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Serie „Dead End“ : Öfter mal nichts Neues

  • -Aktualisiert am

Etwas eigen: Emma (Antje Traue) sitzt nachdenklich am Küchentisch. Bild: ZDF und Carolin Ubl

Die Todesfälle häufen sich: In der neuen Serie „Dead End“ auf ZDFneo ermittelt eine dysfunktionale Forensiker-Familie die skurrilsten Fälle in geheimnisvoller Atmosphäre.

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          ZDFneo ist die Abenteuerspielwiese des ZDF für Serieneigenproduktionen. Das angepeilte Publikum ist jünger, was nicht bedeutet, dass hier nur auf der Höhe der Zeit erzählte Fernsehereignisse ohne Quotennetz und mit doppeltem Erzählboden zu Hause wären, aber man sieht doch immer weniger monothematische Ausrichtung als im Hauptprogramm. Manches zeigt Werkstattcharakter wie etwa die „Lobbyistin“ mit Rosalie Thomass als Hauptstadt-Politeinflüsterin. Es gibt gelungene Bundestagscomedy wie „Eichwald, MdB“ mit Bernhard Schütz und Maren Kroymann. Gelegentlich leistet man sich Selbstironie mit Wohlfühlcharakter wie in „Lerchenberg“ mit Sascha Hehn oder versucht sich erfolgreich an Brisantem wie in „Bruder – Schwarze Macht“ mit Sibel Kekilli als Polizistin, die gegen die Radikalisierung ihres Bruders durch Hassprediger kämpft, oder in „Tempel“ mit Ken Duken als Berliner Altenpfleger im Clinch mit Hausspekulanten. Dass die großartige deutsch-luxemburgische Finanzserie „Bad Banks“, gerade mit dem Grimme-Preis ausgezeichnet, nicht zuerst bei ZDFneo lief, sondern gleich im erwachsenen Hauptsender, ist erstaunlich.

          Allerdings liegt die Ausstrahlung dieser Serien – mit Ausnahme von „Bad Banks“ – schon wieder einige Zeit zurück. Inzwischen heißt es auch bei ZDFneo: Öfter mal nichts Neues. Dafür lieber Krimi. Wie in „Dead End“, deren sechs Folgen gleichzeitig in der Mediathek zur Verfügung stehen. Die Serie ist eine Kreuzung aus „Six Feet Under“ und „Der Letzte Zeuge“, die statt im Bestatteralltag nun eben in einer dysfunktionalen Forensiker-Familie spielt – doch ohne die Qualität der beiden anderen Serien zu erreichen. Eine der beiden Hauptfiguren ist Dr. Emma Kugel (Antje Traue), eine brillante Pathologin, die nur dann nervös wird, wenn bei der Obduktion von Todesfällen Ungeklärtes ungeklärt zu bleiben droht. Die andere ist ihr Vater Dr. Peter Kugel (Michael Gwisdek), der in seiner Pathologenpraxis mit angeschlossenem verstaubten Villenanwesen im ländlichen Brandenburgischen die örtliche Polizei unterstützt. Seit Emma zum 75. Geburtstag ihres Vaters aus Amerika zurückgekehrt ist, häufen sich die Todesfälle, was dem eher denkfaulen Polizisten Michael Schubert (Lars Rudolph) Rätsel aufgibt, während seine Kollegin Betti Steiner (Victoria Schulz) nicht nur beruflich hin und weg ist von der attraktiven Cowboystiefelträgerin, die die Fußbekleidung im Lauf der Ermittlung als sichtbares Zeichen des Heimkommens gegen Wanderturnschuhe tauscht.

          Tod und Verfall

          Die Fälle möchten skurril erscheinen wie bei „Dr. House“; die problemlösungszentrierte Empathielosigkeit der Tochter, die sich sofort ungefragt in alle beruflichen Belange des Vaters einmischt, erinnert an die Arzt-Autistenserie „The Good Doctor“. Wie in „Der letzte Zeuge“ mit Ulrich Mühe stehen die Opfer im Mittelpunkt, nicht die Täter. Mal geht es um die berufsjugendliche Besitzerin eines Fitnesscenters, die von ihrem Laufband fast gekillt wird, mal um ein Schneewittchen, das vor dem Biss in den Apfel einen tödlichen Hustenanfall erleidet, mal um einen geschminkten abgestürzten Gleitschirmflieger oder eine Greisin, die im Pflegeheim ihren Hundertsten gerade so noch erlebt hat oder auch nicht. Wer sehr lange den düstergrauen Schleier über den Bildern (Regie Christoph Schier, Bücher Magdalena Grazewicz und Thomas Gerhold), die gewollt geheimnisvolle Atmosphäre in der alten Villa und die nervtötende Lässigkeit der Bürgermeisterfigur, die Fabian Busch gibt, erträgt, für den wird es ab der vierten Folge spannender.

          Als Freund oder Ex-Freund taucht Kevin Dorsett (Nikolai Kinski), FBI-Agent, in der lebensbedrohenden Beschaulichkeit des Örtchens Mittenwalde auf, um Emma nachzustellen oder vielleicht zu verhaften. Es kommt zu Vorfällen, deren Ausgang auf eine geplante zweite Staffel schließen lässt. Wäre „Dead End“ gut zitiert und atmosphärisch dicht geklittert, dann störten die Anklänge an andere Serien überhaupt nicht. Das spezielle nichtsentimentale Verhältnis zu Tod und Verfall bleibt interessant, und die Gefühlslage des Doktor-Vaters mit seiner Angst vor Demenz und Alzheimer spielt Gwisdek mit zugeneigter Lebensklugheit. Traues Emma Kugel aber bleibt als Ich-bin-ein-Mastermind-und-weiß-alles-besser-Tochter bis zum Schluss eine grundunsympathische Figur. Da hilft auch ein Cliffhanger gegen Ende nichts.

          Dead End, dienstags, 21.45 Uhr, bei ZDFneo.

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