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Neue Comedy „Moni’s Grill“ : Die beste Komödie spielt in der Kneipe um die Ecke

  • -Aktualisiert am

Stößchen! Hella von Sinnen und Monika Gruber in der ersten Folge von „Moni’s Grill“. In der nächsten Episode kommt dann Sonya Kraus zum Talk. Bild: BR

Die neue Comedy im Ersten ist halb Serie, halb Talkshow und nur halb gelungen: Monika Gruber lädt in „Moni’s Grill“ Prominente zum Tratsch und Klatsch.

          Da steht sie nun, die Finanzbeamtin mit Vollstreckungstitel, in „Moni’s Grill“ und droht mit Pfändung, lässt sich aber von Moni (Monika Gruber) und deren Schwester Toni (Christine Neubauer) nach allen Regeln der bayerischen Schlagfertigkeitskunst abwimmeln. Oben im Stiegenhaus gibt es noch die Mama (Sarah Camp), die gerade da und eigentlich immer da ist, aber da heroben nicht wohnt, was zu weiterer Verwirrung führt. Um 11.000 Euro geht es, die bei der Betriebskostenprüfung durchgefallen sind. Im Restaurationsbetrieb mit angeschlossenem Frauenhaushalt surft irgendjemand unentwegt auf Sexwebsites. Was eben nicht als Werbungskosten absetzbar ist.

          Der erste Witz in der neuen ARD-Serie mit der Komödiantin Monika Gruber in der Hauptrolle besteht allerdings darin, dass die Quasselstrippen, zu denen noch Tochter Consuela (Hannah Schiller) und Adoptivsohn Hermes (Philipp Franck) gehören, Schweiger heißen.

          Hella von Sinnen wirkt staatstragend

          Als erster Promigast darf sich Hella von Sinnen mit ihnen austauschen, und sie quasselt dabei zwar auch verrückt in „Moni’s Grill“ (der falsche Apostroph ist selbstverständlich Absicht), wirkt aber im Übrigen so staatstragend und kalkuliert offenherzig, als spekuliere sie darauf, als alternative Bundespräsidenten-Kandidatin gecastet zu werden.

          Innovation im deutschen Fernsehen – das gilt gemeinhin als Widerspruch in sich. Besonders für das Witzige wird den hiesigen Fernsehleuten eher wenig Talent attestiert. Dabei gab und gibt es durchaus Sehenswertes in der dialogisch getriebenen Unterhaltungskunst. „Eichwald, MdB“ etwa, eine gelungene Politsatire um den Bundestagsabgeordneten Hajo Eichwald (Bernhard Schütz) mit Maren Kroymann als Fraktionsführerin. „Moni’s Grill“ nun ist eine Mixtur aus Fiktion und Interview, besser: aus den „Münchner Geschichten“, „Inas Nacht“ und dem Pro-Sieben-Promitalk. Der Autor und Regisseur Franz Xaver Bogner lässt zu Beginn jeder Folge einen anderen der üblichen Verdächtigen – darunter den Hackl Schorsch, Wigald Boning, sowie Elmar und Fritz Wepper – in München aus der U-Bahn steigen und schnurstracks auf Monis Lokal zusteuern.

          Keine Zeit, dafür Fiktion

          Für Hella von Sinnen gibt es Kölsch aus der Flasche. Toleranz ist das Thema des Gesprächs zwischen Hella von Sinnen und Monika Gruber, in dem gleichgeschlechtliche Liebe, der weibliche Zyklus, Pegida, angezündete Flüchtlingsheime, Pornos und eher fragwürdige Einblicke in die Sehgewohnheiten des verstorbenen Dirk Bach jeweils in Halbsätzen abgehandelt werden.

          Das ist mehr leidlich als lustig, aber viel Zeit bleibt ohnehin nicht in den halbstündigen Episoden, deren fiktionaler Teil bei weitem der gelungenere ist. Tonis Adoptivsohn Hermes hat eine „Sonderbegabung“, was sich eher aufs Schulschwänzen als auf die Lateinprüfungen bezieht. Consuela will die Mama überreden, Burger auf die Speisekarte zu setzen. Die obsessive Internetnutzerin findet sich an überraschender Stelle. Bogners Dialoge sind hier lokalcharakteristisch auf den Punkt geschrieben und so amüsant wie entlarvend. Der Interviewpart im Nebenzimmer des Lokals wirkt dadurch umso sperriger. In der zweiten Folge talkt Sonya Kraus mit Gruber über Organspende.

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