https://www.faz.net/-gsb-7l37m

Im Gespräch: Jon Voight : Wer will mal den Oscar halten?

  • Aktualisiert am

„Ich gehe also ans Telefon und höre: ’Tschahn! How aah you?’“: Jon Voight erinnert sich an das Gespräch mit Arnold Schwarzenegger ganz genau. Bild: AP

Hat er es wirklich abgelehnt, im „Weißen Hai“ mitzuspielen? Stimmt nicht, sagt Jon Voight. Aber Arnold Schwarzenegger wollte ihn zum „Superman“ überreden. Ein Gespräch.

          6 Min.

          Im dunklen Pullover und dezent gestreifter Anzughose sitzt Jon Voight auf der Couch einer Suite des Beverly Hilton in Beverly Hills und deutet auf den freien Platz neben ihm. „Setzen Sie sich“, sagt er mit einem Lächeln und schlägt die langen Beine übereinander - ein freundlicher, schlanker Mann, der leise und überlegt spricht und dem man seine sieben Lebensjahrzehnte nicht ansieht.

          Mr. Voight, Sie sind fast 75 Jahre alt. Was tun Sie, um so jugendlich auszusehen?

          Jon Voight: Ich achte auf mich. Ich treibe Sport, in Maßen. Ich schwimme, und ich boxe ein wenig, das ist eine hervorragende Art, sich fit zu halten. Ich nehme eine Reihe von Vitaminen und Nahrungsergänzungsmitteln. Unsere Nahrung wird ja heute in der Massenproduktion mit Chemikalien und anderen belastenden Mitteln versetzt, die im Moment vielleicht notwendig sind. Aber sie hat nicht mehr die Kraft und die gesunden Inhaltsstoffe wie einst. Ich interessiere mich viel stärker für die Vorbeugung von Gesundheitsproblemen als für diese aggressiven Methoden, die wir anwenden, sobald sich Symptome zeigen. Angesichts der Übermacht der Pharmaindustrie habe ich manchmal das Gefühl, dass eine Schlacht um die Seele des Medizinerberufs geführt wird.

          Sie haben eine aufregende Karriere hinter sich. Sie haben große Rollen gespielt und andere große abgelehnt. „Der weiße Hai“ soll zum Beispiel darunter sein.

          Nein, das stimmt nicht. Diese Geschichte geistert seit Jahren herum. Ich habe allerdings eine frühere Filmrolle abgelehnt, die Steven Spielberg mir anbot, in seinem Langfilm-Debüt „The Sugarland Express“. Er wollte mich in einer kleinen Rolle als Cowboy haben, weil ich „Midnight Cowboy“ gemacht hatte, und ich fand das ein bisschen abgeschmackt, also habe ich abgelehnt. Daraus wurde dann später, ich hätte Spielberg für „Der weiße Hai“ einen Korb gegeben. Junge, ich wünschte, man hätte mir den „Weißen Hai“ angeboten! Hat man aber nicht.

          Stimmt es denn, dass Sie „Love Story“ lieber nicht machen wollten?

          Ja, und zum Glück, denn Ryan O’Neal war genau der Richtige für die Rolle, der passte einfach perfekt. Ich war eher der Typ, der Existenzängste verströmt, ich hätte den Film ruiniert, glaube ich.

          Bereuen Sie, dass Sie zu „Superman“ nein gesagt haben?

          Nein, nein! (lacht) Ich bin ein schlaksiger Typ, ich hätte nie die Form von Superman gehabt. Klar war ich total geschmeichelt, dass man mir das überhaupt anbot, das ist ja ein Held meiner Kindheit. Ich liebte die Superman-Comics, ich habe sie alle gelesen.

          Der Regisseur Richard Donner wollte Sie für die Rolle in seinem Film haben.

          Ja, ich glaube, seine erste Wahl war Burt Reynolds, und dann fragte er James Caan. Sie lehnten beide ab, und irgendwo weiter unten auf der Liste stand ich. Ich habe mich mit Donner in diesem Hotelzimmer getroffen, einfach nur, weil ich mich geschmeichelt fühlte. Na ja, ich drehte damals „Coming Home“, und ich war ziemlich fit, aber ich glaube nicht, dass ich das physisch glaubwürdig hätte machen können. Er machte mir all diese Komplimente, aber ich sagte: „Richard, ich kann das körperlich nicht erfüllen, ich habe einfach nicht die muskulöse Physis, die für diese Rolle nötig ist.“ Und Richard sagte: „Ach was, Jon! Das macht alles der Anzug! Ich habe ihn hier im Nebenzimmer, willst du nicht mal reinschlüpfen? Ich habe ihn selbst schon anprobiert!“

          Haben Sie ihn angezogen?

          Nein.

          Bestimmt bereuen Sie das bis heute.

          Nein, nein? (lacht) Aber Richard sagte zu mir: „Okay, Jon, dann tu mir zumindest den Gefallen und sprich mit diesem Typen, den ich hier am Telefon habe, er heißt Arnold Schwarzenegger.“

          Topmeldungen

          Mehr als Vater, Mutter, Kind: Frau Kirschey ist 98 Jahre alt und hat Covid-19 im März mit einem leichten Verlauf überstanden. Hier mit Tochter und Urenkelin.

          Zusammenhalt in Corona-Zeiten : Familie ist mehr!

          Seit mehr als neun Monaten hält uns die Pandemie in Atem. Für die Familien werden die Zeiten nicht einfacher. Und die Politik sendet fatale Signale. Ein Essay.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.