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Serie bei Amazon : Sein Name ist Rider, Alex Rider

  • -Aktualisiert am

Amazon Prime hat sich nun mit der achtteiligen Serie ein neues „Alex Rider“-Projekt vorgenommen Bild: Foto: Amazon Prime Video/Sony

Es geht um faschistisches Gedankengut, Übermenschentum, Euthanasie und Weltherrschaft: Amazon Prime schickt einen jugendlichen Superspion in Serie. Kann das gelingen?

          3 Min.

          Im Jahr 2000 veröffentlichte Anthony Horowitz in Großbritannien mit „Stormbreaker“ den ersten Band seiner Reihe um den Teenager-Spion Alex Rider. In diesem Jahr erscheint mit „Nightshade“ der dreizehnte Titel. Kaum eine Reihe ist bei jugendlichen Lesern so beliebt, daneben gibt es den James Bond im Westentaschenformat als Computerspiel und für Nintendo. Auf Riders Fanseite laden Kleinabenteuer zum Eintritt in die Welt einer Spezialabteilung des britischen Auslandsgeheimnisses MI6 ein: Berufsspione, die der Teenie das Fürchten lehrt. Denn Alex hat nicht nur Köpfchen, sondern ist auch cleverer – und er hält im Gegensatz zu ihnen Freundschaft wert. Im Herzen ist er ein Normalo, der gern zur Schule geht, altersüblichen Unfug macht und ansonsten gechillt herumhängen will. Leider aber kommen ihm immer wieder Weltverschwörungen dazwischen.

          2006 gab es eine „Stormbreaker“-Verfilmung, die trotz imposanter Besetzung floppte. Alex Pettyfer spielte den jugendlichen Helden als Sportass, in den weiteren Hauptrollen sah man Mickey Rourke und Damian Lewis als Superschurken, Ewan McGregor, Stephen Fry und Robbie Coltrane (Premierminister) als die Guten. In „Stormbreaker“ stirbt der Onkel des Vollwaisen Alex unter verdächtigen Umständen – er hielt sich stets an Geschwindigkeitsbeschränkungen, was einen tödlichen Autounfall für den Schüler höchst verdächtig macht. Nach und nach kommt Alex den Geheimdienstleuten auf die Spur. Onkel Ian Rider arbeitete mitnichten als Rechenschieber in einer Bank, sondern war in geheimer Mission für ihre Majestät tätig. In „Stormbreaker“ bedroht bald ein tödliches Supervirus die Menschheit. Verbreitet werden soll es über Schulcomputer. Ein geplanter Film zum Folgeband „Das Gemini-Projekt“ kam damals nicht zustande.

          Amazon Prime hat sich nun mit der achtteiligen Serie ein neues „Alex Rider“-Projekt vorgenommen. Zum horizontalen Erzählen eignet sich die Jugendserie auch viel besser als für einen Film. Die Titelfigur hat man älter gemacht und aktualisiert. Vor zwanzig Jahren war Alex vierzehn, in der Serie dürfte er eher sechzehn plus sein. Die James-Bond-Meisterspion-Utensilien gibt es nicht mehr; hier wird, wie im echten Teenagerleben, alles mit dem Smartphone gemacht. Megasportlich ist Alex noch immer, schlau, aber nicht superschlau, freundlich, höflich, anfangs wie mit seiner Schuluniform verwachsen, aber ein wenig frech und vor allem – sympathisch. Otto Farrant gibt ihn mit Charme und moralischer Entschlossenheit als einen Jungen von nebenan, den selbst eifersüchtigste Väter mit ihren Teenietöchtern allein lassen würden.

          Die Folgen von „Alex Rider“ verbinden Motive aus „Stormbreaker“ und dem „Gemini-Projekt“ (Regie Andreas Prochaska und Christopher Smith, Buch Guy Burt und Anthony Horowitz). Wieder stirbt Ian Rider (Andrew Buchan) beim Autounfall. Alex kommt mit seinem Freund Tom (Brenock O’Connor) und der Haushälterin Jack (Ronke Adekoluejo) wegen Nachforschungen in die Geheimdienstbredouille, wird von Alan Blunt (Stephen Dillane) und seiner Spezialabteilung rekrutiert, von der Agentin Mrs. Jones (Vicky McClure) unter die unmütterlichen Fittiche genommen und gleich auf Mission in ein abgelegenes Millionärskinder-Umerziehungslager in die Schweizer Berge geschickt. Dort, in Point Blanc, treiben der dämonische Hitler-Verehrer Dr. Greif (Haluk Bilginer) und seine Handlangerin Eva Stellenbosch (Ana Ularu) eine Art Frankensteinlabor. Ausgewählte rebellische Teenager werden gefügig gemacht und als Adoleszenzzombies nach Hause geschickt. Wo sich anschließend tödliche Familienunfälle ereignen, an denen stets ein gewisser Yassen Gregorovich (Thomas Levin) beteiligt ist. Es geht um faschistisches Gedankengut, Übermenschentum, Euthanasie und Weltherrschaft – in jugendgerechter Form dargeboten. Gegen das Böse setzt Alex seine Gutherzigkeit, gewitzte Schliche und vor allem seine Vorstellung von Freundschaft unter Peers.

          Anthony Horowitz’ Botschaft trifft hier mehr auf J.K. Rowling als auf James Bond. Wie in Harry Potter ist die Schule ein Freundschafts- und emotionaler Zufluchtsort. Ein Einziger mag auserwählt sein, aber viele Prüfungen schafft man nur gemeinsam. Wie Harry Potter hadert Alex Rider mit seiner Sonderstellung. Bei Amazon Prime hat man eine Menge „Jason Bourne“- Action in die Folgen gebracht, noch mehr Schulspaß und gibt der Titelfigur Empathie. Die Folgen sind spannend, aber missionsmäßig eindeutig. Gelungen ist der düstere Look des Eliteinternats Point Blanc, eines weitläufig wirkenden Art-déco-Gebäudes, das allein schon mit kaltem Marmor und massiven Holzvertäfelungen einschüchtert. „Alex Rider“ wird in zweiter Staffel fortgesetzt. Noch ein Punkt für Amazon Prime im Wettbewerb der Streaminganbieter. Mit den vielen Jugendserienproduktionen von Netflix kann man sich freilich noch lange nicht messen.

          Alex Rider läuft bei Amazon Prime Video.

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