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Senta Berger im ZDF : Aufgeben kam für sie nie in Frage

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Senta Berger sehen wir an diesem Samstag in der Rolle als Eva Maria Prohacek zum letzten Mal. Bild: ZDF und Wolfgang Aichholzer

Im ZDF verabschiedet sich Senta Berger als Kriminalrätin Dr. Eva Maria Prohacek. In der Rolle der Emittlerin ohne Fehl und Tadel hat die Schauspielerin ein Kapitel Fernsehgeschichte geschrieben. Das ist eine lange Geschichte.

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          Wozu die vielen Gläser? „Nach zwanzig Jahren Diaspora im Keller – es kommt niemand“, prophezeit Kriminalrätin Dr. Eva Maria Prohacek (Senta Berger) und hält ihren einzigen Mitarbeiter, André Langner (Rudolf Krause); vom Öffnen weiterer Sektflaschen ab. Morgen steht der Termin mit dem Polizeipräsidenten an, bei dem ihr Chef und ewiger Widersacher, Dr. Claus Reiter (Gerd Anthoff), jovial den Abschieds-Präsentkorb überreichen, die launige Ansprache halten und einmal mehr seine Fähigkeit der hinterfotzigen Schönrednerei unter Beweis stellen wird.

          Morgen werden sich dann zuverlässig alle Kollegen und Politiker zeigen, am liebsten in der ersten Sitzreihe, in der man es auch als vom Volk gewählter Hinterbänkler in die Münchner Lokalnachrichten schafft. Aber heute? Zum Privatumtrunk erscheint niemand. „Bist’ froh, dass Du Sie los bist, die alte Kachel?“, fragt Staatssekretär Haberfeldt (Michael Lerchenberg) Reiter im Treppenhaus des Landtags. Und wie. Allzu oft hat sie in Fällen, die bis in die Staatskanzlei reichten, Filz und Korruption ans Licht gebracht, hat politische Intrigen entlarvt und dabei zwei Schlaganfälle weggesteckt. Nur ihren Chef, dem konnte sie zwar immer wieder kleine Schweinereien, aber nicht die ganz große Sauerei beweisen. Nun ist Schluss, Finale. Oder eher: Schlachttag.

          Nach achtzehn Jahren und neunundzwanzig Folgen sagt Eva Maria Prohacek, das schlechte Gewissen der Münchner Polizei, nun servus. Als schlechtes Gewissen, nicht als reines Gewissen, dazu hätten mehr Macht und mehr Durchsetzung qua Stellung gehört. Immer wieder hat sich die für Amtsmissbrauch zuständige Kriminalrätin, „Nestbeschmutzerin“ von Beruf und Berufung, mit ihrem Mitstreiter Langner an ihren Fällen die Finger verbrannt, seit sie mit ihrem ersten Auftritt in „Unter Verdacht – Verdecktes Spiel“ den mutmaßlichen Mord an Martina Weiss aufklären wollte.

          Jener Frau, die in ihrem Haus verbrannte. Ihr Tod kam einem Investorenkonsortium sehr zupass, welches dann auf ihrem Grundstück das Wohnprojekt „Paradiesgarten“ verwirklichen konnte. Akten und Beweise für Querverbindungen verschwanden. Auf Prohacek wurde ein Mordanschlag verübt, der für den Angreifer tödlich endete. Die Waffen einer Frau, inklusive Stielkamm zum Haaretoupieren, unterschätze man nicht. Der Bauamtsmitarbeiter Bangert (Heinz-Josef Braun) ging als Bauernopfer ins Gefängnis. Die anderen kamen ungeschoren davon und blieben anonym. Aber der Verdacht blieb, fast zwanzig Jahre lang. Die erste Folge von „Unter Verdacht“ erhielt den Grimme-Preis und den Juliane Bartel Medienpreis. Es blieben nicht die einzigen für die Serie, die in den besten Folgen lupenreiner Politthriller und noch in den weniger herausragenden gesellschaftlich relevant war.

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