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Fernsehserie mit Marcia Clark : Hätte der Fall anders ausgehen können?

Nach dem verlorenen Jahrhundertprozess hatte sie sich zunächst zurückgezogen: Marcia Clark ermittelt wieder. Bild: A & E

Als Chefanklägerin verlor sie 1995 den Jahrhundertprozess gegen O.J. Simpson. Jetzt ermittelt Marcia Clark in einer True-Crime-Serie im Fernsehen: „First 48“.

          Marcia Clark weiß, wie man einen Fall verlieren kann. Mehr als tausend Verurteilungen habe sie in ihrer Karriere erreicht, sagt die ehemalige Staatsanwältin. „Ich will die Wahrheit herausfinden. Ich will Gerechtigkeit.“ Das klingt markig, aber auch ein wenig verzweifelt. Und mit dem ersten Fall, dem sie sich in der Fernsehreihe „The First 48 – Marcia Clark ermittelt“ widmet, verhält es sich genau so wie mit dem einen großen Jahrhundertfall, den Marcia Clark 1995 als Chefanklägerin verlor. Damals wurde der frühere Football-Star O.J. Simpson vom Vorwurf des Mordes an seiner Frau Nicole Brown und deren Freund Ronald Goldman freigesprochen. Die Beweislage war erdrückend, doch die Geschworenen hatten Zweifel. Für Marcia Clark hätte es der Gipfel ihrer Karriere sein sollen. Stattdessen markierte er das Ende ihrer beruflichen Laufbahn bei der Staatsanwaltschaft.

          Michael Hanfeld

          verantwortlicher Redakteur für Feuilleton Online und „Medien“.

          Den Prozess mit all seinen dramatischen Umständen hat vor zwei Jahren die Fernsehserie „The People vs. O.J. Simpson“ in Erinnerung gerufen und dabei nicht nur die Persönlichkeit des von Cuba Gooding jr. gespielten Angeklagten in den Mittelpunkt gerückt, sondern auch ebenjene Marcia Clark (Sarah Paulson), die in der Öffentlichkeit nicht nur nach ihren professionellen Fähigkeiten beurteilt wurde. Ihr Privatleben wurde durchleuchtet, ihre Kleidung war ein Thema, ihre Frisur, die Presse berichtete rauf und runter, Fernsehkomiker fanden in ihrem Erscheinungsbild die Vorlage für Running Gags, sogar der Vorsitzende Richter machte Bemerkungen. All das hätte eigentlich auch schon 1995 als Frauenfeindlichkeit erster Ordnung auffallen müssen. Fiel es aber nicht, es wurde eingepreist und überlagert von dem Vorwurf des Rassismus, den die Verteidiger von O.J. Simpson gegen die Strafverfolgungsbehörden aufwarfen.

          Marcia Clark zog sich zurück. Sie schrieb ein Buch über ihre Erfahrungen. Diese fließen auch ein in die Serie des grassierend populären True-Crime-Genres, die sie für den amerikanischen Sender A&E bestreitet, sie sind gewissermaßen das Markenzeichen. Mit dem ersten Fall vollzieht Marcia Clark eine Geschichte nach, die in den Vereinigten Staaten auch zehn Jahre danach noch präsent ist: Im Juni 2008 verschwand die dreijährige Caylee Marie Anthony. Ihre Großmutter meldete dies der Polizei, nicht ihre Mutter Casey. Die hatte es vier Wochen lang nicht für nötig befunden. Sie verwickelte sich in Widersprüche, die Beweise gegen sie wurden zahlreicher, als schließlich die Leiche ihrer kleinen Tochter gefunden wurde und die Indizienkette vollständig schien, war der Fall – eigentlich – klar.

          Vor Gericht aber war er es nicht, zumindest nicht in den Augen der Geschworenen, die von der Schuld der Angeklagten überzeugt waren, aber minimale Zweifel hatten. Die Verteidigung hatte diese geschickt gestreut, indem sie eine komplett andere Erzählung anbot, für die es zwar keinen Beweis gab, die aber hypothetisch nicht ganz ausgeschlossen schien. Diesen Prozess durchläuft Marcia Clark Punkt für Punkt. Ins Bild gesetzt wird das mit den üblichen Mitteln, die für Spannung sorgen sollen, dem Kern nach ist es aber trockene Detektivarbeit, bei der Marcia Clark auf ein Beweismittel aufmerksam macht, das erst Jahre nach dem Prozess ausgewertet wurde: der Suchverlauf in Casey Anthonys Computer. Ob der Fall 2018 anders ausgegangen wäre als 2008? Sie wisse es nicht, sagt Marcia Clark. Eine Frau von der Spurensicherung, die mit der ehemaligen Staatsanwältin die Ermittlung vergegenwärtigt, sagt nur: Caylee Marie Anthony hätte es verdient gehabt.

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