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Netflix-Film : Heimliche Rettung für die schwarzen Brüder

  • -Aktualisiert am

Unterwegs in geheimer Mission: Ari Levinson (Chris Evans, von links), Rachel Reiter (Haley Bennett), Jacob Wolf (Michiel Huisman) und Max Rose (Alex Hassell) Bild: Netflix / Marcos Cruz

„The Red Sea Diving Resort“ erzählt auf Netflix, wie der Mossad in den achtziger Jahren äthiopische Juden aus dem Sudan schmuggelt – allerdings im Hollywood’schen Schonungsmodus.

          Was für ein Stoff: Agenten des israelischen Geheimdienstes Mossad mieten am Roten Meer ein Tauchresort an, um über den Seeweg schwarze Juden aus dem äthiopischen Bürgerkrieg zu retten. Das Hotel befindet sich im muslimischen Sudan, der zu den erklärten Gegnern Israels zählt. Zum Schutz der Fassade, es handele sich um ein echtes, von Europäern betriebenes Resort, lassen die Agenten sogar Werbebroschüren drucken – und erhalten prompt (unerbetene) Gäste. Die können sie dann aber wiederum zur Tarnung nutzen, etwa für die Busse und Boote, die sie angeblich zum Transport der Touristen benötigen, mit denen sie tatsächlich jedoch äthiopische Juden aus Flüchtlingslagern holen. Vermutlich hat der Regisseur Gideon Raff recht, wenn er sagt, dass ihm niemals jemand diesen Plot abgenommen hätte, würde die Geschichte nicht in ihren Grundzügen auf historischen Fakten beruhen. Der Name der israelischen Geheimoperation war „Brothers“, Brüder.

          Raff hat sich einen Namen als kreativer Kopf hinter der israelischen Serie „Prisoners of War“ und ihres amerikanischen Ablegers „Homeland“ gemacht. Deren internationaler Erfolg erklärt, wie hochkarätig „The Red Sea Diving Resort“ besetzt ist. Als Geheimdienst-Chef ist Oscar-Preisträger Ben Kingsley zu sehen. Die männliche Hauptrolle spielt „Captain America“-Darsteller Chris Evans, Star der Avengers-Filme. Hier gibt er den Mossad-Agenten Ari Levinson. Die wenigsten Europäer wissen vermutlich von den dunkelhäutigen, aus Äthiopien stammenden Juden, über deren genaue Herkunft sich auch die Wissenschaft nicht einig ist – und die heute fast alle in Israel leben. Geheimagent Levinson erklärt seiner Tochter die Geschichte so: Vor Tausenden von Jahren sei die schönste Königin der Welt, die Herrscherin von Saba, nach Jerusalem gekommen. Dort hätten sie und König Salomon sich ineinander verliebt. Deswegen lebe jetzt ein Teil der jüdischen Familie in Afrika, sei dort in großer Gefahr, und er wolle die afrikanischen Juden retten. Ob sie das verstehe? Die Tochter nickt.

          Wenn die Männer zum Sexualobjekt werden

          Der Film macht danach nicht mehr viel aus dem Familienhintergrund des Agenten oder aus anderen, ausbaufähigen Details. So sind die ersten Gäste des Resorts deutsche Touristen. „Natürlich sind es Deutsche, es sind immer Deutsche“, stöhnt einer der Israelis, die für die echten Gäste jetzt Tauch- und Yogakurse organisieren und Zimmermädchen, Kellner und Köche anstellen müssen. Aber bei diesem bescheidenen Scherz bleibt es. Dafür gibt es andere Höhepunkte: Der Film zelebriert die Endsiebziger-, Anfangachtziger-Jahre-Ausstattung inklusive Kopf- und Gesichtsbehaarung, Kleidung, klobigen Telefonen und selbstverständlichem Alkoholkonsum im Büro hingebungsvoll. So sehr, dass es fast ein wenig überraschend kommt, als sich in einer Flugzeugszene die blonde Stewardess vom Piloten nicht betatschen lässt, sondern den Mann stattdessen gegen die Wand schleudert und ihm einen Arm auf den Rücken dreht: Der einzige Grund, warum sie ihm selbigen nicht breche, sei, dass er das Flugzeug noch landen müsse. Es handelt sich natürlich ebenfalls um eine Mossad-Agentin (gespielt von Haley Bennett).

          Wenn in diesem Film jemand zum Sexualobjekt gemacht wird, dann nicht die einzige Frau im Agenten-Team, sondern die Männer: Chris Evans etwa erhebt sich einmal unbekleidet aus dem Bett und läuft ansonsten mit weit aufgeknüpftem Hemd herum. Und Michiel Huisman ist bei seinem ersten Auftritt im Film nackt und verzichtet später auf das Oberteil. Da der niederländische Darsteller mit „Game of Thrones“ bekannt wurde, dürfte er derartigen Körpereinsatz gewohnt sein. Inhaltsunabhängige Schauwerte, zu denen auch exotische Landschafts- und Unterwasseraufnahmen gehören, sind also vorhanden. Neben den Stars, die bereits genannt wurden, spielen auch noch Michael K. Williams (alias Omar Little in „The Wire“) als Anführer der äthiopischen Juden und Greg Kinnear mit.

          Allein, hinter den großen Erwartungen, die die Namen von Regie und Besetzung wecken, bleibt der Film zurück. Er ertrinkt in Klischees: vom tapferen Helden, der sich gegen kleingeistige Vorgesetzte durchsetzt und so sehr von seiner segensreichen Arbeit besessen ist, dass sein Familienleben scheitert, bis zu jovial-korrupten sudanesischen Bürokraten und unmenschlichen schwarzafrikanischen Militärs. All das gab es und gibt es, aber man bekäme es gerne etwas vielschichtiger und weniger altbacken präsentiert.

          In der wahren Geschichte ging die Rettung der afrikanischen Brüder nicht so glimpflich ab, wie es hier erscheint. In der Realität starben Tausende – auf der Flucht, weil sie gezielt ermordet wurden, oder an Hunger in überfüllten Lagern, aus denen sie nicht rechtzeitig nach Israel gebracht werden konnten. Umso berührender sind dokumentarische Szenen im Abspann des Films, in denen gerettete äthiopische Juden aus dem Flugzeug steigen und den Boden des für sie Heiligen Landes küssen.

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