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„True Detective 3“ : Tief im Süden, wo der Rassismus wohnt

  • -Aktualisiert am

Offene Fragen: Die Ermittler Wayne Hays (Mahershala Ali, links) und Roland West (Stephen Dorff) kommen in dem Fall der verschwundenen Kinder nicht weiter. Bild: HBO/Sky

Die Krimiserie „True Detective“ ist zurück. Ihre erste Staffel wurde bewundert, die zweite verspottet. In der dritten sorgt Oscarpreisträger Mahershala Ali schon ganz allein für eine besondere Klasse.

          Was war das für ein Jubel, als der amerikanische Abosender HBO 2015 mit „True Detective“ eine erstaunliche Variation der Kriminalserie vorlegte: ein düsteres, existentialistisches Stück über die Abgründe der menschlichen Seele und der amerikanischen Gesellschaft, stimmungsvoll in der Provinz angesiedelt und gefilmt, mit einer herben Männerfreundschaft zwischen den von Woody Harrelson und Matthew McConaughey gespielten Polizisten. Und was hob für ein Geschrei an, als die hastig nachgeschobene zweite Staffel der Serie von Nic Pizzolatto enttäuschte: ein verworrenes, allzu vollgestopftes Werk. Die Luft schien raus, wie bei so vielen Versuchen, eine wunderbar gelungene Sache in die zweite Runde zu schicken.

          Man muss daher den Hut ziehen, dass sich HBO nicht entmutigen ließ und nun eine dritte Staffel folgen lässt. Programmchef Michael Lombardo hatte nach der zweiten Staffel die Schuld auf sich genommen. Er habe Pizzolatto zur Eile gedrängt, anstatt ihm die Zeit zu geben, die Geschichte zu entwickeln: „Wir hatten einen Riesenerfolg, und ich wollte das gleich noch mal haben.“ Die zweite Staffel von „True Detective“ geriet zum Flop, nicht weil sie grottenschlecht war, sondern weil sie dem Vergleich mit ihrem ausgezeichneten Vorläufer nicht standhielt.

          Der dritte Teil spielt nun wie der erste im ländlichen Südstaaten-Amerika, abermals arbeitet Pizzolatto mit Zeitsprüngen und einem mystischen Element, diesmal geht es um eigenartige Figuren, die nach dem Verschwinden zweier Kinder gefunden werden. Und einmal mehr steht ein Zweiergespann im Mittelpunkt.

          Oscarpreisträger Mahershala Ali spielt den Kriminalpolizisten Wayne Hays, ein Vietnamveteran, der mit seinem Partner Roland West (Stephen Dorff) in den frühen Achtzigern zu dem Verschwinden zweier Kinder aus dem kleinen Kaff West Finger in Arkansas ermittelte. Jetzt soll Hays, inzwischen ein alter Mann, für eine Fernsehsendung zu einem Fall, der zum Politikum wurde, noch einmal Rede und Antwort stehen.

          Zeitsprung: Die Detectives zu Beginn der Ermittlung.

          Auf drei Zeitebenen folgen wir dem Geschehen: 1980, als Hays und West den Fall bearbeiten; 1990, als er abermals aufgerollt wird; und 2015, als Hays für die Sendung „True Criminal“ interviewt wird. Der faszinierendste Handlungsstrang ist der Letztgenannte, in dem Hays zurückblickt. Die Ärzte meinen, er leide an einer Vorstufe von Alzheimer. Hays verwirft die Diagnose wütend, ist aber ein unzuverlässiger Erzähler.

          Die Maske, die den vierundvierzig Jahre alten Schauspieler Ali altern und jünger werden lässt, ist erstaunlich; und wie er seine Figur als jungen Detective, Familienvater und schließlich als greisen Witwer verkörpert, ist es ebenso. „True Detective 3“ erzählt weniger von einem Kriminalfall denn von der Suche nach Identität in den amerikanischen Südstaaten, in denen Rassismus so tief verwurzelt ist, dass er noch in scheinbaren Nebensächlichkeiten zum Ausdruck kommt. Das von Alis Figur zitierte Einstein-Wort, Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft seien nur eine hartnäckige Illusion, wird bestätigt und doch widerlegt, dafür steht nicht nur das Schicksal des Polizisten Hays. „Ich passte einfach nicht mehr in diese alte Geschichte“, beschreibt ein Vietnamveteran und Schrottsammler, den die Ortsansässigen bald als Schuldigen ausmachen, seine Verlorenheit nach der Heimkehr aus dem Krieg.

          In einem Pressetermin sagte Ali, für ihn sei ein Traum wahr geworden, mit solchem Material spielen zu dürfen. Wayne Hays sei jemand, „der eigentlich nicht lacht“. Das, sagte Ali, ein Gespräch mit dem Serienschöpfer Nic Pizzolatto aufrufend, habe die Figur für ihn wirksam umrissen. „Es war eine Herausforderung, aber auch eine große Freude, das zum Leben zu erwecken. Denn es ist ja bloß eines, dass das Geschriebene herausragt – dann gilt es, das zu verarbeiten, es auch auf dem Bildschirm zu etwas Besonderem zu machen. Das folgt ja nicht immer von allein.“ Pizzolatto, sagte Ali, sei ein sehr komplizierter Drehbuchautor. „Aber ist absolut brillant und ein ziemlich tiefsinniger Mensch.“

          Pizzolatto ist jedenfalls am besten, wenn er über Männer schreibt. Wie die erste ist die dritte Staffel von „True Detective“ ein Testosteron-erfülltes Leiden an der Welt. Die Katzenhaftigkeit und vorsichtige Intelligenz, die Ali seiner Figur verleiht, ist reizvoll: ein Jäger, der in Vietnam allein durch den Dschungel streifte, um feindliche Positionen auszuspähen, und dessen Aufmerksamkeit wenig entgeht. Stephen Dorff als Hays’ Partner West ist ein Grobmotoriker, ein rauhbeiniger Kerl mit Schnauze, der seinen Partner Ali respektiert und doch bald ebenso an ihm vorbeizieht wie die Lehrerin und spätere Ehefrau von Hays, Amelia Reardon. Diese Figuren rahmen Hays. Es ist ein schauspielerisches Solo für Ali.

          Die Form stimmt, nur dem Topos fehlt es an Frische. Bisweilen wirkt „True Detective 3“ wie eine behutsame Variation der für groß befundenen Staffel eins. Aber Alis Auftritt, der subtile Ausdruck seiner Figur, die von einer tiefen Wut über den Kampf um die eigene Identität geprägt ist, ist es allein schon Wert, einzuschalten.

          Die dritte Staffel von True Detective beginnt am Montag um 20.15 Uhr bei Sky Atlantic, sie ist bei Sky Ticket abrufbar.

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