwin die frisch gerissene Antilope und hat spätestens jetzt ein Problem.

          Körperteilsmoothie beim Joggen

          Ziemlich bald ist Familie Hammond klar, dass sie mit einer zum Zombie mutierten Mutter leben muss, denn natürlich verstoßen sie Sheila nicht, zumal diese dank niedriger Impulskontrolle und wenig Schlafbedürfnis so lebendig scheint wie zu ihren Lebzeiten nicht. Sie geht mit den Nachbarinnen aus und joggt, Körperteilsmoothie trinkend, durch den Park. Auch das Sexualleben des Paares erhält durch Sheilas Verwandlung unerwarteterweise neuen Schwung.

          Man hätte das Ganze als beißende Vorstadtsatire inszenieren können, doch der Autor Victor Fresco greift lieber mit beiden Armen in Kunstblut und entscheidet sich für deftigen Slapstick statt finsteren Witz. Das hat man so noch nicht gesehen. Und natürlich schaut man Barrymore und Olyphant gerne dabei zu, wie sie immer unerschrockener werden und das Monströse in ihren amerikanischen Musteralltag zu integrieren versuchen. Dabei setzen sie vor allem auf praktische Lösungen, auf Lagerhaus und Tiefkühltruhe und darauf, möglichst nur Menschen zu essen, die es auch verdient haben.

          Fündig im lokalen Eso-Shop

          Das allerdings stellt sich als schwieriger heraus als gedacht, denn wenn man erst einmal mit vermeintlichen Bösewichten in Kontakt kommt, erweisen auch diese sich als durchschnittlich erträgliche Zeitgenossen. Besonders Gatte Joel bekommt schnell Skrupel, handgreiflich zu werden, woraufhin die beiden ausmachen, sich lieber auf die jeweiligen Kernkompetenzen zu konzentrieren: Sheila erledigt das Grobe, Joel recherchiert. Und stößt im örtlichen Esoterik-Shop auch zufällig auf ein paar alte serbische Darstellungen eines artverwandten Mythos, den es im Fortgang der Serie zu ergründen gilt.

          Gemeinsam durch Suburbia: Sheila (Drew Barrymore, Mitte) und ihre Nachbarinnen.

          Nein, wir denken über solche Zufälle nicht weiter nach, es ist eben Comedy, und nicht gerade die fein ziselierteste ihrer Gattung. Damit verschenkt die Serie jedoch ziemlich viele Möglichkeiten. Wie wunderschön hätte das werden können, hätte man es gewagt, ein wenig mehr mit Darstellungformen und Genrekonventionen zu spielen. Auch die Dialoge sind nicht gerade ausgefeilt. Stattdessen setzt „Santa Clarita Diet“ ganz auf Drastik und Groteske. Kann man machen, macht auch eine Zeitlang Spaß, ist aber trotzdem schade.

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