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„Lost in Space“ bei Netflix : Bruchlandung mit Jupiter 2

  • -Aktualisiert am

Nach einer Bruchlandung auf einem fremden Planeten muss die Robinson-Familie um ihr Leben kämpfen. Bild: Courtesy of Netflix

In einer neuen Netflix-Serie flieht eine Familie vor dem Weltuntergang und strandet auf einem fernen Planeten. Um zu überleben, muss sie sich zusammenraufen.

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          In den fünfziger und sechziger Jahren sah das Idealbild der amerikanischen Fernsehfamilie so aus: Der Vater war das fürsorgliche Familienoberhaupt, die Mutter eine liebevolle Hausfrau mit Bouffant-Frisur, zwei bis drei Kinder, eins davon durfte ein bisschen frech sein, um die Stimmung aufzulockern. So war das in „Vater ist der Beste“ (Father Knows Best, 1954 bis 1963) und „Mutter ist die Allerbeste“ (The Donna Reed Show 1958 bis 1965), oder – im Weltall. Dorthin zog 1965 die Familie Robinson aus. In der Tradition ihres literarischen Namensvetters sollte sie neue Welten entdecken und strandete an einem unbekannten Ort.

          „Lost in Space“ hieß die amerikanische Serie im Original, 27 Jahre später lief sie als „Verschollen zwischen fremden Welten“ zum ersten Mal im deutschen Fernsehen, wo sie im Spätprogramm als Trash versendet wurde. 1998 gab es eine Kino-Adaption, die trotz großer Besetzung mit William Hurt und Gary Oldman bei Publikum und Kritik durchfiel. Jetzt hat sich die Produktionsfirma Legendary Television im Auftrag von Netflix des Stoffes angenommen und schickt die Robinsons knapp dreißig Jahre in der Zukunft.

          Getrennte Eheleute im All

          Die Macher der Originalserie setzten zur Zeit des Wettlaufs ins All zwischen den Vereinigten Staaten und der Sowjetunion das Jahr 1997 als Termin eines irdischen Exodus. Die Neuauflage spielt im Jahr 2046. Was hier genau die Erde bedroht, wird erst spät enthüllt, aber klar ist, dass dort bald kein Leben mehr möglich ist. Also wird in einem rigorosen Auswahlprozess eine Elitegruppe bestimmt, die sich auf die Reise zu einem neuen Heimatplaneten für die Menschheit machen soll, die Robinsons gehören dazu. Während Mutter Maureen (Molly Parker) 1965 in erster Linie Brote zubereitete, ist sie heute Wissenschaftlerin und als alleinerziehende Mutter das Familienoberhaupt. Vater John (Toby Stephens) ist als Soldat selten zu Hause. In Rückblenden erfährt der Zuschauer, dass die Beziehung über viele Jahre harmonisch verlief, aber irgendwann war es damit vorbei. Nun fliegen getrennte Eheleute ins All, die sich am Riemen reißen, zum Wohl der Familie und der Menschheit.

          Wie im Original haben die Robinsons drei Kinder, eines stammt nun aus Maureens erster Ehe. Mit ihren nur achtzehn Jahren ist Judy (Taylor Russell) schon Ärztin. Sie ist eine Überfliegerin, was die etwas jüngere Penny (Mina Sundwall) mit sarkastischer Frotzelei kommentiert. Will (Maxwell Jenkins), der Jüngste, schaut zu den Schwestern auf und fürchtet ständig, die Familie zu enttäuschen. Dabei ist es ihm zu verdanken, dass überhaupt jemand überlebt, nachdem das Mutterschiff der Expedition kurz nach dem Start angegriffen wurde und die Robinsons in ihrem berühmten Raumschiff Jupiter 2 eine Bruchlandung auf einem unbekannten Planeten hingelegt haben.

          Luft nach oben

          In der ersten Episode der zehnteiligen Serie folgt eine Katastrophe der nächsten. Es beginnt mit dem Crash, bei dem sich Maureen schwer verletzt, Judy friert in ihrem Raumanzug fest, der nur noch wenige Stunden Sauerstoff spendet. Sobald die Nacht anbricht, werden die Temperaturen auf minus sechzig Grad fallen. In dem ganzen Chaos geht der kleine Will verloren. Er findet ein roboterähnliches Wesen, das ihm auf den ersten Blick gar nicht wohlgesinnt scheint. Doch Will rettet der Kreatur das Leben, und von nun an hat er einen treuen Begleiter, der praktischerweise auch übermenschlich stark ist und Wärme erzeugen kann. Und dessen Geschichte sich bald zum spannendsten Element der Serie entwickelt.

          „Lost in Space“ will nach wie vor klassische Familienunterhaltung sein, und das heißt in diesem Fall: Im Herzen sind sie alle gut. Jeder würde sein Leben für die anderen opfern, Liebe triumphiert. In den ersten Folgen der Serie treiben die Ereignisse die Handlung an, nicht die Charaktere.

          Für Spannung jenseits der Actionsequenzen sorgt vor allem eine mysteriöse Figur namens Dr. Smith, gespielt von Parker Posey. Das politische Potential der Geschichte einer neuen Gesellschaft im Weltall lassen die Serienmacher Matt Sazama und Burke Sharpless weitgehend außen vor. Nur am Rande werden dazu Fragen gestellt, etwa: Wie soll in der neuen Welt mit Verbrechern umgegangen werden? Wie überzeugend ist es, dass jemand, der nur an sich selbst denkt, von einer Gruppe zur Verantwortung gezogen wird, die alle Menschen jenseits der definierten „Elite“ zum Sterben auf der Erde zurückließ? Diverse Star-Trek-Auflagen haben gezeigt, dass auf holprige erste Staffeln bessere folgen können. Dafür müssten Sazama und Sharpless bei Netflix aber noch etwas nachlegen und ihre moderne Familiensaga auch mit modernen filmischen Mitteln erzählen.

          Lost in Space ist bei Netflix zu sehen.

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