https://www.faz.net/-gsb-98dy2

„The Defiant Ones“ bei Netflix : Vom Tellerdreher zum Millionär

Rap trifft Regie: Dr. Dre (rechts) mit dem Regisseur Allen Hughes. Bild: Netflix

Melodien für Millionen: In der vierteiligen Miniserie „The Defiant Ones“ meistern Dr. Dre und Jimmy Iovine Amerikas uralten Traum.

          Alle Jahre wieder sucht sich Amerika einen aus dem Kreise derer, die es geschafft haben. Seine Geschichte wird dann in zeitgemäßem Gewand so aufbereitet, dass klar wird, dass die Erzählung vom amerikanischen Traum immer noch gilt. Der Weg ist stets der gleiche: Beginne als Rebell, ende als Gewinner – egal was es kostet. Dazwischen ist Platz für allerhand Wandlungen.

          Axel Weidemann

          Redakteur im Feuilleton.

          Selten ist diese Geschichte so gewaltig, so clever und so kühl kalkuliert in Szene gesetzt worden, wie in der Dokumentarserie „The Defiant Ones“ (Die Aufsässigen), die den Aufstieg des Gangster-Rappers André Romelle Young aka. Dr. Dre, Mitgründer der Rap-Crew N.W.A., und des Produzenten Jimmy Iovine bis zu dem Punkt im Jahr 2014 zu rekonstruieren sucht, an dem ruchbar wird, dass sie ihre Audiotechnik-Firma „Beats Electronics“ für mehr als drei Milliarden Dollar an Apple verkaufen werden.

          „Billionaire boys club for real“, brüllt der Kumpel

          Die erste Folge des mit vier einstündigen Episoden als Miniserie ausgewiesenen Gewaltmarsches durch die späte Geschichte der amerikanischen Musikindustrie beginnt mit jener Mischung aus Überschwang, Überheblichkeit und Großkotzigkeit, die Hip-Hop groß gemacht hat: „Billionaire boys club for real“, brüllt Dres Kumpel, der Schauspieler und R&B-Sänger Tyrese Gibson auf einem Video, das bei einer „Siegesfeier“ im Tonstudio aufgenommen wurde. Er meint die Millionen – es sollen mehr als fünfhundert sein –, die sein Freund André mit dem Deal machen wird. „Die ,Forbes‘-Liste hat sich gerade geändert“, fügt er an. Dann kommt Dre, der sich bisher ruhig verhalten hat und tönt über die Schulter von Gibson: „Der erste Milliardär im Hip-Hop, genau hier von der verdammten Westküste. Glaubt das mal.“ Schon am nächsten Tag ist das Video von Gibsons sozialen Kanälen verschwunden. Einige Anwälte sind nervös geworden.

          In der Serie, die 2017 bereits bei HBO gelaufen ist, sieht man Dre, wie er sich hernach windet: „Der Raum war voller Aufregung. Und wenn du Aufregung mit auch nur einem Fünftel Alkohol mischt, dann kannst du sicher sein, dass etwas Furchtbares passieren wird.“ Seinem Geschäftspartner Jimmy Iovine, der meist vor der Fensterfront seines geräumigen Anwesens inszeniert wird, verschlägt es fast die Sprache, als der Interviewer darauf zu sprechen kommt. Hier ist noch in keinem Bild zu ahnen, welchen Raum der Deal, die Firma und deren fast unverhohlene Glorifizierung am Ende zum Leidwesen aller Betrachter noch bekommen werden.

          Dr. Dre aka. André Young.

          Zumindest sind damit jene zwei Figuren eingeführt, von denen sich sagen lässt: Sie haben die Geschichte der amerikanischen Popmusik entscheidend mitgestaltet. „Wir wollten sein wie die Atlantic Studios in den Siebzigern, in dieser Zeit waren dort all die ganz Großen“, sagt Iovine über seine spätere Plattenfirma „Interscope Records“. Es wird ihm gelingen: Nicht nur Dre wird dort unterzeichnen, sondern auch Künstler wie der Rapper 2Pac, die Nine Inch Nails, Lady Gaga, Lana Del Rey, Gwen Stefani, Mos Def, Jurassic 5, Eminem, The Black Eyed Peas, 50 Cent, Pharrell Williams und Marilyn Manson. Gut, auch Tokio Hotel hat einen Deal mit „Interscope“.

          Weitere Themen

          Als wir träumten

          Arte-Doku zur Mondlandung : Als wir träumten

          Ein kleiner Schritt für den Menschen, und dann? Zum fünfzigsten Jahrestag der Mondlandung legt Robert Stone bei Arte die ultimative Dokumentation dazu vor. Es wird keine bessere mehr geben.

          Topmeldungen

          Spitzenfrauen : Harmonie auf Zeit

          Nachdem die Personalien geklärt sind, geht es politisch bald ans Eingemachte: Mindestlohn, Arbeitslosenversicherung, Rüstungsexporte. Die mächtigsten Frauen Europas – Kramp-Karrenbauer, von der Leyen und Merkel – könnten sich dabei in die Quere kommen.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.