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Arte-Serie „Elven“ : Leiche im Sperrgebiet

  • -Aktualisiert am

Der Polizist Thomas Lønnhøiden (Espen Reboli Bjerke) hat viele Fragen. Bild: © Torbjørn Sundol Holen/ZDF

Aus Norwegen kamen zuletzt aufregende Thrillerserien. „Elven“ ist davon vielleicht nicht die beste, aber spannend ist sie. Es geht um eine unbekannte Tote, die Armee und die nahe Grenze zu Russland.

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          Norwegen lieferte uns in den letzten Jahren viel hochwertiges Fernsehen wie die Serie „Occupied“, in der das Land in den Griff Russlands gerät, oder den Krimi „Mammon“, dessen zweite Staffel einen International Emmy Award in der Kategorie Drama erhielt. Bewundernswert war auch, was man sich für das vorwiegend heimische Publikum ausdachte – die Teenie-Webserie „Skam“, die im Berliner Remake „Druck“ genannt wurde, führte unter norwegischen Jugendlichen zu einem veritablen Hype. Selbst „Slow TV“-Sendungen wie die 134 Stunden lange Live-Sendung „Hurtigrute. Minute für Minute“ oder die „Nationale Brennholznacht“ wurden zum Ereignis.

          Den achtteiligen Thriller „Elven. Fluss aus der Kälte“, der von mysteriösen Vorkommnissen im Norden Norwegens erzählt und die Gedanken allmählich in die Zeiten des Kalten Krieges zurücklenkt, wird man jedoch nicht zu den eindruckvollsten Produktionen aus Norwegen zählen wollen. Die für TV3 entwickelte Serie, die im Original im Frühjahr 2017 gesendet wurde, fesselt die Aufmerksamkeit der Betrachter nicht ansatzweise so wie „Occupied“ oder „Mammon“, seine Erfinder waren nicht mutig und innovationshungrig wie die der Jugendserie „Skam“. Dass die Serie Längen hat, reicht für eine Einordnung in die Kategorie „Slow TV“ leider nicht aus.

          Ganz so schlimm, wie es ob manch enttäuschter norwegischen Kritiker anzunehmen war, ist es um „Elven“ allerdings nicht bestellt. Ja, der Serie geht der Sinn fürs Innenleben ihrer Figuren ab. Die Schauspieler spielen vergleichsweise emotionslos, die Dialoge sind häufig schwach, und Milieustudien darf man in „Elven“ auch nicht erwarten.

          Aber die von Arne Berggren und Kristine Berg entwickelte Story ist schon deshalb nicht ohne Reiz, weil in ihr früh der Verdacht auf eine weitreichende Konspiration im Raum steht: In einem fiktiven, hauptsächlich von Soldaten und Anhängern der gottesfürchtigen Laestadianer belebten Ort nördlich des Polarkreises – die russische Grenze ist nicht fern – findet ein Mädchen im Wasser eines Flusses eine menschliche Hand. Eine grässliche Sache. Mit dem Polizisten Thomas Lønnhøiden (Espen Reboli Bjerke), der sie zu den Umständen zu befragen versucht, kann oder darf die autistisch anmutende Silija über ihr Erlebnis nicht reden. Sie schweigt.

          Im Wald brennt die Hütte, die Ermittler können sich gerade noch retten.
          Im Wald brennt die Hütte, die Ermittler können sich gerade noch retten. : Bild: © Torbjørn Sundol Holen/ZDF

          Kurz danach ist die Zehnjährige, deren Mutter Grace (Anne Mággá Wigelius) sich gelegentlich offenbar prostituiert, weil sie Geld für die Flucht aus der beklemmend kleinen Gesellschaft braucht, verschwunden und schließlich tot. Ihre Leiche wird im militärischen Sperrgebiet aufgefunden, das gut überwacht sein sollte. Das Militär, dem die ehrgeizige Offizierin Mia Holt (Ingeborg Sundrehagen Raustøl) ebenso dient wie ein blutjunger Rekrut (Thomas Hayers), erwies sich freilich schon bei der Suche nach dem Mädchen als alles andere denn hilfreich. Es sorgt nun, nach dem Leichenfund, für Hinweise, mit denen der Fall zu den Akten gelegt werden kann – auffallend hastig.

          Thomas Lønnhøiden macht das misstrauisch, und der Zuschauer ist es ohnehin. „Elven“ mag kein großer Knaller sein. Möglicherweise ist das auch eine Folge der Entscheidung des Serienschöpfers Berggren, nicht mit einem fertigen Manuskript nach Nordnorwegen zu reisen, sondern das Buch während der Dreharbeiten weiterzustricken, inspiriert von Landschaft, Ort und Geschichte.

          Aber wissen, was im Nest Djupelv kurz vor Russland los ist, wer die Leiche ist, die ein Mann in einem dunklen Gebäude zersägt, und wie das mit der Postsendung zusammenhängt, die Thomas Lønnhøiden zu Serienbeginn bekommt, Absender unbekannt, das will man so oder so. Die Skandinavier, die Norweger, auch die Schweden und erst recht die Dänen, haben uns süchtig gemacht.

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